Keine ÖPNV-Streiks mehr in München - bis April 2021

Die Arbeitgeber und Gewerkschaften haben eine Zwischenlösung gefunden. Doch zufrieden ist keine der beiden Seiten. Im Frühjahr geht es weiter.
| Emily Engels
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Anfang Oktober hat die MVG-Belegschaft gestreikt.
Peter Kneffel/dpa Anfang Oktober hat die MVG-Belegschaft gestreikt.

München - Im Tarifkonflikt im öffentlichen Nahverkehr in Bayern gibt es eine Einigung. Zumindest eine vorübergehende, die bis ins Frühjahr 2021 gelten soll. Danach sollen die Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern erneut aufgenommen werden.

Dabei handelt es sich um eine Übergangslösung, bis Ende April 2021 gelte jedoch "Friedenspflicht", meldet die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) gestern. Denn schließlich geht es auch um ihre U-Bahn, Bus- und Tramfahrer.

Alle Seiten sind nicht zufrieden

Für alle Fahrer, die über den Tarifvertrag Nahverkehr Bayern (TV-N Bayern) beschäftigt sind, konnte man sich bisher auf zwei Punkte einigen: Nämlich zum einen auf eine Corona-Sonderzahlung zwischen 350 und 700 Euro sowie auf eine finanzielle Entlastung beim Zusatzurlaub. Wer fünf freie Extra-Tage nimmt, verzichtet künftig auf 2,25 statt bisher 2,5 Prozent Gehalt.

Alle weiteren Angebote hätten sich im Wesentlichen an den bundesweiten Einigungen für Beschäftigte im öffentlichen Dienst orientiert. Frank Schütz von der Gewerkschaft Verdi findet, dass das zu wenig ist. "Die Beschäftigten des TV-N hatten vor allem mehr Entlastung gefordert", sagt er. Gewünscht seien beispielsweise kürzere Arbeitszeiten. "Das Angebot der Arbeitgeber, nämlich nur die Lohnerhöhung, sah zwar auf den ersten Blick nett aus, reicht uns aber definitiv nicht", so Schütz weiter zur AZ.

MVG-Chef versteht Forderungen nicht

MVG-Chef Ingo Wortmann hingegen versteht die Gewerkschafter nicht. Er sagt: "Wir finden es erstaunlich, dass die Gewerkschaften in Bayern ein Angebot ausschlagen, das in einigen Punkten über den Abschluss im öffentlichen Dienst mit seinen bundesweit 2,5 Millionen Beschäftigten hinausgeht."  Es bleibt zu hoffen, dass die Verhandlungspartner den Ernst der Situation doch noch erkennen "und ihrer Verantwortung im Interesse der Beschäftigten gerecht werden", so Wortmann.

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Werner Albrecht, Verhandlungsführer in Bayern und Personalchef bei den Stadtwerken München und der MVG, gibt noch einen Punkt zu bedenken. Er warnt: "Der Spielraum für Verhandlungen wird im Frühjahr 2021 nicht größer sein. Im Gegenteil: Die Verkehrsunternehmen werden auch nächstes Jahr drastische Verluste machen und weitere Sparmaßnahmen ergreifen müssen, um finanziell über die Runden zu kommen."

Keine Streiks bis April

Am Mittwoch finden noch die Verhandlungen um den MVG-Haustarif statt. Über den sind ebenfalls zahlreiche Bus-, Tram- und U-Bahnfahrer beschäftigt. Die Forderung ist unter anderem eine Gleichstellung mit dem TV-N. Schütz: "Es ist absehbar, dass es da eine ähnliche Übergangsregelung geben wird und die Verhandlungen bis Ende April aussetzen."  Für die Fahrgäste sei das wichtigste Signal: "Bis zum Frühjahr ist erstmal Ruhe."

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