Isarflussbad in München: Verein Isarlust lädt zum Testschwimmen ein

Am Mittwoch stimmt der Stadtrat über das Isarflussbad ab: Um Politiker für die Idee zu begeistern, hat der Verein Isarlust sie zum Schwimmen im Stadtfluss eingeladen. Die AZ hat sich im kalten Wasser mittreiben lassen.
| Bettina Funk
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AZ-Reporterin Bettina Funk (m.) hat ihre Sachen in einen Wickelfisch gepackt, so bleibt alles trocken.
Petra Schramek AZ-Reporterin Bettina Funk (m.) hat ihre Sachen in einen Wickelfisch gepackt, so bleibt alles trocken.

München - Besonders warm fühlen sich die 17,8 Grad Wassertemperatur der Isar nicht an. Trotzdem steigen wir kurz vor der Reichenbachbrücke mutig in die Strömung. Die ist so stark, dass wir gar nicht richtig schwimmen müssen, sondern es ausreicht, wenn wir ein bisschen mit Armen und Beinen paddeln.

Unsere Kleidung, Taschen und sogar Handys haben wir in sogenannten Wickelfischen verstaut. Die bunten Plastikbeutel sind wasserdicht und wir lassen sie einfach wie Bojen neben uns her auf der Wasseroberfläche treiben. "Ihr könnt hier auch fast überall stehen", ruft Benjamin David vom Verein Isarlust uns Schwimmern zu. David kennt sich hier aus, für ihn ist die Strecke Arbeitsweg. Wann immer es Zeit, Wetter und Wasserpegel zulassen, springt er in die Isar und krault zu seiner Arbeitsstelle – dem Kulturstrand kurz hinter der Ludwigsbrücke.

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Mit seinem Verein will er das Isarflussbad betreiben. Deshalb hat Isarlust Vertreter der Stadtratsfraktionen zwei Tage bevor das Thema in den Stadtrat kommt zum Testschwimmen eingeladen, um so das Flussbad-Erlebnis vorab hautnah zu spüren. Dafür hat der Verein sogar eine wasserrechtliche Ausnahmegenehmigung von der Stadt bekommen und unsere kleine Gruppe wird dabei von der Wasserwacht und Rettungsschwimmern begleitet.

Rechts teilt sich nun die Kleine (und wildere) Isar ab, wir halten uns links und treiben unter der Reichenbachbrücke hindurch. "Hier könnte das Flussbad beginnen", sagt Benjamin David, als wir dahinter ankommen und die Corneliusbrücke immer näher auf uns zu kommt. Oben auf den Brücken bleiben Menschen stehen, sie winken uns zu und machen Fotos. "Wow, ist das cool!", ruft SPD-Stadträtin Anne Hübner und winkt fröhlich zurück.

Nach etwa 20 Minuten ist der Spaß vorbei

AZ-Reporterin Bettina Funk (m.) hat ihre Sachen in einen Wickelfisch gepackt, so bleibt alles trocken.
AZ-Reporterin Bettina Funk (m.) hat ihre Sachen in einen Wickelfisch gepackt, so bleibt alles trocken. © Petra Schramek

Weil der Isar-Grund vor allem aus Kies und größeren Steinen besteht, hat uns Benjamin David den Tipp gegeben, Badeschuhe, Gummisandalen oder alte Turnschuhe, die nass werden können, anzuziehen. Damit können wir die Geschwindigkeit abbremsen oder im Fluss stehen bleiben.

Der Wasserpegel ist mit 80 Zentimetern heute besonders niedrig und teilweise hat die Strömung so viel Kies angeschwemmt, dass unsere Knie gegen den Boden stoßen.

Links tauchen am Ufer nun die Patentämter auf. Die linke Kaimauer ist etwas in die Jahre gekommen. "Die müsste sowieso erneuert werden", sagt David, "und das könnte man dann direkt mit dem Bau des Isarflussbades verbinden." Rechts von uns liegt nun die Museumsinsel und wir können das Deutsche Museum sehen. Wir schwimmen unter der Boschbrücke durch, rechts und links am Ufer wachsen Trauerweiden. "Wenn die Sonne scheint, tummeln sich da ganz viele blaue Libellen", erzählt David. Jetzt aber ist der Himmel bewölkt und wir beginnen, langsam im Isar-Wasser zu frieren. Kurz hinter der Ludwigsbrücke erreichen wir dann nach etwa 20 Minuten rechts eine kleine weiße Leiter, über die wir aus den Fluten klettern können.

Mögliches Isarflussbad: Stadträte sind begeistert

Die drei Stadträte, die mitgeschwommen sind, sind vom kühlen Bad begeistert. "Das war super!", sagt Paul Bickelbacher (Grüne), nachdem er sich in ein trockenes Handtuch gewickelt hat. "Der Ort hier ist ideal für ein Flussbad", fährt er fort, "aber das Wichtigste sind Sicherheit und dass die Kosten im Rahmen bleiben. Wir suchen ja nach einer zurückhaltenden Lösung, die keinen Eintritt kosten soll." Für Kristina Frank (CSU) war es "ein ganz besonderer Moment, mitten durch München zu schwimmen".

Und auch Anne Hübner, deren SPD-Fraktion bisher gegen das Isarflussbad gestimmt hat, hat das Testschwimmen Spaß gemacht. "Ich hoffe, dass ich von meiner Fraktion jetzt keinen Ärger bekomme", sagt sie. "Aber ich werde erzählen, wie toll das Schwimmen hier ist. Ich finde, dass man so was erst mal ausprobieren muss und nicht immer direkt gegen alles sein sollte", sagt die Stadträtin.

Die möglichen Kosten für das Flussbad liegen laut einer Machbarkeitsstudie bei 16 bis 34 Millionen Euro. Am Mittwoch entscheidet die Vollversammlung des Stadtrats über das Projekt.

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