Ludwig Beck zieht sich zurück: Was für den Abschied von der Börse spricht
Ludwig Beck zieht sich zurück: Was für den Abschied von der Börse spricht
Man werde seinen eingeschlagenen Weg "als hochwertiges Münchner Traditionskaufhaus weiterverfolgen", heißt es bei Ludwig Beck. Die Hintergründe zum Rückzug aus dem Kapitalmarkt.
Seit diesem Mittwoch werden die Aktien nicht mehr an der Börse München gehandelt, am Freitag gilt das auch für die Frankfurter Wertpapierbörse: Das Traditionskaufhaus Ludwig Beck zieht sich nach 28 Jahren vom Kapitalmarkt zurück.
"Ein sachlicher unternehmerischer Schritt und kein außergewöhnliches Ereignis"
Eine Sprecherin des Unternehmens bestätigte die entsprechende Ad-hoc-Meldung, man werde sich jedoch nicht zu den Gründen für die Entscheidung äußern.
Es sei "ein sachlicher unternehmerischer Schritt und kein außergewöhnliches Ereignis". Sie fügte hinzu: "Ludwig Beck wird seinen eingeschlagenen Weg als hochwertiges Münchner Traditionskaufhaus weiterverfolgen."
Ludwig Beck: Seit Juni hält Alfons Doblinger rund 77 Prozent am Grundkapital
Für Wolfgang Fischer, Geschäftsführer des Verbandes der Münchner Innenstadthändler, kommt diese Nachricht "nicht ganz überraschend", sie bedeute grundsätzlich nur, dass sich die Rechtsform des Top-Players in der City ändere: "Das macht uns keine Sorgen."
Seit Juni hält Alfons Doblinger rund 77 Prozent am Grundkapital und an den Stimmrechten. Der Immobilienunternehmer, das US-Wirtschaftsmagazin Forbes schätzt sein Vermögen auf zwei Milliarden Dollar, war Ende 2020 bei Beck eingestiegen und verfügte seitdem über 25 Prozent.
"Ein solches Delisting reduziert die Transparenz und die Reportingpflichten"
Im Juli präsentierte das Modekaufhaus wie berichtet eine neue Doppelspitze in der Geschäftsführung. Branchenkenner vermuten, dass Doblinger wohl vor allem an dem rund 2000 Quadratmeter großen Grundstück des Kaufhauses in zentraler Lage interessiert sei. Dessen Verkehrswert wird auf mehrere hundert Millionen Euro geschätzt. Dem 82-Jährigen gehören nach Medienberichten auch große Teile des Areals von Galeria Kaufhof am Marienplatz.
"Ein solches Delisting wie im Falle Ludwig Beck jetzt reduziert die Transparenz und die Reportingpflichten, fundierte Quartalsberichte und ähnliches", sagte Professor Stephan Kippes vom Regionalverband Süd im Immobilienverband Deutschland (IVD). Auf diese Weise spare das Unternehmen jährlich mehrere 100.000 Euro ein, rechnet Marco Herrmann, Mitglied der Geschäftsführung beim Vermögensverwalter Fiduka, vor.
Das Unternehmen könne sich auf diese Weise eben "geräuschloser weiterentwickeln" und sich in einem schwierigen Konsum-Umfeld zum Beispiel "stärker auf die Optimierung des Sortiments konzentrieren und sich digitalen Konzepten widmen".
Haupteigentümer Doblinger sei im Gegensatz zu den früheren Eigentümern kein klassischer Retail-Spezialist, daher könne es sein, dass zukünftig weniger das Einzelhandelsgeschäft im Mittelpunkt stehe, "sondern die Immobilie in Top-Lage mit ihren unterschiedlichen Nutzungsformen", sagt Stephan Kippes: "Es stellt sich aber die Frage, ob es hier vor dem Hintergrund der schwierigen Marktsituation am Textil- und Modemarkt Verschiebungen beim Umfang der Flächennutzung des Ludwig-Beck-Stammhauses geben wird."
"Viele Filialisten machen Standorte austauschbar"
Ludwig Beck habe in München eine besonders große Bedeutung. Während die Fußgängerzone bis auf wenige Ausnahmen von Franchisern und Filialisten dominiere, sei Ludwig Beck – neben Hirmer – hier eine der wenigen Ausnahmen. Kippes: "Dieser nicht filialisierte Einzelhandel ist das Salz in der Suppe für einen Standort. Viele Filialisten machen Standorte austauschbar. Im Extremfall macht es dann keinen großen Unterschied mehr, ob man in Berlin, Paris, London oder in der Pitt Street in Sydney einkauft."