Luise Kinseher: "Ich muss mich zusammenreißen"

Warum Luise Kinseher als Mama Bavaria heuer am Nockherberg richtig grantig ist, was sie in ihrer Rede bewegt – und wer sie berät.
| Interview: Christian Pfaffinger
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Luise Kinseher gibt zum sechsten Mal die Bavaria auf dem Nockherberg.
dpa Luise Kinseher gibt zum sechsten Mal die Bavaria auf dem Nockherberg.

München - Am kommenden Mittwoch findet der Starkbieranstich am Nockherberg statt. Die AZ hat mit Luise Kinseher, der legendären Bavaria-Figur, gesprochen.

AZ: Frau Kinseher, wie grantig ist die Mama Bavaria heuer?

LUISE KINSEHER: So grantig, dass sie sich zusammenreißen muss und darauf besinnen muss, dass sie lieb hat. Weil die Mama halt lieb haben muss. Ein Kind verstoßen, das macht eine Mama nicht.

Wie entscheiden Sie, was Sie sagen – und was besser nicht?

Das ist Gefühlssache. Alles, was unter der Gürtellinie ist, gefällt mir nicht. Klar, es muss am Schluss eine Pointe dastehen, man muss lachen können, aber die darf nicht losgelöst von einer Haltung sein. Sonst hat Kabarett keine Qualität.

Die politischen Debatten der vergangenen Monate waren teils heftig, die Themen ernst. Wie gehen Sie damit um?

Heuer ist es ganz wichtig, eine stabile Haltung zu den aktuellen Ereignissen zu haben. Die Flüchtlingsdebatte ist das bestimmende Thema. Was mir da sehr große Sorgen bereitet, ist die Art und Weise, wie über Flüchtlinge gesprochen wird. Das ist oft viel zu hart, zu kalt und zu böse. Man muss immer bedenken, dass es hier um Menschen geht.

Lesen Sie hier: Diese zwei TV-Stars sind auf dem Nockherberg dabei

Ihre mütterliche Reaktion?

Die Rede hat Appellcharakter. Mir war es ganz wichtig, dass ich mich nicht auf diese Ebene der Härte einlasse, sondern dem als Mama eine Wärme entgegensetze.

Wenn Sie auf der Bühne stehen, lesen Sie dann in den Gesichtern der Derbleckten?

Das ist ein großer Genuss, den ich leider im Eifer des Gefechts gar nicht auskosten kann. Aber hernach schaue ich mir die Sendung natürlich noch mal an. Und das ist schon großartig, wie eine Pointe oft erst im Zusammenspiel mit einem Schnitt auf den Derbleckten so richtig schön funktioniert.

Wie entscheiden Sie, wer in die Rede kommt und wer nicht?

Heuer ist die Rede sehr themenbezogen, deshalb kommt der ein oder andere nicht vor, bei dem ich mir letztes Jahr noch gedacht hab: Na ja, dann machen wir da halt noch was. Eigentlich sollen ja viele vorkommen, die Sendung trägt ja schon auch zur Meinungsbildung bei. Aber ganz viele Politiker – auch aus der Regierung – kann man halt nicht erwähnen, weil’s einfach schlicht zu langweilig ist.

Ist ihr Friseur noch immer Ihr Redenberater?

Ja, stimmt, dem sag ich vorher immer schon ein paar Pointen und schaue, ob er lacht. Aber ich bin jetzt noch gar nicht beim Friseur gewesen. Da bringen Sie mich jetzt auf was. Ich muss unbedingt noch zum Friseur vorher.

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