Inselkammer-Dynastie kauft Königshof am Stachus

Nach langen Wochen der Verhandlungen wechselt das Traditionshaus am Stachus den Eigentümer. Es ist ein Filetstück.
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Der neue Königshof wächst stetig in die Höhe, eine wirklich markante Baustelle im Herzen der Stadt. Hier ein Bild aus dem Juli.
Der neue Königshof wächst stetig in die Höhe, eine wirklich markante Baustelle im Herzen der Stadt. Hier ein Bild aus dem Juli. © Sigi Müller

München - Von einer Zäsur in der Münchner Innenstadt zu reden, ist sicherlich nicht übertrieben. Die Brüder Carl, Michael und Stephan Geisel haben den Königshof am Stachus verkauft. In vierter Generation gehörte es ihnen bereits. Nach mehr als 90 Jahren wechselt somit eines der ältesten Hotels Münchens gerade den Eigentümer. Die Brüder leiten gemeinsam das Unternehmen "Geisel Privathotels".

Inselkammer kauft Münchner Königshof

Und das ist der Käufer: Ein Zweig der Familiendynastie Inselkammer hat den Königshof erworben. Die Verträge sind unterschrieben. Um genau zu sein, Hans Inselkammer mit seiner Immobilien-Bestandsverwaltung Inka Karlsplatz GmbH & Co. KG. Der Mann aus der gleichnamigen Großfamilie ist auch deshalb bekannt, weil er große Anteile an der Augustiner-Brauerei besitzt. Sein Sohn Jannik, der 2014 beim Skifahren tödlich verunglückte, war einige Jahre Chef der Münchner Traditionsmarke.

Der Königshof wird derzeit nach dem Abriss 2019 neu errichtet, als modernes Fünf-Sterne-Hotel mit mehr als hundert Zimmern. Mitte 2023 soll es fertiggestellt sein. Über den Kaufpreis haben beide Parteien Stillschweigen vereinbart. Keine Zahl kursiert. Klar ist nur, dass es als Hotel weiter existieren wird – was natürlich auch eine Zukunftswette ist. Nämlich darauf, dass sich die Hotelbranche bald wieder erholt.

Der Wandlung vorerst letzter Teil: So soll der Neubau einmal aussehen.
Der Wandlung vorerst letzter Teil: So soll der Neubau einmal aussehen. © Nieto Sobejano Arquitectos

Steht München ein Hotel-Boom bevor?

Ein Immobilienexperte der Stadt, der namentlich nicht genannt werden möchte, geht sogar davon aus, dass München in den nächsten Jahren ein Hotel-Boom bevorstehen könnte. "Ich glaube, für viele Urlauber spielt mittlerweile die Nachhaltigkeit eine große Rolle. Daher könnte es sein, dass vor allem Familien mit dem Auto innerhalb Deutschlands reisen", sagt er. Das sei nun mal umweltfreundlicher, als mit dem Flugzeug in die Ferne zu fliegen.

Auf den Kaufpreis möchte der Immobilienexperte nicht spekulieren. Aber er vergleicht: das Kaut-Bullinger-Haus am Marienplatz, deutlich weniger attraktiv und kleiner als der Königshof. Es sei für etwa 80 bis 90 Millionen Euro an René Benko gegangen.

Experte schätzt ein: So viel könnte der Kauf des Königshof gekostet haben

"Dann können Sie jetzt mal hochrechnen", sagt der Fachmann, "wir sprechen beim Königshof also über eine Summe deutlich jenseits der Hundert-Millionen-Euro-Marke." Ein Kaufpreis von mehr als 200 Millionen Euro wirkt da nicht unrealistisch – und ist vielleicht sogar noch zu niedrig angesetzt.

Um von einem möglichen Hotel-Boom zu profitieren, verhandelt die Inka Karlsplatz GmbH derzeit mit potenziellen Betreibern. Hans Inselkammer wird das Hotel offenbar nicht in Eigenregie eröffnen, er will den Königshof vielmehr verpachten. Und zwar an eine internationale Hotelkette. Mit mehreren Interessenten sei man im Gespräch, sagt Inselkammer.

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"Inselkammer auf der Eigentümerseite steht für lokalen Bezug"

Dass der Eigentümer nun Münchner ist, war gar nicht so selbstverständlich. Auch internationale Investoren standen Schlange, um den Königshof zu kaufen. Viele Branchenkenner hatten schon darauf gewettet, dass sich der österreichische Milliardär René Benko den Königshof sichern würde, dem gefühlt ohnehin bereits die halbe Innenstadt gehört.

Viele Beobachter freut es jetzt, dass der Eigentümer in München stark verwurzelt ist. "Das ist eine sehr schöne Nachricht", sagt Wolfgang Fischer, Geschäftsführer von Citypartner, dem Verband der Münchner Geschäftsleute. Auch Fachmann Stephan Kippes, Chef des Immobilienverbands IVD Süd, lobt: "Inselkammer auf der Eigentümerseite steht für lokalen Bezug."

Auch Kippes kann schwer schätzen, wie viel die Immobilie wert ist und wie viel gezahlt wurde. Es sei ganz sicher eine sehr hohe Summe investiert worden. In der Branche werde ohnehin mit Multiplikatoren gerechnet, also wie viele Jahresnettokaltmieten etwa benötigt werden, "um das Objekt wieder einzuspielen", so Kippes.

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