Immer mehr Radl-Unfälle in München: Sind Corona-Maßnahmen daran Schuld?

Während allgemein die Unfallzahlen sinken, geht der positive Trend an Radlern vorbei. Beides lässt sich auf die Corona-Maßnahmen zurückführen.
| John Schneider
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In München ist die Zahl der Radl-Unfälle seit Beginn der Corona-Pandemie gestiegen. (Symbolbild)
In München ist die Zahl der Radl-Unfälle seit Beginn der Corona-Pandemie gestiegen. (Symbolbild) © dpa

München - Es sind eigentlich erfreuliche Zahlen, die die Münchner Unfallstatistik für das Jahr 2020 aufweist. Verkehrsunfälle in Stadt und Landkreis sind um 16,8 Prozent gesunken.

Von 54.080 im Jahr 2019 auf 44.972 im vergangenen Jahr. Und das, obwohl sowohl die Zahl der Einwohner als auch die Zahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge in diesem Zeitraum gestiegen ist. Da hat die Corona-Pandemie "ihre Spuren hinterlassen", erklären die Polizei-Abteilungsleiter Michael Dibowski und Dieter Bauer am Freitag.

Anstieg von 8,2 Prozent: Über 3.000 Radl-Unfälle in München

Es gibt allerdings einen Bereich, bei dem Corona den gegenteiligen Effekt hatte. Die Zahl der Menschen, die das Rad für sich entdeckt haben, ist laut ADFC um 20 Prozent gestiegen. Und auch die Zahl der Unfälle mit Radlerbeteiligung steigt.

Im Jahr 2020 sind 3.420 Radler (2019: 3161) verunglückt. Ein Anstieg von 8,2 Prozent. Sieben Radler starben, vier Opfer waren über 65 Jahre alt. Mit dem Pedelec passierten 222 Unfälle. 2019 waren es noch 176 Pedelec-Unfälle.

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Wodurch verunglücken Radler am häufigsten?

Häufigste Ursachen bei Unfällen, die von Radlern verursacht wurden: Vorfahrtsmissachtung, das "Geisterradeln" in falscher Richtung und das verbotswidrige Befahren des Gehwegs.

In 135 Fällen registrierte die Polizei "Dooring-Unfälle", das Öffnen der Fahrertür, ohne auf von hinten kommende Radfahrer zu achten. Die Polizei empfiehlt Autofahrern den "Holländer-Griff", sprich die Fahrertür mit der rechten Hand zu öffnen. Bei jedem vierten Unfall hat ein Kraftfahrer beim Rechtsabbiegen einen Radler übersehen.

ADFC fordert: Radeln muss sicherer werden

Der ADFC reagiert noch am Freitag auf die Zahlen der Polizei. Der Münchner ADFC-Vorsitzende Andreas Schön sagte: "Die seit der Pandemie gestiegene Begeisterung für das Radfahren darf nicht in Rekord-Unfallzahlen münden."

Er fordert: "Radfahren muss komfortabel und sicher für Menschen aller Altersgruppen und Fitnesslevel sein. Der Ausbau der Radinfrastruktur geht jedoch quälend langsam voran. Wir können nicht noch Jahrzehnte auf zeitgemäße Radwegenetze warten - wir brauchen den schnellen Ausbau jetzt!"

Außer bei Radlern: Corona sorgt für sinkende Unfallzahlen

Von den Radlern abgesehen hat der Corona-Effekt aber für deutlich sinkende Unfallzahlen gesorgt. Unfälle mit Personenschäden gingen um 6,8 Prozent auf 5.837 zurück. 6.781 Menschen verletzten sich auf Münchens Straßen, davon 714 schwer. Insgesamt starben - wie 2019 - 21 Verkehrsteilnehmer. Fast zwei Drittel von ihnen waren Radler und Fußgänger (6).

Häufigste Ursache bei Unfällen mit Fußgängern war das unvorsichtige Überqueren einer Fahrbahn. Insgesamt ging die Zahl der Fußgängerunfälle aber stark zurück. Von 887 im Jahr 2019 auf 724 im vergangenen Jahr. Starke Rückgänge verzeichnet die Statistik 2020 bei Unfällen mit Motorrädern (minus 21,4 Prozent) oder Unfällen wegen zu hoher Geschwindigkeit (minus 18,9 Prozent). Den Rekord 2020 hält ein Golf-Fahrer (38), der statt der erlaubten 60 mit 197 km/h unterwegs war.

Ein Ausblick: 2021 will die Polizei schwerpunktmäßig auf Handy-, Geschwindigkeits- und Alkoholverstöße achten. Und Pedelecs kontrollieren, die zunehmend "frisiert" werden.

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