"Keine Tabus": Erzbistum München und Freising stellt Sparpläne vor

Das Erzbistum München und Freising will sich neu aufstellen – und stellt dabei auch Dinge auf den Prüfstand, die vor ein paar Jahren noch undenkbar waren.
| Paul Nöllke
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Die Frauenkirche ist die Kathedralkirche des Erzbistums München und Freising. (Archivbild)
Die Frauenkirche ist die Kathedralkirche des Erzbistums München und Freising. (Archivbild) © Sven Hoppe/dpa

München - Sie passen auf wenige Seiten Papier – und dennoch dürften sie im Erzbistum München und Freising einige Diskussionen hervorrufen: Am Donnerstag stellte die Erzdiözese die Ergebnisse ihres Erneuerungsprozesses vor. Vieles hatte sich in den vergangenen Jahren bereits angedeutet, trotzdem wird die Umsetzung sicherlich nicht allen gefallen.

"Wir machen viele Dinge, weil wir sie eben immer schon so gemacht haben", erklärte Pastoralreferentin Susanne Deininger, die zusammen mit über 90 anderen Personen an dem Prozess mitgewirkt hat, bei der Vorstellung der Ergebnisse. "Aber wir müssen etwas ändern, auch wenn es wehtut."

Und wehtun werden einzelne Maßnahmen mit Sicherheit – denn der Erneuerungsprozess ist in vielen Punkten vor allem ein Sparplan. Die sinkende Kirchensteuer, sie macht auch dem finanziell starken Erzbistum München und Freising zu schaffen. Wie dieses Jahr erwartet das Bistum auch im nächsten Jahr ein Minus.

Wenn eine Kirche wenig besucht wird, kann sie geschlossen werden

Das vorhandene Geld soll effizienter genutzt werden. Unter dem Stichpunkt "Baulast reduzieren", heißt es daher: "Um Bau- und Instandhaltungskosten zu senken, wird auch die Verwertung von Gebäuden eine Rolle spielen, wenn der langfristige Bedarf vor Ort nicht gegeben ist." Bedeutet konkret: Wenn ein Pfarrhaus oder eine Kirche nicht genug besucht wird, können diese Gebäude geschlossen werden, wie auch Generalvikar Christoph Klingan zugibt: "Es gibt keine Tabus."

Das Bistum überlege aber immer nach der Lage vor Ort, ob Pfarr- und Gemeindehäuser verkauft oder Kirchen geschlossen würden. Bereits 2019 hatte der Sprecher der Erzdiözese, Bernhard Kellner im AZ-Interview angekündigt, dass sich das Bistum die Frage stellen müsse, ob man "in Steine oder Menschen investiere."

Erzbistum will neue Menschen für sich gewinnen

Doch nur als Sparplan will das Bistum den Erneuerungsprozess nicht verstanden wissen. "Wir wollen auch Leute neu ansprechen", sagte Deininger. "Nicht nur die, die schon da sind."

Dazu will die Kirche in bestimmte Bereiche investieren und diese trotz der Sparmaßnahmen ausbauen. Davon betroffen könnte zum Beispiel die Erwachsenenbildung oder der Kulturbereich sein. So soll eine Kirche entstehen, die "nah bei den Menschen" ist.

"Es ist kein Punkt, sondern ein Doppelpunkt", erklärte Generalvikar Klingan am Donnerstag. Der Prozess solle erstmal einen Rahmen für weitere Diskussionen setzen. Kardinal Reinhard Marx fand in einer Video-Botschaft lobende Worte für den Prozess: "Ich habe den Eindruck, dass da ein wirklich guter Weg gegangen worden ist." Innovation sei wichtig. Nun sollen Fortschritte des Prozesses jedes Jahr geprüft werden.

Zum Abschluss des Erneuerungsprozesses lädt der Kardinal zur Eucharistiefeier. Diese findet – ganz traditionell – in der Frauenkirche statt.

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Erzbistum München und Freising: Ein Minus von 12 Millionen Euro

Das Erzbistum München und Freising ist eines der reichsten und einflussreichsten Bistümer in Deutschland. Lange war Geld hier kaum Thema und das Bistum konnte reichlich investieren, wie zum Beispiel jüngst in die aufwendige Restaurierung des Dombergs in Freising.

Und dennoch – inzwischen muss auch hier gespart werden. Das Bistum erwartet für das laufende Jahr ein Minus von mehr als zwölf Millionen Euro. Geld, das nun aus dem Ersparten kommt. Grund sind vor allem die sinkenden Einnahmen aus der Kirchensteuer, denn immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus oder verdienen durch Corona schlechter und zahlen so auch weniger Steuern. Doch auch ein Mangel an Personal macht der Kirche zu schaffen. So soll der Erneuerungsprozess auch neue Ehrenamtliche anwerben.

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