Ins Auge sehen

Thomas Müller, AZ-Redakteur, über das Ende des Hungercamps am Rindermarkt.
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Nein, schön war der polizeiliche Großeinsatz Sonntagfrüh am Rindermarkt nicht. Aber eins ist klar: Die Räumung war richtig. Viel hätte nicht gefehlt und Menschen wären elend gestorben. Und jetzt? Alle Hungerstreikenden weg, alles wieder sauber aufgeräumt, zurück zur Tagesordnung?

So leicht ist es sicherlich nicht. Die Unterstützer und Organisatoren des Hungercamps müssen sich fragen lassen: Haben sie den streikenden wie allen übrigen Asylbewerbern in Deutschland mit dieser Aktion einen Gefallen getan? Sind die Flüchtlinge in München wirklich aus freien Stücken in den Hungerstreik getreten?

Eine Sympathie-Werbung für eine humane Flüchtlingspolitik schaut sicherlich anders aus. Dass es genau an einer solchen hapert, ist unstrittig – überbelegte, desolate Unterkünfte, die Problematik der Essenspakete, die lange Verfahrensdauer, bis der Status eines Asylsuchenden endlich geklärt ist und er vielleicht auf eine Aufenthaltsgenehmigung hoffen darf: Da liegt vieles im Argen. 100000 Asylsuchende sind vergangenes Jahr nach Deutschland gekommen – weniger werden es nicht werden.

Die für Deutschland lange Zeit recht komfortable Drittstaaten-Regelung, wonach Flüchtlinge in das Land zurückgeschickt werden, in dem sie das erste Mal EU-Boden betreten haben, greift nicht mehr. Es hilft nichts: Wir müssen der Asyl-Thematik ins Auge sehen. Zumindest darauf hat der Hungerstreik aufmerksam gemacht.

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