Kommentar

Krause startet stark – warum der neue OB trotzdem bald Probleme kriegen könnte

Dominik Krause hat einen guten Start hingelegt. Und in den Wochen nach der Wahl mit seiner Art Politik zu machen, Eindruck hinterlassen. Und doch droht sich der Wind bald zu drehen. AZ-Lokalchef Felix Müller erklärt, warum die Gemengelage für Krause bald sehr unangenehm werden könnte.
von  Felix Müller
Festliche Eröffnungssitzung des Stadtrats der Landeshauptstadt München - Amtperiode 2026 bis 2032 im Festsaal des alten Rathauses.
Festliche Eröffnungssitzung des Stadtrats der Landeshauptstadt München - Amtperiode 2026 bis 2032 im Festsaal des alten Rathauses. © Imago/Stefan M. Prager

Dominik Krause hat ernsthaft vor, anders Politik zu machen. Respektvoll im Umgang mit Stadträten und Verwaltung, ausgleichend zwischen den Parteien, sehr präsent im Rathaus. Nach allem, was aus dem Rathaus zu hören ist, kommt das bislang parteiübergreifend sehr gut an. Viele Münchner haben ihn eh auch dafür gewählt: anders, zeitgemäßer, jenseits der Machtspielchen Politik zu machen. Auch am Montag, bei seiner Vereidigung, hat Krause einen sehr angemessenen Ton getroffen.

Über allem steht Olympia

Der versprochene frische Wind könnte sich für Krause trotzdem rasch drehen. Den Aufbruch (und viele Modernisierungsthemen von ÖPNV bis Wohnungsbau) verbindet er gerne und oft mit der Olympia-Bewerbung. Diese Strategie hat Fallhöhe. Schließlich könnte der Traum von neuerlichen Sommerspielen schon im Herbst ausgeträumt sein – falls München nicht mal deutsche Bewerberstadt wird. Dann sähe sogar Krauses Koalitionsvertrag nach wenigen Monaten schon ganz alt aus.

Große Aufgabe: München auf Sparkurs  

Im Vertrag steht eh erstaunlich wenig Konkretes. Eine Zukunftserzählung für die Stadt mit vielen klaren Projekten? Nicht vorhanden. "Zentraler Bestandteil der Zusammenarbeit", heißt es ernsthaft wörtlich im Koalitionsvertrag, sei "die dauerhafte Sicherung eines genehmigungsfähigen Haushalts." Das ist eine große Aufgabe. Aber eine Selbstverständlichkeit, die keinen Wähler begeistert.
Und es wird schon deutlich, wie unpopulär der Sparkurs werden könnte. Dass der Kindergarten nicht kostenlos bleibt, steht (zwischen den Zeilen) fest, dass das Deutsche Theater privatisiert werden könnte, gar explizit. Nur zwei der Steilvorlagen für die Opposition. Und die besteht, nachdem die CSU eine Rolle zwischen Regierung und Opposition suchen wird, im Wesentlichen aus Linkspartei und AfD.

Der politischen Kultur dürfte all das nicht guttun. Dass prominente SPDler sich in der Regierung gegen den OB profilieren wollen, könnte für Krause zudem zum Problem werden. Auf ihn warten in der Stadt sehr große Aufgaben. Für die er diesen Laden im Rathaus erstmal zusammenhalten muss.

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