Kreative Gastronomen: Mit guten Ideen durch den Lockdown

Wer als Gastronom sein Restaurant oder seine Bar in München schließen muss, braucht jetzt ein paar Ideen, um gut durchzukommen. Viele Wirte reagieren findig mit spontanen To-go-Konzepten.
| Ruth Frömmer Emily Engels
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Katzentempel-Chefin Kathrin Karl liefert die Boxen an Kunden aus.
Katzentempel-Chefin Kathrin Karl liefert die Boxen an Kunden aus. © Katzentempel

München - Sogar Star-Koch Bobby Bräuer vom Zwei-Sterne-Restaurant Esszimmer bietet ab sofort bis Ende des Jahres das Vier-Gang-Menü "Bobby to Go Bon Appetit" für zwei Personen an - und liefert einmal täglich sogar höchstpersönlich an seine Kunden.

Am Donnerstag eröffnete Tohru Nakamura einen Streetfood Markt mit To-go-Gerichten für seine Gäste in der Innenstadt.

Auch die vielen kleinen Lokale der Stadt müssen sich über Wasser und den Kontakt zu ihren Gästen halten. Von Sendling bis Schwabing, von der Pop-up-Bäckerei im Café über spezielle To-go-Gerichte lassen sich Münchens Wirte zur Zeit jede Menge einfallen, um ihre Geschäfte am Laufen zu halten. Das ersetzt zwar nicht den Restaurant-Besuch, ist aber ein dickes Trostpflaster für die Gäste und Wirte.

Spezlwirtschaft: Newcomer-Kneipe reagiert schnell

Retro und praktisch: Koch Philipp Johannsen am Ausgabefenster.
Retro und praktisch: Koch Philipp Johannsen am Ausgabefenster. © ruf

Da sich vom Vorgänger-Lokal ohnehin noch ein klassisches Ausgabe-Fenster am Seiteneingang der Sendlinger Spezlwirtschaft befindet, hat das Team um Restaurantleiter Hannes Deck dieses kurzerhand reaktiviert. Für den aktuellen Lockdown hat sich Küchenchef Philipp Johannsen neben einer To-go-Mittagskarte sechs verschiedene Sandwiches (erhältlich bis 17 Uhr) ausgedacht. Vom Grilled Cheese Bavarese mit viel Käse und Röstzwiebeln (6 Euro) bis zum Whats Beef mit Roastbeef, Sauce Tartare, Pickles und Sauerkraut (8 Euro). Weitere Mittags-Standards sind Backhendl-Salat (8 Euro), Rahmfleckerl (5 Euro) oder Schwammerl-Salat (7 Euro). Täglich gibt es ein wechselndes Mittagsgericht für 7,50 Euro. Die Abendkarte enthält auch Restaurant-Klassiker wie Wiener Schnitzel (19,50 Euro) und Spinatknödel (13,80 Euro).

Natürlich gibt es auch Getränke dazu. Neben Bier bietet die Spezlwirtschaft auch Wein an. Der kommt vom Weinhandel Vino Infernale ein paar Ecken weiter in der Kochelseestraße. Den hat Spezlwirtschaft-Chef Philipp Hanrieder vor kurzem zusammen mit zwei Spezln gegründet - selbstverständlich mit Lieferservice. Auf der To-go-Abendkarte der Spezlwirtschaft stehen Riesling, Grauburgunder und Frizzante für jeweils 18 Euro pro Flasche.

Implerstraße 47, Mo-Sa: 11-22 Uhr, 089 76 75 75 93

Usagi: Neue Stammkunden im Lockdown

Udon Carbonara.
Udon Carbonara. © Max Ostermeier

Das Usagi im Glockenbachviertel ist eigentlich eine Izakaya Bar, eine japanische Kneipe zum gemütlich Sitzen bei Sake und japanischen Basics wie Ramen (Suppe) und Gyoza (Teigtaschen). Als Philipp Jüngling im März sein Lokal zum ersten Mal schließen musste, hat er innerhalb einer Woche einen Bestellservice mit Onlineshop aus dem Boden gestampft, inklusive Auslieferung. "Durch den Liefer- und Abholservice haben wir sogar einige neue Gäste gewonnen, die ansonsten gar nicht in unser Lokal gekommen wären", so Jüngling.

Ab sofort gibt's dort auch von ihm gestaltete T-Shirts (25 Euro), Sweatshirts (40 Euro) und Kapuzenpullis (55 Euro) zu kaufen. Aktuell hat sich sein Küchenchef noch ein paar neue Gerichte To-go ausgedacht. Zum Beispiel eine Udon Carbonara mit dem typisch japanischen Onsen-Ei, eine Art pochiertes Ei (12,50 Euro) oder karamellisierte Süßkartoffeln mit roter Beete und Nussbutter (6,50 Euro). Eine tolle Idee für Frisch-Fanatiker ist das Ramen Kit, eine Nudelsuppe zum selber fertig kochen, wahlweise mit Schweinebauch oder Tofu (13,50 Euro). Den passenden Wein (zum Beispiel Riesling für 15 Euro / Flasche) und ein nettes Gespräch beim Abholen gibt es auch dazu. 

Thalkirchner Straße 16, Bestellung täglich: usagi-bar.de, Mitnahme: 12-21 Uhr, Lieferung: 12-14 und 18-21 Uhr

Katzentempel: Hier liefern die Chefs jetzt persönlich das Essen

Der Inhalt einer Brunchbox aus dem Katzentempel.
Der Inhalt einer Brunchbox aus dem Katzentempel. © Katzentempel

Kürbisquiche, Kokosmilchreis, Chili sin Carne, Kuchen, Pralinen und viele weitere Überraschungen. Alles rein pflanzlich und alles mit viel Liebe selbstgemacht. "Unsere Bruchbox ist so prall gefüllt, dass man locker den ganzen Tag schlemmen kann", sagt Thomas Leidner, der zusammen mit Kathrin Karl vor sieben Jahren den Katzentempel gegründet hat. Schon beim ersten Lockdown hatten Leidner und Karl nicht den Kopf hängen lassen - sondern schnell ein To-go-Konzept entwickelt. Gäste mussten sich das Essen jedoch noch am Laden abholen. "Wir haben viele Gäste, darunter Stammgäste, die der Risikogruppe angehören", sagt Leidner. "Deshalb liefern wir jetzt auch", sagt er. Jeden zweiten Samstag fahren die Chefs die Brunchboxen (39 Euro für zwei Personen) aus. "Mit den Boxen kann man auch gut jemanden überraschen", sagt Leidner. Und zwar, indem man sie einfach für einen Freund, Bekannten oder Kollegen bestellt. Doch eine Überraschung sind auch die Boxen als solche. Denn der Inhalt variiert jedes Mal, die Rezepte entwickelt Kathrin Karl alle selbst.

Die beiden Katzentempel-Gründer planen für die Weihnachtszeit, das Boxen-Konzept noch auszuweiten. "Wir wollen beispielsweise Firmen anbieten, größere Bestellungen aufzugeben. Zum Beispiel als Ersatz für Weihnachtsfeiern", so Leidner. Was Kathrin Karl und Thomas Leidner freilich nicht mitliefern können, sind die sechs Katzen, die man sonst im Katzentempel in der Türkenstraße besuchen kann. Doch auch hier haben Karl und Leidner sich etwas einfallen lassen: In jeder Box befindet sich eine Postkarte, auf der eine der Katzen abgedruckt ist. Zudem steht auf jeder Karte ein schöner Spruch.

Die nächste Brunchbox gibt es am 28. November. Vorbestellt werden kann sie unter www.katzentempel.de. Zudem können sich Gäste jeden Freitag (11-18 Uhr) und Samstag (10-18 Uhr) Essen zum Mitnehmen in der Türkenstraße 29 abholen.

Aroma Kaffeebar und Bäckerei Julius Brantner: Gegenseitige Unterstützung

Aroma-Chef Jürgen Altmann und Stella Blättel von Julius Brantner Bäckerei im neuen Pop-up-Laden im Glockenbachviertel.
Aroma-Chef Jürgen Altmann und Stella Blättel von Julius Brantner Bäckerei im neuen Pop-up-Laden im Glockenbachviertel. © Bernd Wackerbauer

"Mit dem Bäcker Julius Brandner wollte ich schon länger zusammenarbeiten. Der macht einfach geniales und gutes Brot", lobt Jürgen Altmann, Chef der Aroma Kaffeebar in der Pestalozzistraße seinen Schwabinger Freund und Kollegen. Da Altmann in seinem Café nun keine Gäste mehr bewirten darf, hat er dieses kurzerhand zur Pop-up-Bäckerei umfunktioniert. Solange der Lockdown anhält, bietet die Bäckerei aus der Adalbertstraße jetzt auch im Aroma ihr Sortiment an. Das besteht aus drei verschiedenen Bio-Broten und zwei Semmeln. Das "Brothandwerk 25" zum Beispiel ist ein Weizen-Roggen-Mischbrot (groß 6,50 Euro, klein 3,50). Ebenfalls eine Roggen-Weizen-Mischung ist der "Münchner Hauslaib", der zusätzlich mit vielen Gewürzen angereichert ist (5,50 oder 3 Euro).

Das "Lichtkorn Roggenbrot" enthält neben 100 Prozent Roggen fermentierte Äpfel, was es besonders saftig macht (6 oder 3 Euro). Die Semmeln kosten 1,20 Euro (Konrads-Krusti) oder 90 Cent (Münchner Handsemmel) pro Stück. Zusätzlich verkauft das Aroma seine eigenen Kaffeespezialitäten und selbstgemachten Kuchen weiterhin zum Mitnehmen. Auch in Sachen Nachhaltigkeit zeigt sich Altmann äußerst kreativ. Getränke in Pappbechern müssen im Aroma auch in Corona-Zeiten nicht sein. Um Verpackungsmüll zu vermeiden, gibt es den Kaffee gegen einen Euro Pfandgebühr in Honiggläsern mit Deckel. Auch die Zusammenarbeit mit Brantner soll nachhaltig bleiben. In Zukunft möchte Altmann das Bio-Brot auch in sein Café integrieren. Sobald der Lockdown vorbei ist, wird er es für seine Brotzeiten und Sandwiches im Café verwenden. "Etwas Schlichtes mit Butter, gutem Käse oder Rosmarinschinken" schwebt dem Cafébesitzer vor.

Pestalozzistraße 24, Mo-Fr 8-17 Uhr, Sa-So 9-17 Uhr

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