"Lieber Nachbar": Der Münchner OB ruft zum Briefeschreiben auf

Das Münchner Rathaus startet eine emotionale Brief-Aktion: Münchner sollen einsamen Nachbarn und Bekannten einen Brief schreiben - "gegen Tristesse oder das Gefühl des Vergessenseins".
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Ein handschriftlicher Gruß ist gerade in digitalen Zeiten eine ganz besondere Geste. Dies will nun das Münchner Rathaus nutzen - und ruft alle Münchner zum Briefeschreiben auf.
Ein handschriftlicher Gruß ist gerade in digitalen Zeiten eine ganz besondere Geste. Dies will nun das Münchner Rathaus nutzen - und ruft alle Münchner zum Briefeschreiben auf. © IMAGO / emil umdorf

München - "Für mich bist Du perfekt" steht auf dem Schild, das Mark einer Frau namens Juliet vor ihrer Haustür unter die Nase hält, in aus heutiger Sicht perfekter Sicherheitsdistanz von etwa 1,50 Metern.

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Und diese Szene aus dem Film "Tatsächlich Liebe" (2003) hat das Romantik-Verständnis von Generationen geprägt, selbst wenn - kleiner Schönheitsfehler - der Gatte von Juliet drinnen arglos auf der Couch sitzt.

Briefe sind seither etwas aus der Mode gekommen - weshalb eigentlich?

Dieter Reiter: Brief oder Postkarte "gegen die Einsamkeit"

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat die Münchner nun zu einer ähnlich persönlichen und emotionalen Aktion aufgerufen: Sie sollen "an die Mitmenschen denken, die gerade in den tristen Wintermonaten ganz besonders unter den Corona-Beschränkungen leiden".

Jene Bekannten, so die Idee aus dem Rathaus, sollen in Form eines Briefes oder einer Postkarte "ein paar Zeilen der Hoffnung und des Mutes" bekommen.

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Die "enorme Zahl" der freiwilligen Einkaufshelfer - mehrere Tausend am Tag - hätten die "solidarische Stadtgemeinschaft" genauso unter Beweis gestellt wie die große Spendenbereitschaft und das Engagement in Wohlfahrtsverbänden. Aber "dennoch gibt es in unserer Stadt noch viele Menschen, denen es in der gegenwärtigen Situation nicht gut geht, weil ihnen die sozialen Kontakte fehlen".

Mittel gegen die Tristesse: Lächeln, freundliche Worte - oder ein Brief

Und gerade wegen der Notwendigkeit, Kontakte noch weiter einzuschränken, werde jetzt menschliche Wärme und Zuwendung gebraucht - "ausgedrückt durch ein Lächeln oder ein freundliches Wort oder mit ein paar aufmunternden Zeilen".

Hugh Grant blättert als Premierminister in "Tatsächlich... Liebe" durch seine Post  - und findet durch eine Postkarte zu seiner wahren Liebe.
Hugh Grant blättert als Premierminister in "Tatsächlich... Liebe" durch seine Post - und findet durch eine Postkarte zu seiner wahren Liebe. © imago images/Mary Evans

Dabei sei es unwesentlich, ob man den Adressaten nur flüchtig aus dem Hausflur kenne: "So wie Sie im privaten Bereich per WhatsApp, Kurznachricht oder Mail an andere denken und aufmunternde Worte oder sinnhafte Gedanken und Sprüche versenden, so können Sie sich im realen Leben direkt an eine Person wenden, von der Sie denken, dass eine freundliche Nachricht ihr ein wenig Freude schenken kann."

Und hätte Mark mit einer WhatsApp oder Zoom-Konferenz einen ähnlichen Eindruck hinterlassen wie durch das geschriebene Wort? Eben.

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