Luxus-Firmensitz wird zu Wohnpark: Was im Münchner Osten genau geplant ist

Münchner Traditionsfirma, gehobenes Preissegment: Die Modefirma Bogner wurde 1932 in Berg am Laim gegründet. Ihr Areal in der St.-Veit-Straße 4 in Berg am Laim war bekannt für exklusive Wintersport-Modeschauen – und einen Showroom mit knalligen Skioveralls und trendigen Pudelmützen.
Nach 70 Jahren Historie verkaufte das ehemalige Ski-Ass, Society-Star und Designer Willy-Bogner 2021, das riesige Areal an den Wiener Immobilienentwickler UBM.

Ein Seniorenheim hätten sich damals Lokalpolitiker an der Stelle gewünscht, auch ein zweites Alten- und Service-Zentrum fürs Viertel. "Überall, auch bei uns, werden die Leute älter. Wir im Bezirksausschuss setzen uns dafür ein, dass sie in hier wohnen bleiben können. Ich finde es schwer ertragbar, wenn Senioren wegen eines Heimplatzes wegziehen müssen", sagt Alexander Friedrich (SPD), BA-Chef von Berg am Laim.
Das Bogner-Areal wurde für 55 Millionen Euro verkauft
Doch die Stadt erwarb das große Bogner-Grundstück nicht. Die 12.000 Quadratmeter Fläche wurden für 55 Millionen Euro verkauft. Neben den 264 Wohnungen sind auch eine Kita und ein neuer Supermarkt geplant. Der Abriss der Produktionsstätten und Büros der ehemaligen Bogner-Firmenzentrale ist vollzogen. "Großflächige Versiegelungen wurden entfernt, um die geplante Gartenlandschaft realisieren zu können", erklärt ein UBM-Sprecher.

Der Wiener Projektentwickler UBM plant hier das Wohnprojekt "Timber Living": 60 Mietwohnungen und 204 Eigentumswohnungen. Der Wohnungsschnitt reicht von der Ein- bis zur Fünfzimmer-Wohnung, nachhaltig in Holzhybridbauweise errichtet. "Geothermie und Fotovoltaik ergänzen das nachhaltige Konzept", informiert die Projektbeschreibung.
Um einen geschützten Innenhof, der als grüne Mitte gedacht ist, liegen die Wohnzeilen, entworfen vom Architekturbüro Zanderroth aus Berlin, die übrigens auch in Freiham-Nord Wohnungen und eine Kita bauen.
Der Baubeginn steht kurz bevor. Nahezu alle Wohnungen sind barrierefrei. Der grüne Hof, Loggien und Dachterrassen sollen den Bewohnern Rückzugsmöglichkeiten bieten. Eine möglichst "biophile", eine naturliebende Umgebung für die Menschen zu schaffen, sei das neue Mantra von Architekten und Stadtplanern. Holz schaffe ein gesundes Raumklima, "Holzoberflächen senken das Stresslevel", wirbt der Bauträger. Der Baustoff Holz soll auch in den Decken der Wohnungen sichtbar sein.
Ich bedaure die Gentrifizierung im Viertel
Der Bezirksausschuss-Chef von Berg am Laim, Alexander Friedrich (SPD), kommentiert das Projekt: "Die teuren Wohnungen werden ihre Abnehmer finden. Ich persönlich bedaure die Gentrifizierung in unserem Viertel, in dem die Mieten noch halbwegs erschwinglich sind." Die Sorge des 39-jährigen Lokalpolitikers: Durch das neue hochpreisige Wohnen ziehen auch die Mieten in der Umgebung an.

Alexander Friedrich sieht sich an der Seite der kleinen Leute. Er sagt: "Im Werksviertel entstehen Arbeitsplätze. Also ziehen Leute nach Berg am Laim, die keine Verwurzelung im Viertel haben. Ich befürchte eine anonymere Bevölkerungsstruktur – und dass da Bindungen verloren gehen."
Berg am Laim verändert sich gerade rasant: Am Truderinger Acker entstehen 800 Wohnungen, darunter ein Hochhaus mit Panoramablick. Es ist prognostiziert, dass 2000 Menschen in den nächsten Jahren in das neue Wohngebiet ziehen - neben die kleinen Häuser einer Eisenbahnersiedlung in Berg am Laim.