"Mangels Masse": OB Reiter teilt gegen seine Konkurrenten aus
Süffisant ist Dieter Reiter ja gern. Am Freitagmorgen – nur zwei Monate sind es noch bis zur Kommunalwahl am 8. März – scheint Münchens SPD-Oberbürgermeister besonders viel ironischen Frohsinn gefrühstückt zu haben.
Wahlkampf? "Ist kein Thema für mich", sagt er – um dann gleich mal angriffslustig gegen seine konkurrierenden OB-Kandidaten Clemens Baumgärtner (CSU) und Dominik Krause (Grüne) zu holzen: "Mit den Ideen der Mitbewerber muss ich mich nicht auseinandersetzen, mangels Masse."
Sechs Reiters in Plakatgröße
Derweil hängen an der weißen Wand hinter ihm in der SPD-Zentrale am Oberanger gleich sechs Dieter Reiters in Plakatgröße. "Überraschenderweise bin ich drauf", witzelt der OB – der mit seiner Wahlplakate-Präsentation und flankiert vom Münchner SPD-Chef Christian Köning nun eben doch in die heiße Phase des Wahlkampfs startet.
Mal schaut Reiter da wie ein Kümmerer eine ältere Dame an, mal forsch ins Gespräch vertieft. Und auch mal wie ein freundlicher Onkel, umringt von Kindern.
Auf dem Hauptplakat lächelt er, gewandet in einen nachtblauen Mantel, ins Weite und zeigt Zähne, Stehkragen aufgestellt. Rechts oben in der Ecke steht "Team SPD". Und ganz unten, in dicken weißen Lettern: "München. Reiter. Passt."

Die Ausgangslage: "einzigartig"
Er wolle "einfache Botschaften" transportieren, sagt der Oberbürgermeister. Und man habe alles auf den amtierenden OB zuspitzen wollen, erklärt Frank Stauss, der mit seiner Agentur Team Stauss die Kampagne konzipiert hat. Dafür sei die Ausgangslage in München nämlich "einzigartig". Eine Umfrage, die das Forschungsinstitut Verian im Sommer im Auftrag der Münchner SPD in München stichprobenartig gemacht hat (1021 Teilnehmer), habe folgendes Bild ergeben: 87 Prozent der Befragten finden, dass München eine hohe Lebensqualität hat, 87 Prozent fühlen sich sicher in der Stadt, 89 Prozent halten München für wirtschaftlich stark.
96 Prozent kennen Dieter Reiter
Und jetzt kommt’s: 96 Prozent kennen demnach Dieter Reiter (67), der bereits zwei Amtsperioden lang regiert – aktuell mit einer grün-roten Rathaus-Koalition, in der es nicht selten knirscht (aber nur 66 Prozent kennen den CSU-Mann Baumgärtner und 56 Prozent den Grünen Krause). 77 Prozent finden, Dieter Reiter passe gut zu München. 65 Prozent seien mit seiner politischen Arbeit zufrieden. Man finde ihn mehrheitlich auch "durchsetzungsstark", "bürgernah", "glaubwürdig" und "besonnen".

OB: "Ein Pfund, mit dem man wuchern muss"
"Die Zufriedenheit", sagt der OB, "ist schon ein Pfund, mit dem man wuchern muss." Er werbe deshalb mit Bewährtem und mit den sozialdemokratischen Botschaften seiner Stadtpolitik: Gerechtigkeit (vom Mieterschutz bis zu Hilfen in Not), Fortschritt (wie beim Azubiwerk, bei den Alten- und Servicezentren oder Münchens Olympiabewerbung), Zusammenhalt, Soziales und Stabilität (auch gegen einen Rechtsruck). "Ich will, dass München eine Stadt ist, in der sich alle zu Hause fühlen können. Dafür braucht es keine Ideologie, sondern Verlässlichkeit und Zusammenhalt."
Was fehlt: Die Farbe Rot
Was übrigens auf keinem der Motive zu sehen ist, ist die SPD-Farbe Rot – auf eine Nachfrage antwortet der OB süffisant: "Steht ja Team SPD drauf. Wenn ich wüsste, dass die Farbe Rot meiner SPD Stimmen bringt, hätte ich’s rot gemacht." Da klingt durchaus heraus, dass Reiter mit seinen Genossen in Berlin mitunter fremdelt.
Aber eins macht er ganz klar: "Ich will, dass die Leute wählen gehen. Und mir geht’s drum, eine starke SPD im Stadtrat zu haben, ohne die nicht regiert werden kann. Ohne stabile Mehrheit, das ist nicht das, was ich anstrebe." Er könne zwar viel alleine entscheiden, "aber nicht alles."
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