Katzen-Yoga in München-Freiham: "Die helfen, runterzukommen"
Mit Bedacht bewegen die sechs Teilnehmer ihre Arme, lassen langsam ihre Füße und Beine kreisen, halten ihre Körperspannung – begleitet von der leisen Stimme der Yogalehrerin. Die Katzen hingegen kämpfen miteinander auf den Matten und jagen sich gegenseitig durch den Raum.
Das Energielevel von Mensch und Tier könnte an diesem Donnerstagmorgen nicht unterschiedlicher sein – und trotzdem funktioniert das Zusammenspiel, wie die Teilnehmer im Anschluss erzählen: "Die Katzen haben mich ein bisschen entspannt", sagt etwa Christina Neumann (46). Alex Brill (52) ergänzt: "Die helfen dabei, runterzukommen."

Genau das ist die Idee hinter Katzen-Yoga, wie die ausgebildete Yogalehrerin Magdalena Riedl (21) erklärt: "Die Katzen gehen zu den Gästen hin, legen sich vielleicht dazu, spielen ein bisschen rum, während wir Menschen Yoga machen, was eine schön entspannte Wirkung auf alle hat."
Katzen beim Yoga: Kuschelattacke auf Teilnehmerin
Sie arbeitet im Katzentempel in Freiham als Service-Kraft – und fortan eben auch als Yogalehrerin, wofür sie die Ausbildung vergangenen Oktober abgeschlossen hat. Es ist das erste Mal Katzen-Yoga im neuen Katzentempel in Freiham und auch für Riedl eine neue Erfahrung: "Mir hat es sehr gefallen, das war etwas anderes." Dass die Katzen umherflitzen, habe sie bei ihrer Arbeit nicht gestört – als Katzenmama ist sie das schließlich gewöhnt, wenngleich ihr alter Kater bei Weitem nicht mehr so aktiv sei.

Auch die anderen Teilnehmer empfinden die Katzen nicht als störend, sondern als "spaßige Ablenkung", wie es etwa Alexandra Aicher (56) nennt. Mal schnüffelt eine Katze am ausgezogenen Pulli, mal spaziert eine andere durch die bei einer Übung gespreizten Beine. Und wenn ein Mensch eh schon auf dem Rücken am Boden liegt, lässt er sich auch wunderbar als Couch benutzen.
Melanie Heilbronner (28), das Opfer der Kuschelattacke, erzählt mit leuchtenden Augen: "Es war richtig schön." Sie mache Yoga zum ersten Mal, genauso wie ihre Freundin. Auch die anderen Teilnehmer sind keine Yoga-Profis. Die Einstiegshürde ist also denkbar niedrig: Freude an Katzen, bestenfalls keine Allergie – und Mut, etwas Neues auszuprobieren. Teilnehmerin Neumann sagt: "Es war ganz weit weg von meinem normalen Alltag und deswegen fand ich es mega."

Die Begeisterung teilt auch Thomas Leidner, der Gründer des Katzentempel-Franchises, der bei der Stunde selbst mitmacht. Vor der Corona-Pandemie bot er in seinem Lokal in der Maxvorstadt bereits Katzen-Yoga an – in der Zukunft möchte er auch dort wieder die bunten Kunststoffmatten inmitten der Samtpfoten ausrollen. Zunächst soll es die Yoga-stunden aber nur in Freiham geben, um den neuen Standort am westlichen Stadtrand zu bewerben.
Katzen-Yoga: "Man hat mehr von den Katzen"
Dessen Betreiber Lukas Palluch plant bereits zwei weitere Termine im Februar. Am 23. Februar steht erneut Yoga am frühen Vormittag (Beginn 8.30 Uhr) an. Im Anschluss soll es wie bei dieser ersten Yogastunde für die Teilnehmer ein veganes Frühstücksbuffet geben – unter anderem mit Müsli, Obst, Gebäck und knackigem Gemüse.

Der zweite Termin im Februar ist bereits einen Tag darauf, jedoch erst am frühen Abend um 17.30 Uhr – geplant ist die entspannte Variante Yin Yoga, das größtenteils im Liegen und Sitzen praktiziert wird. Das anschließende Buffet soll wesentlich herzhafter als das Bruch-Angebot ausfallen, aber ebenso vegan sein. "Uns haben schon einige Gäste darauf angesprochen, dass sie gerne beim Yoga dabei wären, aber am Morgen arbeiten müssen", sagt Lukas Palluch.

Die rund zehn Monate alten Katzentempel-Bewohner Bobby, Ronny, Robin, Mister und Betty sind die perfekten Übungspartner, denn sie sind ausgesprochen zutrauliche und neugierige Tiere. Das zeigt sich besonders während der Yogastunde. Brill, die regelmäßig den Katzentempel in Freiham besucht, sagt: "Man hat mehr von den Katzen, als wenn ich jetzt zu den normalen Besuchszeiten hierherkomme." Denn das Katzen-Yoga findet vor der regulären Öffnungszeit statt.

Anders als sonst stehen während der Yogastunde die Tische und Stühle an der Seite, um Platz für die Matten zu schaffen. Das weckt die Neugierde der Katzen: Sie springen auf die umgestellten Stühle, beschnüffeln die Matten und beobachten die bedächtigen Bewegungen der Menschen. Und wenn sich eine der Katzen putzt, sieht es so aus, als würde sie selbst bei den Übungen mitmachen.
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