"Jetzt bin ich die Zielscheibe!": Stephan Zinner über seine erste Fastenrede auf dem Nockherberg

Stephan Zinner hält am Mittwoch seine erste Fastenrede. In der AZ erzählt er, warum er keine Vorbilder hat, wie er sich vorbereitet – und wie viel Markus Söder abkriegt.
Ruth Frömmer
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Stephan Zinner ist kein Neuling auf dem Nockherberg, als Fastenredner aber schon. Die Paulaner-Brauerei hat sich von ihm eine traditionelle Rede gewünscht. Deshalb wird er auch auf Show-Einlagen verzichten. Auch ein Kostüm wird er nicht tragen.
Stephan Zinner ist kein Neuling auf dem Nockherberg, als Fastenredner aber schon. Die Paulaner-Brauerei hat sich von ihm eine traditionelle Rede gewünscht. Deshalb wird er auch auf Show-Einlagen verzichten. Auch ein Kostüm wird er nicht tragen. © Daniel Loeper

Die Erwartungen sind hoch. Nachdem sich die Paulaner-Brauerei im letzten Jahr von Fastenredner Maxi Schafroth getrennt hatte, tritt in diesem Jahr zum ersten Mal Stephan Zinner hinter die Kanzel. Der Schauspieler ist mit dem Nockherberg bestens vertraut. Viele Jahre schlüpfte er in der Vergangenheit in die Rolle des Markus Söder im Singspiel. Nun richtet er die Augen auf alle Politiker – und umgekehrt.

AZ: Herr Zinner, als sein Double haben Sie sich 15 Jahre lang auf Markus Söder konzentriert. Wird der Söder-Anteil in Ihrer Fastenrede der höchste in der Geschichte des Nockherbergs?
Stephan Zinner: Nein. Da hat der Maxi Schafroth einen höheren gehabt, glaube ich. Gut, Söder ist der bayerische Ministerpräsident. Und er ist nicht gerade medienscheu, das wissen Sie besser als ich. Deshalb kommt er natürlich auch vor. Aber dass es jetzt ein Solo auf ihn wird: Den Gefallen tun wir ihm nicht!
Wie schwer fällt es, sich auf so viele Protagonisten zu konzentrieren?
Ich muss sie ja nicht spielen.
Aber das ist ja noch schwieriger, schließlich müssen Sie sie noch genauer beobachten.
Ich bin ja normal auch ein nachrichtenaffiner Mensch. Sprich: Ich konsumiere Nachrichten. Meine Frau ist Ärztin, meine Kinder gehen in die Schule. Wir haben dauernd mit Politik zu tun, also kriege ich genug mit.

"Die eigentliche Arbeit ist das Aussortieren und Gewichten"

Nun intensiviert sich das natürlich. Wenn man in der Zeitung, die man immer hat, jetzt etwas liest, das man nicht versteht, dann nimmt man vielleicht auch mal eine andere zur Hand. Und so baut sich was zusammen. Das ist natürlich eine große Menge an Informationen. Und dann merkst du: Die eigentliche Arbeit ist das Aussortieren und Gewichten.
Sie hatten gesagt, Sie wollen bewusst keine Predigt halten. Warum?
Jetzt muss ich kurz überlegen, was ich damals gemeint habe (lacht). Das Wort Fastenrede ist okay. Dass man mal einen leicht pastoralen Ton kriegt, kann man ja mal als Farbe nutzen. Ich habe auch ein, zwei Passagen dabei, wo ich das benutzen könnte. Das steht noch nicht ganz fest. Aber es wird kein Levitenlesen im strengen Ton von der Kanzel.
Werden Sie deshalb auch keine Mönchskutte tragen?
Genau. Das hängt auch damit zusammen, dass ich Schauspieler bin. Da verwandelt man sich als Pfarrer, Metzger oder Kommissar, schlüpft in eine Rolle. Und hier komme ich als ich. Als Bürger.
Gibt es etwas, das sie sich von Ihren Vorgängern abschauen?
Nein. Ich versuche, mir bewusst nichts abzuschauen. Ich bin ein alter Nachmacher. Wenn ich mir den Walter Sedlmayr anschaue, dann stehe ich auf einmal genauso da. Und wenn ich mir die Luise Kinseher anschaue, dann nehme ich auf einmal ihren Ton an. Angeschaut habe ich viele. Aber dass ich sie jetzt studiere und sage, da nehme ich einen Part raus: Das mache ich lieber nicht. Weil ich weiß, dass ich da – nicht einmal bewusst – sehr schnell etwas annehmen würde.

"Nicht nur die Redner, auch das Publikum hat sich verändert"

Angeschaut haben Sie sich die vorherigen Reden ja trotzdem. Was ist Ihnen aufgefallen?
Wenn man in der Zeit etwas zurückgeht, ist sehr interessant, wie die Politiker drauf waren. Diese Lockerheit damals, das war schon anders, auch dieses eher Frotzelige. Man hat die Kritik sehr leicht aufgenommen. Und die war damals durchaus sehr hart. Was da erzählt wurde! Da wurden auch mal Interna verraten und die Politiker haben das mit einer gewissen bayerischen Leichtigkeit aufgenommen. Dass sich nicht nur die Redner oben, sondern auch unten im Publikum was verändert hat, das fand ich wirklich ganz spannend. Aber ob mir das jetzt was hilft oder nicht, weiß ich auch noch nicht.
Wie hoch ist Ihr Stresslevel gerade?
Beruflich nicht hoch. Es gab ein paar organisatorische Dinge zu Hause, die haben mich bis jetzt mehr gestresst als die Rede. Weil ich mit Martin Zeltner (sein Co-Autor, d. Red.) aber auch einen sehr guten Partner gefunden habe. Das macht halt Spaß! Da kommt was von ihm, dann kommt was von mir. Dann trage ich mal einen Teil vor und der Martin sagt, die zwei Sätze lassen wir weg. Vom Theater und vom Film bin ich ja gewohnt, dass ich einen Spiegel habe – durch die Dramaturgie, die Regie. Das ist jetzt der Martin im weitesten Sinne auch. Und deshalb ist der Stresslevel nicht so hoch, weil ich mir nicht alles selber ausdenke.

"Der große Stress wird bestimmt noch kommen"

Die Zusammenarbeit macht also den Unterschied?
Ja. Es ist noch mal was anderes, wenn man nur im eigenen Saft schmort. Das kann auch sehr gut sein, aber für mich wäre es nicht das Richtige. So ist der Austausch gut. Bei Entscheidungen, wo man unsicher ist, soll man das jetzt machen oder nicht, habe ich noch jemanden, der ja oder nein sagt. Und dann entscheidet man zusammen. Doch der große Stress wird bestimmt noch kommen. Aber das gehört ja auch dazu.
Als professioneller Schauspieler haben Sie ja Routine.
Naja, das wissen Sie ja auch: Diese Position und dieses Event sind schon sehr speziell. Dass die Leute, über die man redet, dasitzen, kenne ich ja aus dem Singspiel. Das hilft auch. Aber jetzt ist es schon noch mal was anderes. Beim Singspiel waren wir zu neunt. Und jetzt bin ich die Zielscheibe!

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  • dakaiser gerade eben / Bewertung:

    Der Allgäuer konnte ja seinen Hass auf Söder und seine politische Gesinnung nicht verbergen. Er war auch nicht lustig, sondern nur verbissen. Da schaun wir mal, ob der Trostberger das besser hinkriegt.
    Zuzutrauen ist es ihm allemal, dass er diese Chance nutzt. Allerdings der Satz im Interview: "..den Gefallen tun wir ihm nicht"...lässt doch schon wieder einiges vermuten. Viel Glück!

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  • Der Münchner vor 5 Minuten / Bewertung:

    Schau ma mal, dann sehen ma scho!

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  • Ostbayer vor 34 Minuten / Bewertung:

    Um besser zu sein als Maxi braucht es nicht wirklich viel.
    Ich habe große Hoffnung, dass Zinner ein großer werden kann.

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