Kribbeln und Gänsehaut: Die AZ auf schaurig-schöner Gruseltour in München und Umgebung

Unheimliche Orte in München, im Umland und auch im Oberland: Fritz Fenzl ist ein wahrer Kenner und nimmt uns mit auf ein paar spannende Ausflüge.
| Daniela Schwan
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Wie aus einem Horrorfilm: das Geisterhaus am Starnberger See.
Wie aus einem Horrorfilm: das Geisterhaus am Starnberger See. © Raphael Lichius

Auch wenn es Halloween nur an einem einzigen Tag gibt, gruseln kann man sich locker das ganze Jahr über - gerade im November. Besonders gut geht das mit den schaurig-schönen Geschichten von Fritz Fenzl, der die sagenhaftesten Ecken der Isarmetropole kennt.

Jetzt hat der München-Kenner und -Autor (u.a. "Schutzengel-Wunder", "Das magische München") und Stadtführer (nächste Tour "Magische Engerl" am 12. Dezember) sein Lebenswerk auf den Markt gebracht: "Das Buch der unheimlichen Orte in Bayern. Mystische Plätze und ihre Geschichten" (Verlag J. Berg).

Das Buch: 30 unheimliche Orte in Bayern von Fritz Fenzl (J. Berg, 22,99 Euro)
Das Buch: 30 unheimliche Orte in Bayern von Fritz Fenzl (J. Berg, 22,99 Euro) © J. Berg

"Lost Places sind groß in Mode"

"Lost Places sind groß in Mode", sagt er, "es gibt inzwischen einen Schreckenstourismus, das ist aber nicht so meins. Meine Orte hingegen strahlen einen angenehmen Schauer aus. Gruseln light, sozusagen." Viel lieber schreibe er ja über positive Orte mit Heilkraft, der Verlag habe es aber diesmal lieber "unheimlich" gewollt. Sein Hauptsujet: Mystische, geheimnisvolle, heilende, magische, morbide und unheimliche Orte aufzuspüren und auszutesten. 100 kennt er inzwischen, 30 hat er im Buch aufgenommen.

"Ich bin eine lebende Wünschelrute. Das pritzelt dann in meinem Körper, da weiß ich, dass es eine Wasserquelle gibt", erzählt er und lacht. "Schon als Kind habe ich mir Kraftplätze gesucht und war da nicht mehr wegzubringen." Deshalb organisiert er auch gern Führungen zu Orten der Heilung: "Man wird nicht augenblicklich gesund, wenn man diese Stätten aufsucht, aber wenn man regelmäßig dort hin geht, ist die Chance auf Heilung groß, wie zum Beispiel in St. Ottilien oder im Klanggarten Maria Eich im Würmtal."

Donnersbergerbrücke und Alter Peter ziehen das Böse an

Für ihn steht fest: Es gibt Stätten, die sind gut - andere wiederum ziehen das Schlechte magisch an, wie etwa die Donnersbergerbrücke oder der Alte Peter.

Sein persönlicher Lieblingsplatz, wenn es ihm mal schlecht geht? "Als meine süße Mama 2003 gestorben ist, bin ich ins Mühltal gefahren, habe mich an eine Quelle gesetzt - sie steht ja für Lebensenergie - und zum Wasser gesagt: ‚Nimm meine Trauer mit'. Dieser Ort ist mein Geheimtipp."

Er erzählt weiter: "Mir hat ein frommer Christ mal gesagt, legen Sie Ihren Schmerz in die Wundmale Christi, dafür ist er ans Kreuz genagelt worden", verrät der bekennende Christ Fritz Fenzl. 1978 erhielt er den Kulturellen Förderpreis der Stadt München, 1994 wurde er mit dem Bayerischen Poetentaler ausgezeichnet.

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Der 68-jährige Erfolgsautor stammt aus einer Beamtenfamilie und studierte unter anderem Germanistik und Katholische Theologie, neun Jahre amtierte er als Chef des Münchner Literaturarchivs "Monacensia". Seine Tochter Viktoria betreibt übrigens das Schanigarten-Café "Bean Batter" an der Schwanthalerstraße - im Moment freilich nur to go.

Und: Fritz Fenzl ist ein echter Vielschreiber: Bei 60 Büchern habe er aufgehört zu zählen, verrät der Single-Mann. "Ich hab eine unglaubliche Schreibfreude. Wenn ich mich nicht nach dem Frühstück hinsetze und eine Stunde schreibe, bin ich schlecht gelaunt", sagt er gut gelaunt. "Ich liebe das Leben - und bin gut drauf."

Unheimliche Orte in München, im Umland und auch im Oberland: Fritz Fenzl ist ein wahrer Kenner und nimmt uns mit auf eine paar spannende Ausflüge.

Münchens Hinrichtungsstätte

Morbider Thrill am ehemaligen Hinrichtungsplatz im Augustiner Biergarten.
Morbider Thrill am ehemaligen Hinrichtungsplatz im Augustiner Biergarten. © Raphael Lichius

Bis 1861 wurden am heutigen Augustinerkeller Hinrichtungen durchgeführt - ein schauriger Ortstermin.

Eigentlich einer der größten und beliebtesten Biergärten Münchens. Doch kaum einer, der sich Maß, Brezn und Obazdn schmecken lässt, weiß, welches Grauen sich hier, und auch ganz in der Nähe, bis 1861 abgespielt hat. Denn unter den Baumwipfeln gleich hinter dem Kinderspielplatz wurden Hinrichtungen, Enthauptungen per Schwert, öffentlich zelebriert. "Hier bekomme ich regelmäßig Gänsehaut und verweile nie länger als unbedingt nötig. Wenn ich hier wohnen würde, würde ich krank. Ich spüre noch die brutale Macht, die hier ausgeübt wurde. Die Scharfrichter haben sich teilweise wie Stierkämpfer aufgeführt - mit mehreren Schwerthieben, bis der Kopf endlich fiel", so Fritz Fenzl. Wer zu Depressionen neige, solle solche Orte übrigens meiden, rät er. Später verlagerte man die Hinrichtungen mit Guillotine oder Aufhängen dann nördlich der heutigen Landsberger Straße auf Höhe der Hackerbrücke und auf das Petersbergl.

Das Skelett der Heiligen Munditia

Für die einen die letzte Chance, einen Mann zu finden, für die anderen ein Mahnmal von grausamer Macht und Gewalt: die heilige Munditia.
Für die einen die letzte Chance, einen Mann zu finden, für die anderen ein Mahnmal von grausamer Macht und Gewalt: die heilige Munditia. © Raphael Lichius

Im linken Seitenschiff vom Alten Peter liegen die sterblichen Überreste einer Katakombenheiligen.

Aufgebahrt im Seitenschiff, über und über verziert mit Gold, Stickereien und wunderschönen Edelsteinen, auch in den Augenhöhlen, so dass der Betrachter von heiligem Grusel gepackt wird, liegt Munditia seit 1677 in einem Glassarg in der Pfarrkirche St. Peter. Ihr Skelett ist eine Reliquie aus einem Kreuzzug - und natürlich könne keiner feststellen, ob sie wirklich echt ist. "Die einzige Möglichkeit damals, einen Toten zu transportieren, war, ihn zu kochen und die Knochen auszulösen." Puhhh. Diese Munditia - sie stammt aus Rom und ist eine sogenannte Katakombenheilige - hat ein schreckliches Schicksal durchleben müssen, heißt es, sei sie doch von Männern misshandelt und enthauptet worden. Deshalb wurde sie zur Patronin der alleinstehenden Frauen, der ledigen Mütter und "gefallenen Mädchen" ernannt. "Angeblich soll sie weiblichen Singles helfen, einen Mann zu finden", resümiert Fritz Fenzl. Allerdings: Zum Beten lädt das ganze Ambiente auch nicht so recht ein, wir verspüren ein ungewöhnliches Kribbeln...

Das Geisterhaus an der Seeleiten

Wie aus einem Horrorfilm: das Geisterhaus am Starnberger See.
Wie aus einem Horrorfilm: das Geisterhaus am Starnberger See. © Raphael Lichius

Wilde Séancen mit Langzeitwirkung in der Villa Gabriel von Max in Starnberg.

Die Geister, die ich rief… noch heute verursacht das Vorbeilaufen Gänsehaut. Vor allem in der Dämmerung. Die Horrorvilla des Künstlers Gabriel von Max an der Seeleiten am Starnberger See würde von den ganzen Bewohnern des Ostufers gemieden, weiß Fenzl. Zu Lebzeiten galt Gabriel von Max als verrückt, seine Bilder - teils Darwinismus, teils Jungfrauen in Ekstase oder entrückte Wesen, die zwischen den Welten des Dies- und Jenseits schweben - werden noch immer im sechsstelligen Bereich gehandelt. "Anfang des 19. Jahrhunderts hielt er Séancen ab, das gehörte damals zum guten Ton der besseren Gesellschaft, es wurden Geister gerufen, Kontakte zur Anderswelt wie zum Geistergrafen Albert von Schrenck-Notzing aufgenommen, Versuche mit Hypnose und mit Röntgenstrahlen unternommen, um das eigene Gerippe zu sehen", weiß Fenzl. In der Okkultisten-Runde dabei: Schriftsteller Thomas Mann und der Maler und Bildhauer Franz von Stuck. Inzwischen ist das Haus eine jämmerliche Ruine zwischen Prachtbauten. "Es strahlt so dunkle Energien ab, man hat eine Riesenhecke herum wachsen lassen, damit man die Bruchbude nicht sieht". Auch Fotograf Raphael Lichius musste sich einiges einfallen lassen, um das Spuk-Haus ablichten zu können.

Irgendwie verteufelt

Die vergitterte Aussichtsplattform am Turm des Alten Peter.
Die vergitterte Aussichtsplattform am Turm des Alten Peter. © AZ-Archiv

Der Alte Peter ist Münchens älteste Kirche und steht auf unterirdischen Wasserläufen - mit Folgen.

Das war ein Ort mit Negativ-Aura, der Selbstmörder angezogen hat", sagt der gebürtige Münchner, "hier ist früher jede Woche einer runtergesprungen. Inzwischen gibt es Gott sei Dank ein Gitter." St. Peter, besser bekannt unter Alte Peter, Münchens älteste Kirche mit seinerzeit zwei Türmen, schien irgendwie verteufelt zu sein: starke unterirdische Wasserläufe, die immer wieder bei Gewitter die Blitze anzogen haben, so stark, dass einer der beiden Türme im Mittelalter abbrannte. Die Überlieferung, dass der Teufel an den Türmen zieht und der Blitz dann einschlägt, hat also einen wahren Hintergrund. Und: Das Münchner Wappen mit dem Benediktiner hat hier seinen Ursprung.

Im frühen Mittelalter flohen Mönche aus der Schäftlarner Gegend hierher und versteckten sich auf dem damals noch bewaldeten Bergl. Außerdem fand man dort bei Grabungen vorchristliche Kultstätten, altes Jupiterheiligtum. Oben auf der Aussichtsplattform (306 Stufen) windet es eigentlich immer, es ist eng hier oben und es geht schon sakrisch weit in die Tiefe. "Die Heilig-Geist-Kirche, nur ein paar Gehminuten entfernt, sowie der Viktualienmarkt haben eine ganz andere, eine positive Energie, hier im Turm wird es mir irgendwie immer schummerig", gesteht der feinfühlige Autor und Stadtführer.

Die unheimliche Krypta

Die Krypta im Kloster St. Bonifaz, die Grablege vieler Mönche.
Die Krypta im Kloster St. Bonifaz, die Grablege vieler Mönche. © imago stock&people

Atemnot bekommen Feinfühlige angesichts der Krypta im Kloster, also der unterirdischen Grablege der Äbte und vieler Benediktiner-Padres. "Sterben heißt noch lange nicht tot sein", sagte einmal der Benediktiner-Pater Frumentius Renner aus St. Ottilien. Ein brummender Raumklang herrscht hier und ein gespenstischer Lichteffekt, wie aus dem Jenseits. Und fürwahr: Um 1930 sind fassungslose Arbeiter bei einem Mauerdurchbruch auf ein Ewiges Licht gestoßen. Eine Lampe mit gelblicher Flüssigkeit, die mehrere Jahrhunderte gebrannt haben soll, noch aus grauer Vorzeit. Daneben: ein Totenkopf und ein Topf mit jeder Menge menschlicher Gebeine, in eine Hirnschale gebettet. "Wahrscheinlich ein vorchristlicher Kult, wenn nicht gar ein okkulter Geheimbund in der Gründungszeit des St.-Bonifaz-Klosters", glaubt Fritz Fenzl. Und sagt: "In der Abtei bin ich oft, ich liebe das alte Gemäuer, aber in der Gruft halte ich mich so wenig wie möglich auf, vielen wird hier sogar übel."

Immer wieder habe er die Mönche nach dem okkulten Licht gefragt - und erntete nur entsetztes Schweigen. Auch Kronprinz Ludwig I. und Therese Charlotte Luise Friederike Amalie von Sachsen-Hildburghausen (auch Therese von Bayern, 1792-1854), nach ihr wurde ja die Theresienwiese benannt, haben in St. Bonifaz ihre letzte Heimat gefunden. "Hier unten spürt man die Macht der Kirche. Das Königspaar hat eine gute Ehe geführt, aber wusste viel um die Machenschaften, sie haben geschwiegen bis ins Grab. Und genau diese Aura macht sich hier bemerkbar."

Der grausame König

Die Watzmann-Sage: der grausame König mit Frau und den sieben Kindern.
Die Watzmann-Sage: der grausame König mit Frau und den sieben Kindern. © imago/Arkivi

"Der Watzmann in Berchtesgaden ist magisch. Das kann man sogar technisch beweisen. Es gibt ein Salzbergwerk, und die Strahlung des Gesteins ist radio-aktiv, ein Sensitiver spürt das natürlich. Und gefährlich ist er obendrein, Jahr für Jahr sterben junge Leute in der Ostwand", sagt Experte Fenzl kopfschüttelnd. Den Ruf des Watzmanns kann er nicht verstehen: "Das Leben ist doch so schön." Vater, fünf Kinder, Mutter - im Bergmassiv des Watzmanns sind eindeutig Gesichter zu erkennen. "Der Sage nach handelt es sich um den sadistischen König Watzmann, ein kleiner Trump seiner Zeit. Er hatte Freude am Töten, quälte Abhängige und Untertanen, zertrampelte die Ernte der armen Bauern."

Als ein Bauer ihn bat, damit aufzuhören, hetzte König Watzmann seine Bluthunde auf dessen Frau und Kinder und ließ sie zerfleischen, gruselt er sich beim Erzählen. Aber da habe eine höhere Macht eingegriffen, so die Mär, und den grausamen Herrscher samt Familie in 2713 Meter Höhe einfach versteinern lassen. "Letztendlich siegt doch immer das Gute", resümiert Fenzl.

Die versunkene Nixe

Mit Geheimnissen im Badersee versunken: Die schöne Nixe ist eine echte Touristen-Attraktion.
Mit Geheimnissen im Badersee versunken: Die schöne Nixe ist eine echte Touristen-Attraktion. © Raphael Lichius

Wer mit dem Ruderboot am Badersee am Fuße des Wettersteingebirges unterwegs ist, sieht sie am Grund des glasklaren, grünen Bergsees, der bekannt für seine Riesen-Forellen ist: die Nixe, die ihre Hand nach oben streckt und zu rufen scheint: "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!" Wer sie Mitte des 19. Jahrhunderts in dem Bergsee versenkt hat, weiß man nicht. "Ich recherchiere seit Jahrzehnten, komme da aber nicht weiter", meint Fritz Fenzl. "Der Sage nach König Ludwig II." Aber warum? "Weil die begehrenswerte schöne Fischfrau der Lola Montez ähnlich sieht."

Die legendäre Lola (1821 - 1861) war Tänzerin und Geliebte vom Großvater des Märchenkönigs. "Ein mega idyllischer, aber auch ein unheimlicher oberbayerischer Ort, der etwas Bedrückendes hat. Die Nixe wirkt so, als warte sie auf Erlösung", bringt es der 60-fache Buchautor zusammen. Welche Geheimnisse Lola Montez indes mit in ihr Grab auf dem Green-Wood Cemetery in New York genommen hat - auch das wird niemals an die Oberfläche gelangen. Das Betrachten der geheimnisvollen Bronzefigur im See jedenfalls jagt sensiblen Zeitgenossen immer noch Schauer über den Rücken.

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