"KiK" schließt rund 150 Filialen in Deutschland – auch München ist betroffen
Kunde ist König, dafür steht das Kürzel "KiK", doch aktuell wird das Königreich des deutschen Textil-Discounters hierzulande immer kleiner. Insgesamt rund 150 Filialen will das Unternehmen bis Jahresende in Deutschland schließen. Demgegenüber stehen bis Mitte September nur sieben Filialen, die bundesweit neu eröffnet wurden.
"Die Schließungen erfolgen aus wirtschaftlichen Gründen. Im Rahmen unserer laufenden Portfoliobereinigung betrachten wir jeden Standort individuell und bewerten diesen insbesondere unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten", heißt es von "KiK"-Seite auf AZ-Anfrage.
"Wir trimmen unser Portfolio auf Profitabilität", sagte Geschäftsführer und Finanzvorstand Christian Kümmel im März der dpa. "Die Formel ‚Wir machen fünf neue Filialen auf und haben fünfmal so viele Kunden‘ ist nicht 100-prozentig aufgegangen." In einigen Fällen lägen Filialen weniger als einen Kilometer auseinander. "Wir haben zu dicht expandiert. Das bauen wir zurück." Alle verbleibenden Standorte seien profitabel.
Drei Münchner "KiK"-Filialen von Schließungswelle betroffen
Auch München ist von diesem unternehmerischen Aderlass betroffen, gleich drei Filialen wurden in diesem Jahr bereits in der bayerischen Landeshauptstadt geschlossen, zwei davon erst in den letzten fünf Tagen.
Auf Anfrage wurden der AZ die Schließungen der Filialen in der Marzellgasse 9 (Aubing), Lassallestraße 95 (Feldmoching) und in der Therese-Giehse-Allee 22 (Neuperlach) bestätigt. Während die Filiale in Neuperlach bereits am 14. Juli 2026 ihren letzten Verkaufstag hatte, schlossen die Läden in Aubing und Feldmoching erst am 12. bzw. 16. September 2026.
Das "KiK"-Filialsterben läuft jedoch schon länger, der AZ sind noch zwei weitere Läden bekannt, die in jüngster Vergangenheit geschlossen wurden und das "KiK"-Filialnetz verkleinerten. Gibt man beim "KiK"-Filialfinder München ein, dann werden mittlerweile nur noch 20 Filialen in der Landeshauptstadt und näheren Umgebung angezeigt.
Und viel mehr dürften es in naher Zukunft nicht werden. Zu konkreten Planungen für neue Standorte in München kann der Textil-Discounter auf AZ-Anfrage derzeit keine Angaben machen.
"KiK" mit Standorten in 14 europäischen Ländern
Neben den Schließungen ausgewählter Filialen greift "KiK" noch auf eine andere Taktik zurück, um die Profitabilität des Unternehmens zu steigern. Zahlreichen Medienberichten zufolge verkürzt der Textil-Discounter wegen stagnierender Umsätze und schwächerer Kundenfrequenz zu bestimmten Tageszeiten an verschiedenen Standorten flexibel die Öffnungszeiten. Durch diese Maßnahmen sollen Personalkosten eingespart werden, ohne gleich den gesamten Standort zu schließen.
Trotz der zahlreichen Filialschließungen, die 2026 bereits stattgefunden haben oder noch vollendet werden, bleibt "KiK" weiterhin ein einflussreiches Unternehmen im deutschen und europäischen Einzelhandel. Mitte September betreibt der Textil-Discounter mit Europazentrale im nordrhein-westfälischen Bönen, laut eigener Website, über 4200 Filialen in 14 europäischen Ländern (Deutschland, Niederlande, Österreich, Polen, Tschechien, Spanien, Portugal, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Slowenien, Italien, Rumänien und Bulgarien), davon mehr als 2400 alleine in Deutschland. Ende des Jahres, wenn die geplanten Filialschließungen alle vollzogen worden sind, werden es europaweit rund 300 weniger sein.
Kommen weitere Schließungen in den nächsten Jahren?
Aber auch diese Zahl könnte sich künftig noch ändern, denn "KiK"-Geschäftsführer Kümmel kann sich vorstellen, dass das Filialnetz in den kommenden Jahren weiter bereinigt wird.
Europaweit beschäftigt "KiK" nach eigener Aussage 32.000 Mitarbeiter, davon über 19.000 Beschäftigte in Deutschland. Für das Jahr 2025 rechnet das Unternehmen mit einem – im Vergleich zum Vorjahr – leicht gestiegenen Umsatz von 2,43 Milliarden Euro.



