Jetzt jagen auch Politessen die Radlrambos

Kommunale Verkehrsüberwacher - auch Politessen genannt - kassieren Radler in der Altstadt ab. Wer zu schnell fährt, zahlt 15 Euro, wer durch die Fußgängerzone radelt, muss zehn Euro Strafe bezahlen
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Volles Rohr: Viele Radler stürmen am Marienplatz durch die Touristen – die passen aber auch nicht wirklich auf.
Gregor Feindt Volles Rohr: Viele Radler stürmen am Marienplatz durch die Touristen – die passen aber auch nicht wirklich auf.

Kommunale Verkehrsüberwacher - auch Politessen genannt - kassieren Radler in der Altstadt ab. Wer zu schnell fährt, zahlt 15 Euro, wer durch die Fußgängerzone radelt, muss zehn Euro Strafe bezahlen

MÜNCHEN Flotter als mit dem Radl kommt man kaum durch die Stadt. Doch Vorsicht, außer der Polizei liegen jetzt auch noch die Kollegen von der kommunalen Verkehrsüberwachung auf der Lauer nach allzu flotten Pedalrittern.

Walter S. hatte es ziemlich eilig. Ein Termin jagte den nächsten und so sauste Walter S. auf seinem Rennrad durch die Innenstadt. Doch an der Ecke Schäffler- und Weinstraße stand plötzlich ein Mann in der blauen Uniform der kommunalen Verkehrsüberwachung vor dem 41-Jährigen Münchner und schwang energisch seine Kelle. Was Walter S. in der Eile glatt übersehen hatte: Er war bereits im Randbereich der Fußgängerzone unterwegs - und das ist nun mal verboten.

Freundlich klärte ihn der Mann von der Kommunalen Verkehrsüberwachung auf und zückte anschließend seinen Block. Eine gebührenpflichtige Verwarnung über 10 Euro war fällig und Walter S. um eine Erfahrung reicher.

Die Kommunale Verkehrsüberwachung kümmert sich nämlich nicht mehr nur um Parksünder oder blitzt Raser auf Münchens Nebenstraßen. Die Damen und Herren in der schmucken blauen Uniformen haben jetzt auch die Radler ins Visier genommen. Acht von ihnen sind während der warmen Jahreszeit im Einsatz. Ein besonders wachsames Auge haben die Verkehrsüberwacher auf Radler in der Altstadt, angefangen von der Gegend rund ums Hofbräuhaus, der Frauenkirche bis rüber zum Viktualienmarkt. Wer sich hier nicht genau an die Verkehrsregeln hält und stattdessen lieber nur auf grüne Polizeiuniformen schielt, riskiert wie im Fall von Walter S. ein Strafmandat.

Radler, die in der Diener- oder der Residenzstraße zu schnell unterwegs sind, zahlen nach Angaben des KVR 15 Euro. Wer im Bereich der Fußgängerzone auf dem Radl erwischt wird, ist 10 Euro los.

Der so genannte Radl-Joker, von manchen auch als Radl-Clown verspottet, ist dagegen ein harmloser Zeitgenosse. Er darf Radlrambos nur freundlich ermahnen, ihnen ins Gewissen reden – sie abkassieren darf er nicht.

Im Stadtrat ist deshalb ein heftiger Streit um den Sinn der jüngsten Radler-Kampagne ausgebrochen. Während Rot-Grün dem Mann mit Kelle und Wikingerhelm noch die Treue halten, würden CSU und FDP den Clown gerne schnellstmöglich wieder in der Versenkung verschwinden lassen.

Ralph Hub

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