Kunsthändler seit 68 Jahren – Eine Münchner Legende

Georg Urban aus der Prannerstraße ist einer der ältesten Händler der Stadt. Er kauft und verkauft sakrale Kunst. Heute wird er 88!
| Nina Job
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Ohne Herrchen: Dieser Hund gehörte zu einem Hl. Rochus.
Daniel von Loeper 4 Ohne Herrchen: Dieser Hund gehörte zu einem Hl. Rochus.
Georg Urban und sein Laden. Das Haus ist derzeit eingerüstet.
Helga Wäß 4 Georg Urban und sein Laden. Das Haus ist derzeit eingerüstet.
Lieblingsstück: die heilige Luitgard, geschnitzt von einem Klosterbruder aus Waldsassen.
Daniel von Loeper 4 Lieblingsstück: die heilige Luitgard, geschnitzt von einem Klosterbruder aus Waldsassen.
Georg Urban und sein Laden. Das Haus ist derzeit eingerüstet.
Helga Wäß 4 Georg Urban und sein Laden. Das Haus ist derzeit eingerüstet.

Es kommt vor, dass Georg Urban auch mit seinen Exponaten spricht. "Früher wurde mit Glaube geschnitzt. Da ist auch Seele drin", sagt der Kunst- und Antiquitätenhändler. Dabei nimmt er eine Engelsskulptur mit fein geschnitztem Gesicht von der Wand. Er hält sie vorsichtig im Arm, fast wie ein Baby. "Ich sehe ihnen an, dass sie jeden Tag etwas anderes denken. Und manchmal sage ich auch: Tu mir fei beistehen heute!"

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Georg Urban ist einer der ältesten Händler in München. Nach wie vor steht er Tag für Tag persönlich in seinem Geschäft in der Prannerstraße an der Rückseite des Bayerischen Hofs. Heute wird der gebürtige Niederbayer 88 Jahre alt. Seit 68 Jahren handelt er mit sakraler Kunst von der Gotik bis zum Barock (13. bis 18. Jahrhundert).

"Jeden Morgen, wenn wir aufwachen, sehen wir Ihre Engel"

Angefangen hatte alles in seiner Heimatstadt Pfarrkirchen. Schon als kleiner Bub saß Georg Urban staunend vor den Altären der barocken Wallfahrtskirche Gartlberg oberhalb des Ortes. Fast täglich lief er hinauf. Zur Adventszeit durfte er mit dem Mesner die Krippe aufbauen. Damals entdeckte er seine Bewunderung für die Schnitzkunst."München l(i)ebt Vielfalt" Stadt startet Kampagne gegen homophobe Übergriffe

1948, kurz nach der Währungsreform, begann er mit sakraler Kunst zu handeln. Seine erste Heilige Familie erstand er bei einem Landwirt. 1957 zog Georg Urban nach München, um ein Geschäft zu eröffnen – und blieb.

Auf seinem vollen Schreibtisch liegen handgeschriebene Briefe von Kunden, in denen sie ihm danken, dass er ihnen seine Schätze verkauft hat. "Jeden Morgen, wenn wir aufwachen, sehen wir Ihre Engel", hat ihm eine Frau geschrieben. Auch Briefe aus Klöstern, Pfarreien und Museen aus aller Welt hat er aufgehoben.

Neben dem Schreibtisch hängt ein Foto von Horst Seehofer mit persönlicher Widmung. Der Ministerpräsident dankt ihm für sein "großes Engagement zum Erhalt unschätzbarer Kunstwerke".

Wie einmal 32 Südtiroler Obstbauern zum Weißwurst-Frühstück anreisten

Es war vor etwa 35 Jahren, als Georg Urban im Keller eines Auktionshauses einen Flügelaltar entdeckte. "Ich wusste sofort, wo er herstammte: aus St. Pauls bei Eppan aus dem Kronshof in Südtirol." Der Kunsthändler kaufte ihn und bot ihm dem Pfarrer von St. Pauls an.

"Zur Besichtigung sind 32 Obstbauern aus Südtirol angereist. Ich habe Sie mit einem Weißwurst-Essen empfangen. Sie waren ganz traurig, dass sie das Geld erst nicht aufbrachten. Aber es war Gott sei Dank auch noch eine Kunsthistorikerin vom Stadtmuseum in Bozen dabei. Das Museum hat den Altar gekauft. Dort ist er heute ausgestellt."

"Zu erkennen, was echt ist oder schön, das kann man praktisch nicht lernen", sagt der 88-Jährige. "Es muss einen berühren. Das erkennt man nicht nur da [er zeigt aufs Auge] – sondern auch da." [Er zeigt aufs Herz]

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Sein  Lieblingsstück zeigt die Heilige Luitgard

Sein Lieblingsstück steht im vorderen Teil des Geschäftes in einem Schrein: Es ist die Heilige Luitgard, die Schutzpatronin der Zisterzienserinnen. Die filigrane Schnitzarbeit ist aus Lindenholz wie die meisten Heiligenfiguren. "Im Rheinland wurde auch Eichenholz verwendet", erklärt Georg Urban. Seine blaue Augen glänzen. "Diese Arbeit stammt von Frater Eder, einem Klosterbruder aus Waldsassen. Das gibt es nur ein Mal auf der Welt."

Ans Aufhören denkt Georg Urban auch mit 88 Jahren noch nicht. "Was für eine furchtbare Vorstellung!", sagt er. Und dann fügt er lächelnd hinzu: "Das hört sich dann irgendwann von selber auf. Und bis dahin freu ich mich noch jeden Tag über mein Geschäft."

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