"Müsste schon sehr schlecht für SPD laufen": Junge Biologin vor dem Sprung in den Stadtrat

Die 29-jährige Paula Gundi steht auf Listenplatz sechs der SPD. Die AZ trifft die Juso-Vorsitzende beim Flyern im Univiertel und spricht mit ihr über die bevorstehende Kommunalwahl.
von  Maja Aralica
Paula Gundi (29) ist Juso-Vorsitzende und will jetzt in den Münchner Stadtrat.
Paula Gundi (29) ist Juso-Vorsitzende und will jetzt in den Münchner Stadtrat. © ma

Der Wind wirbelt durch Paula Gundis rote Haare, als sie in der Schellingstraße vor dem Philologicum steht und Flyer verteilt. Studierende eilen mit Matcha- und Kaffee-Bechern in der Hand vorbei.

"Hi, darf ich dir einen Flyer zur Kommunalwahl geben", fragt sie freundlich. Einige werfen ihr nur einen kurzen Blick zu, andere bleiben stehen. Gundi wirkt offen und energiegeladen – lässt aber jeden weitergehen, der abwinkt. "Was, du stehst auf der Liste?", ruft ein Mann begeistert. Gundi nickt und zeigt auf ihr Foto auf dem Flyer.

"Müsste schon sehr schlecht für SPD laufen"

Die 29-Jährige steht auf Platz sechs der SPD-Liste – und hat gute Chancen auf den Stadtrat. "Da müsste es schon sehr schlecht für die SPD laufen", sagt sie und lacht. "Ich bin optimistisch, dass es was wird."

Mit viel Energie verteilt Gundi Flyer im Univiertel – und kommt mit den Menschen ins Gespräch.
Mit viel Energie verteilt Gundi Flyer im Univiertel – und kommt mit den Menschen ins Gespräch. © ma

Die gebürtige Münchnerin weiß noch genau, wann sie in die Partei eingetreten ist: "Am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, bin ich zum SPD-Stand am Marienplatz gegangen und hab mein Zettelchen ausgefüllt." Neun Jahre ist das her. Seitdem ist sie eine feste Größe bei den Münchner Jusos, seit 2023 deren Vorsitzende – und will jetzt ins Rathaus. "Ich habe jahrelang kommunalpolitisch gearbeitet, da war irgendwann klar, dass ich antreten will", sagt sie.

Bezahlbarkeit ganzheitlich denken

Gundi ist studierte Biologin und arbeitet als Wissenschaftsreferentin im EU-Büro der Fraunhofer-Gesellschaft. Sie wohnt in Neuhausen. Besonders wichtig ist ihr das Thema Bezahlbarkeit – nicht nur beim Wohnen. Ob Sportangebote, Büchereien oder Theaterbesuche: Es brauche einen "ganzheitlichen Ansatz", erklärt sie.

Als Juso-Spitzenkandidatin möchte sie Inhalte, die die Jusos in den vergangenen Jahren erarbeitet haben, direkt in den Stadtrat tragen. "Ich will eine Verbindung ins Rathaus schaffen für junge Leute", sagt sie. "Das fehlt mir total."

Bis zur Wahl sind es noch wenige Tage. Ob sie nervös ist? "Es ist eine Mischung aus: Ich will es jetzt wissen und gleichzeitig will ich mehr Zeit, um noch mehr Leute zu erreichen", sagt sie. Den Wahlkampf erlebt Gundi bisher als positiv. "Die Jusos sind motiviert, das ist so schön", sagt sie und strahlt.

Als junge Frau in der Politik: nicht immer einfach

Als junge Frau Politik zu machen, ist trotzdem nicht immer einfach. "Man darf nicht unterschätzen, wie krass man erst einmal nur als Frau gesehen wird, wenn man irgendwo auftaucht", so Gundi. Auch auf Podien hätten Männer oft mehr Redezeit. Doch sie erzählt das ohne Bitterkeit. Die Unterstützung bei den Jusos sei groß. "Ich hatte erstaunlich wenige negative Erfahrungen", sagt sie.

Ganz ohne unangenehme Sprüche geht es trotzdem nicht. Als sie einem Mann einen Flyer in die Hand drückt, fragt der grinsend, ob da auch ihre Nummer draufstehe. Gundi lässt sich nichts anmerken und erzählt ihm von ihrer Kandidatur. 

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