Kritische Infrastruktur: Der München-Plan gegen Omikron

Weil die Omikron-Variante so ansteckend ist, wappnet sich die kritische Infrastruktur der Stadt. Ein Überblick.
| Ralph Hub Christina Hertel Paul Nöllke
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München bereitet sich auf die fünfte Corona-Welle vor - nicht nur die Polizei gehört zur kritischen Infrastruktur. (Archivbild)
München bereitet sich auf die fünfte Corona-Welle vor - nicht nur die Polizei gehört zur kritischen Infrastruktur. (Archivbild) © Felix Hörhager/dpa

München - Wie bereiten sich Polizei, MVG oder die Krankenhäuser auf die fünfte Welle und viele Ausfälle beim Personal vor? Die AZ hat sich die Notfall-Szenarien erklären lassen.

Polizei: Masken und Abstand

Seit Beginn der Pandemie gelten bei der Polizei strenge Regeln. "Viel verschärfen lässt sich da nicht mehr im täglichen Dienst", sagt Polizeisprecher Werner Kraus. Auf Streife sollen nach Möglichkeit immer die Kollegen aus derselben Schicht im Einsatzfahrzeug sitzen. Dadurch soll im Fall einer Corona-Infektion vermieden werden, dass sich das Virus schnell auf der gesamten Dienststelle verbreitet.

Dazu gilt für Polizisten Maskenpflicht, seit Herbst wieder die FFP2-Masken. Auch auf den Dienststellen tragen die Beamten Masken. Kontakte sollen so weit wie möglich reduziert werden. Besprechungen werden meist via Telefon oder Video-Konferenz abgehalten. FFP2-Masken müssen auch Menschen tragen, wenn sie eine Dienststelle der Polizei betreten, beispielsweise um eine Anzeige zu erstatten.

"Die Kollegen sind im Einsatz angehalten, Abstand und Hygieneregeln einzuhalten", sagt Werner Kraus. Bei weiteren Verschärfungen der Schutzmaßnahmen muss die Polizei aber in jedem Fall weiter einsatzbereit bleiben. Die Impfquote im Präsidium München liegt inzwischen bei weit über 90 Prozent.

Flughafen: Passagierzahlen gehen zurück

Mit Blick auf die Omikron-Variante seien die Vorkehrungen noch einmal verschärft worden, teilt der Münchner Flughafen mit. Bisher sei es allerdings zu keinem größeren Ausbruch gekommen. Grund dafür sind laut der Pressestelle die strengen Regeln. Für die Kantine braucht man zum Beispiel einen 2G-Nachweis.

Wo es geht, sollen die Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten. Und wo dies nicht möglich ist, sollen sich Mitarbeiter aus unterschiedlichen Schichten möglichst nicht begegnen. Die Notfallpläne seien nun so angepasst worden, dass Personal aus administrativen Bereichen vorübergehend für den operativen Dienst rekrutiert werden könnte.

Der Flughafen weist zudem daraufhin, dass auch die Passagierzahlen zurückgehen, sollte sich die Omikron-Variante stark verbreiten. Das dann "deutlich verringerte Verkehrsaufkommen könnte auch mit reduzierten personellen Ressourcen bewältigt werden", heißt es aus der Pressestelle.

Krankenhäuser: Besuchsverbot und mehr Tests

Eine frühe Vorbereitung auf die Virusmutation ist wichtig, betont die München Klinik. Angesichts der steigenden Fälle der Omikron-Variante habe man daher frühzeitig vor dem Jahreswechsel die bislang geltenden "Delta-Maßnahmen" nochmals verschärft. Was ist also neu? Patienten und Mitarbeiter werden nun noch engmaschiger getestet, um Infektionen zu entdecken und Ansteckungsketten zu vermeiden.

Zum Jahreswechsel wurde zudem ein Besuchsverbot eingeführt. Ausnahmen gibt es nur für "besondere Lebenssituationen" oder Geburten. "Nur so kann ein maximal möglicher Infektionsschutz gewährleistet werden", erklärt eine Sprecherin. Auch Hygieneregeln und Kontaktbeschränkungen innerhalb der Klinik seien verschärft worden.

Zudem wurde umorganisiert, sodass in einem möglichen Quarantänefall nicht alle Mitarbeiter eines Teams betroffen sind. Das LMU-Klinikum wird unter Umständen nächste Woche seine Regeln ändern, zur Zeit sei man "nach wie vor handlungsfähig".

Feuerwehr: Neue Notfallpläne liegen bereit

Bereits zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 wurden die Notfallpläne genau begutachtet und auf die Situation angepasst, sagt Feuerwehrsprecher Maximilian Huber. Zusätzlich wurden weitere Maßnahmen im internen Dienstablauf festgelegt, um eine Übertragung innerhalb der Feuerwehr möglichst zu vermeiden: "Bisher haben diese Maßnahmen, wie zum Beispiel Kontaktreduzierung wo möglich, FFP2-Maskenpflicht, Abstand halten sowie ein Testkonzept dazu geführt, dass wir nahezu ohne Probleme durch die Wellen gekommen sind.

Auch ist die Impfquote unter den Einsatzkräften ist überdurchschnittlich hoch. Die Ausfälle und Infektionszahlen haben sich bisher auf einem sehr niedrigen Niveau bewegt. Für den Fall größerer Personalausfälle aufgrund von Quarantäneanordnungen oder Infektionszahlen durch Omikron gibt es Regelungen, wie diese ausgeglichen werden können.

Hierzu zählen zum Beispiel die Aktivierung von Einsatzkräften aus dem Tagesdienst zu den Wachabteilungen, Aktivierung dienstfreier Kräfte, bis hin zu einer vorgeplanten Reduzierung von Einsatzdienstfunktionen und Fahrzeugen, um jederzeit den Grundschutz für die Sicherheit der Bevölkerung sicherstellen zu können. Wir sehen uns gut gerüstet für eine Omikron-Welle und hoffen, dass wir unsere Notfallpläne nicht komplett ausschöpfen müssen."

SWM: Notschichtpläne sind erstellt

Was machen die Stadtwerke, damit die Strom- und Wasserversorgung nicht zusammenbricht? Seit Beginn der Pandemie sind bei den Beschäftigten der kritischen Infrastruktur besondere Maßnahmen vorsorglich umgesetzt worden, antworten die Stadtwerke München (SWM) auf AZ-Anfrage. So sind etwa die Mitarbeiter der Wassergewinnung und der Kraftwerke in festen Teams auf mehrere Standorte oder in getrennte Schichten verteilt worden. Untereinander besteht nur Telefonkontakt. Somit sei die Versorgung auch dann sichergestellt, wenn ein Team von einer Infektion betroffen wäre, so die SWM.

Darüber hinaus seien Notschichtpläne erstellt worden. "Zusätzlich sind Vorkehrungen für eine mögliche Kasernierung des Schichtpersonals getroffen", schreiben die Stadtwerke. Die Bereitschaft für diese Notmaßnahme, die zum Glück bisher nicht nötig war, sei sehr hoch. "Pandemiestäbe" überprüfen laut SWM die Regelungen und passen sie fortlaufend an.

MVG: Takt kann ausgedünnt werden

Besonderes Augenmerk liegt bei der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) gerade auf der Leitstelle und den Werkstätten, schreibt deren Sprecher Johannes Boos. In den Werkstätten habe die MVG feste Teams gebildet, um wechselnde Kontakte bei Arbeitseinsätzen zu verhindern. In der Leitstelle sei geplant, Schichten temporär zu verlängern.

So soll die Zahl der nötigen Schichten insgesamt verringert werden, um zusätzliches Personal in Bereitschaft vorhalten zu können. Für erhöhte Krankenstände oder Personalengpässe (etwa bei Streiks) hat die MVG auch außerhalb der Corona-Pandemie Notfallpläne vorbereitet.

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Zum Beispiel sei es möglich, in allen Bereichen Vertretungen vorzuhalten. Das funktioniere aber nur bis zu einer gewissen Größenordnung, so Boos. Für größere Personalausfälle sehen die Pläne deshalb einen zuverlässigen, aber um einzelne Fahrten ausgedünnten Takt vor. Die Notfallpläne umfassen neben den Mitarbeitern aus dem Fahrdienst auch andere Schlüsselfunktionen wie die Kollegen aus Infrastruktur und Werkstatt.

Personalreferat: Wen die Stadt braucht

Vor Weihnachten hat der Corona-Krisenstab alle städtischen Referate dazu aufgefordert, ihre Pandemiepläne zu aktualisieren. Bis heute müssen diese laut Personalreferat abgegeben werden. Darin listet jedes Referat die Dienstleistungen auf, die unverzichtbar sind und die in einer möglichen Omikron-Welle unbedingt arbeitsfähig bleiben müssen.

Im Personalreferat sind das die Taskforces Corona und "Peiman". Die Taskforce Corona ist die Koordinierungsstelle für alle städtischen Beschäftigten bei allen Corona-Themen. Die Taskforce "Peiman" (Personaleinsatzmanagement) koordiniert den stadtweiten Personalbedarf rund um Corona.

Darüber hinaus seien der Betrieb der Entgeltabrechnung, die Rechtsabteilung und der Bereich Personalbetreuung, der für den Abschluss von Arbeitsverträgen zuständig ist, sichergestellt, so das Personalreferat. Mit einem Engpass rechnet es nicht.

Deutsche Bahn: Ruhig und reibungslos

Die Deutsche Bahn beobachtet die Lage genau und stehe im Austausch mit den Behörden, so ein Sprecher. Aktuell laufe der Betrieb aber "ruhig und weitgehend reibungslos" weiter. Man sei aber weiterhin vorbereitet, bei Bedarf oder Gesetzesänderungen die Betriebsabläufe anzupassen, und bleibe in enger Abstimmung mit den eigenen Experten, sollte sich die Situation ändern

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