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Kein Schnitzel ohne Schnelltest: So wappnen sich die Wirte für die Öffnungen

Wenn der Inzidenzwert stabil bleibt, dürfen Lokale ab 22. März ihre Außenflächen wieder öffnen - vielleicht. Die AZ hat sich bei den Wirten umgehört, wie sie sich vorbereiten.
| Ruth Frömmer
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Ab dem 22. März dürfen auch die Schanigärten wieder aufmachen - bei einer Inzidenz unter 50.
Ab dem 22. März dürfen auch die Schanigärten wieder aufmachen - bei einer Inzidenz unter 50. © Sigi Müller

München - Bei einer Inzidenz unter 50 darf die Außengastronomie ab 22. März wieder bewirtschaftet werden - falls diese Regelung nicht noch gekippt wird. Bei einem Wert zwischen 50 und 100 ist der Lokalbesuch im Freien mit einer Terminbuchung und tagesaktuellem Coronatest erlaubt, wenn an einem Tisch Personen aus mehreren Haushalten sitzen. Wer soll da noch durchblicken und ist das überhaupt eine Perspektive für wirtschaftliches Arbeiten in der Gastronomie?

Münchner Wirte über die Möglichkeit, bald wieder öffnen zu können

Abgesehen von den hygienischen Auflagen, die nur eine begrenzte Anzahl an Gästen zulässt, spielt in den nächsten Wochen auch das Wetter eine große Rolle - immerhin machen die Temperaturen und Regen oder Schnee im März und April das Draußensitzen oft alles andere als gemütlich. Gerade Lokale mit größerer Küche müssen jetzt überlegen, ob sie mit so wenig Planungssicherheit ihre Angestellten aus der Kurzarbeit holen und ihre Betriebe hochfahren.

Christoph Klingele: Im Großwirt möchte man nicht Polizei spielen

"Das ist ein ganz schwieriges Thema", sagt Christoph Klingele vom Großwirt in Neuhausen, der eine Betrieb ist prädestinierter für die neuen Regelungen, der andere weniger. "Wir sind mit dem Großwirt in einer etwas glücklicheren Situation als viele andere. Wir haben ein To-go-Geschäft, das gut funktioniert und einen Schanigarten." Einen großen Vorlauf braucht es also nicht, um den Außenbereich am 22. zu öffnen. "Und wenn wir kurzfristig einmal mehr Personal brauchen, dann müssen die Chefs eben selbst ran", so Klingele weiter. Trotzdem ist das Ganze immer noch unkalkulierbar.

Christoph Klingele möchte seine Großwirtschaft draußen auf jeden Fall wieder öffnen.
Christoph Klingele möchte seine Großwirtschaft draußen auf jeden Fall wieder öffnen. © Sigi Müller

Wenn es dann zwei Wochen Dauerregen gibt, was dann? Anders sieht es im Café Puck in der Türkenstraße aus, das Klingele neben dem Großwirt betreibt. Hier gibt es nur begrenzte Außenplätze. "Da können wir ohnehin keine großen Umsätze machen", erklärt er. Deshalb steht im Moment noch nicht fest, ob dort überhaupt geöffnet wird oder nicht. Aber auch ihm macht vor allem die Einhaltung der Regelungen Sorgen. Wie viele Haushalte sitzen an einem Tisch, wer braucht einen Coronatest, wer kontrolliert das alles. "Wir wollen die Funktion der Polizei nicht übernehmen. Das können wir nicht leisten", sagt Klingele ganz klar. (Großwirt, Volkartstraße 2  - Café Puck, Türkenstraße 33)

Monika und Giacomo Monaco, Pizzeria Monaco: Es wird schon klappen 

Moni und GIacomo Monaco.
Moni und GIacomo Monaco. © ruf

Moni und Giacomo Monaco möchten ihre Pizzeria Monaco am Gärtnerplatz auf jeden Fall am 22. März wieder aufmachen. "Wie genau das funktionieren soll, das wissen wir selbst noch nicht so genau", sagt Moni Monaco, "Corona-Schnelltests, immer wieder neue Inzidenzwerte, wie sollen wir das alles umsetzen? Schon im letzten Jahr haben wir sehr aufgepasst, dass alles immer in Ordnung ist. Das war auch schon nicht einfach. Aber wie sollen wir das jetzt alles kontrollieren? Im Moment überlegen wir, ob wir grundsätzlich nur Personen aus einem Haushalt an einen Tisch setzen. Aber entschieden haben wir uns noch nicht."

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Es sei nicht so, dass die Gastronomen einen "eigenen Newsletter" von der Staatsregierung beziehen, so Monaco weiter. "Auch wir müssen uns alle Infos aus der Presse beschaffen. Und diese dann als erste umsetzen. Wir haben auch keinen eigenen Ansprechpartner, an den wir uns wenden können." Aber irgendwie wird es schon klappen. (Pizzeria Monaco, Reichenbachstraße 10)

Gabi Walter, Gaststätte Großmarkthalle: Vorerst bleibt zu

Auf der Außenterrasse der Gaststätte an der Großmarkthalle befindet sich gerade eine große Baustelle der Stadt, sagt uns Gabi Walter. "Wenn die nicht wäre, würden wir auch öffnen." Es gäbe zwar noch eine Terrasse hinter der Gaststätte, aber die ist zu klein, um sie alleine zu öffnen. Drum bleibt nur abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Vor allem für ihre Angestellten tut es Walter gerade leid. Die Situation trifft viele hart. Im Moment bleibt es also bei einem Straßenverkauf für Würste von Donnerstag bis Samstag und die Terrasse bleibt wahrscheinlich geschlossen.

Ludwig Wallner und Gabi Walter.
Ludwig Wallner und Gabi Walter. © Gaststätte Großmarkthalle

Die Umsetzung der neuen Regelungen für die Gastronomie sieht auch Gabi Walter eher kritisch: "Zu uns kommen die Leute zum Weißwurstessen. Da macht man doch nicht einen Coronatest dazu. Und wenn jemand einen gemacht hat: Muss er ihn dann mitbringen - oder wie soll ich das kontrollieren?" Vor über 20 Jahren hat sie die Gaststätte an der Großmarkthalle zusammen mit ihrem Bruder Ludwig Wallner von den Eltern übernommen. Das Lokal hat viele Stammgäste, die sie sehr vermisst. "Aber samma zuversichtlich!", sagt Walter und hofft, dass "der Spuk bald ein Ende" hat. (Gaststätte Großmarkthalle, Kochelseestraße 13)

Helmut Maier, Café Ruffini: Kleine Speisekarte, Kaffee und Kuchen 

Helmut Maier vom Ruffini ist entspannt, noch: "Wir sind ganz brav, werden aber langsam auch etwas unmutig." Er findet die Hürden im Moment sehr groß. Das Ruffini ist eine GmbH mit 25 Gesellschaftern. Und die müssen sich alle einig sein. "Wir haben aber schon vor, zu öffnen" verspricht Maier, "wir wollen auch unseren Gästen einen Gefallen tun. Die freuen sich, wenn sie wieder kommen können." Demnächst werden die Gesellschafter also gemeinsam entscheiden, wie das Ruffini mit der neuen Situation umgehen wird. Aber es wird ein Entscheidungskriterium sein, wie die Tests genau laufen sollen.

Die Ruffini-Gesellschafter vor Corona-Zeiten.
Die Ruffini-Gesellschafter vor Corona-Zeiten. © Peter von Felbert

Maier fragt sich auch, wie man kontrollieren soll, ob Gäste, die an einem Tisch sitzen auch aus einem Haushalt kommen. Da es auch im Ruffini To-go-Speisen gibt, ist die Öffnung der Außenfläche für das Küchenteam keine große Umstellung. Die Menschen sollen sich hinsetzen können für Kaffee und Kuchen mit einem kleinen Küchenprogramm. Schließlich kann man nicht kalkulieren, wieviele Gäste kommen werden. "Und wir wollen auch kein Essen wegschmeißen" betont Maier. Bei schönem Wetter kann man schon mal riskieren, mehr zu kochen. Aber wenn es regnet, sieht alles wieder ganz anders aus. (Café Ruffini, Orffstraße 22-24)

Angela Inselkammer fordert Öffnung ohne Testanforderung

Angela Inselkammer.
Angela Inselkammer. © imago/Jürgen Heinrich

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Dehoga fordert mehr Planungssicherheit. Präsidentin Angela Inselkammer sagt der AZ: "Die Sicherheit von Mitarbeitern und Gästen steht für uns immer an oberster Stelle. Wir wollen keine Öffnungen auf Kosten der Gesundheit oder um jeden Preis, doch wir fordern verantwortbare Öffnungsschritte. Denn: Wir sind Teil der Lösung und nicht des Problems. Letzte Woche wurden Kontaktbeschränkungen im Privaten, dort wo laut RKI die Infektionsgefahr am höchsten ist, gelockert und zeitgleich unsere geschützten Bereiche mit erwiesenermaßen funktionierenden Schutz- und Hygienekonzepten komplett geschlossen gehalten.

Das ist nicht nachvollziehbar, aus unserer Sicht sogar fahrlässig. Auch dazu gibt es glaubwürdige Expertenaussagen. Wir kämpfen für die Öffnung der Außengastronomie sofort und ohne Testungsanforderung. Mit der Öffnung der Außengastronomie wird ein wichtiger Beitrag zur Eindämmung des Infektionsgeschehens geleistet. Dann gibt es eine Alternative zum wilden Picknicken auf Plätzen, in Parks, an Seen und Flüssen."

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