Hotel-Abriss: Letzter Blick in den alten Königshof

Im Januar wird das Hotel Königshof am Stachus abgerissen. Es folgt ein spektakulärer Neubau, nicht der erste in der Geschichte des Hauses. Die AZ schaut mit Hotel-Chef Carl Geisel zurück und in die Zukunft.
| Myriam Siegert
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Der Stachus einst: 1862 wurde das Vorderhaus zum damaligen Hotel Bellevue umgebaut. Erst seit 1914 heißt es Königshof.
Geisel Privathotels 18 Der Stachus einst: 1862 wurde das Vorderhaus zum damaligen Hotel Bellevue umgebaut. Erst seit 1914 heißt es Königshof.
Der Königshof noch vor der Erneuerung Anfang der 70er Jahre.
Geisel Privathotels 18 Der Königshof noch vor der Erneuerung Anfang der 70er Jahre.
Nach Übernahme durch die Geisels bekommt der Königshof zu Olympia 1972 die heutige Ansicht von Star-Architekt Graf Pilati.
Petra Schramek 18 Nach Übernahme durch die Geisels bekommt der Königshof zu Olympia 1972 die heutige Ansicht von Star-Architekt Graf Pilati.
Die Zukunft: Der neue Königshof mit seiner Spalt-Fassade. Gut 70 Architekten arbeiten an dem Projekt.
Niejeto Sobejano Arqutectos 18 Die Zukunft: Der neue Königshof mit seiner Spalt-Fassade. Gut 70 Architekten arbeiten an dem Projekt.
Was für ein Ausblick auf den Stachus!
Geisel Privathotels 18 Was für ein Ausblick auf den Stachus!
Das Restaurant, einst ein Balkon mit Markisen und Ranken.
Geisel Privathotels 18 Das Restaurant, einst ein Balkon mit Markisen und Ranken.
1973 gab’s den ersten Stern, 1998 erstmals 18 Punkte vom Gault Millau.
Geisel Privathotels 18 1973 gab’s den ersten Stern, 1998 erstmals 18 Punkte vom Gault Millau.
Auch heute noch ist der Ausblick über den Stachus einfach toll.
Petra Schramek 18 Auch heute noch ist der Ausblick über den Stachus einfach toll.
Nach dem Wiederaufbau wurde modernisiert. Stylisch: Die Hotel-Bar.
Geisel Privathotels 18 Nach dem Wiederaufbau wurde modernisiert. Stylisch: Die Hotel-Bar.
Gleich kommt der Schimmerlos auf einen Drink: Das Interieur in der Bar stammt teils noch aus den 70er-Jahren.
Petra Schramek 18 Gleich kommt der Schimmerlos auf einen Drink: Das Interieur in der Bar stammt teils noch aus den 70er-Jahren.
Seit 2003 gehört der Königshof zu „The Leading Hotels of the World“.
Geisel Privathotels 18 Seit 2003 gehört der Königshof zu „The Leading Hotels of the World“.
Königshof Stachus Abriss
Petra Schramek 18 Königshof Stachus Abriss
Schlicht, aber mit eigenem Bad, der Königshof war früh modern.
Geisel Privathotels 18 Schlicht, aber mit eigenem Bad, der Königshof war früh modern.
1996 wurde renoviert. Die Zimmer reduziert, dafür aber vergrößert.
Petra Schramek 18 1996 wurde renoviert. Die Zimmer reduziert, dafür aber vergrößert.
Ein Blick in das Bad eines Hotelzimmers.
Petra Schramek 18 Ein Blick in das Bad eines Hotelzimmers.
Die Hotellobby wurde 2007 neu gestaltet: Große Teile des Hotel-Interieurs werden im Januar verkauft.
Geisel Privathotels 18 Die Hotellobby wurde 2007 neu gestaltet: Große Teile des Hotel-Interieurs werden im Januar verkauft.
Der Spalt ist Mittelpunkt des Neubaus und bietet Bars, Foyers und Balkone auf verschiedenen Ebenen.
Niejeto Sobejano Arqutectos 18 Der Spalt ist Mittelpunkt des Neubaus und bietet Bars, Foyers und Balkone auf verschiedenen Ebenen.
Hotel-Chef Carl Geisel.
Petra Schramek 18 Hotel-Chef Carl Geisel.

München - Viel Cremeweiß und Beige, zartes Gelb und Gold. Dicke Teppichböden dämpfen jedes Geräusch und aus der Fensterfront des Restaurants schweift der Blick über den Stachus wie über ein Wimmelbild. Früher war das hier übrigens ein Balkon. Nur noch elf Tage – dann ist dieses edle Ambiente Geschichte. Der Königshof am Stachus schließt seine Tür. Erst in "zweidreiviertel Jahren", wie Hotel-Chef Carl Geisel schätzt, gehen die Türen des Luxus-Hotels wieder auf. Bis dahin trifft man an diesem exponierten Platz eher auf Bauarbeiter als auf die Hotelpagen mit ihren Zylindern.

Der Silvesterabend ist der letzte in dem Luxushotel. Dann ist Schluss, und zwar so richtig: "Die Gäste wissen, dass sie hier im Haus an Neujahr kein Frühstück mehr bekommen", sagt Geisel. Hungern muss freilich keiner, im "Anna Hotel" nebenan, das auch von den Geisels berieben wird, wird für alle gesorgt.

Wehmütiger Abschied an Silvester

Viele Stammgäste wollen an diesem besonderen Abend noch einmal dabei sein, andere wollten ein Bild aus ihrem Lieblingszimmer oder eine Zuckerdose als Andenken. Ganz spät bei der Silvester-Party werden dann auch die Mitarbeiter Abschied feiern. "Ein bisschen Wehmut ist schon dabei", sagt Marketing-Chefin Katrin Rothenbacher-Weiß.

Aber auch Freude auf das Neue: Carl Geisel schaut lieber nach vorne. Bis zur Baugenehmigung war es ein langer Weg, der auferlegte Architektenwettbewerb habe viel "Zeit und nerven gekostet". Der ausgewählte Entwurf des Architekturbüros Nieto Sobejano sei aber und stehe endlich Mal für ein moderneres Gesicht für München, findet er.

Das alte Haus ist einer der erste Skelettbauten gewesen, erzählt Geisel, wie die Wolkenkratzer in New York. Als das Haus im Krieg zerstört wurde, wurde auch die Tragwerkskonstruktion in Mitleidenschaft gezogen. Der Umbau, so wie geplant, wäre deshalb mit dem Altbau nicht zu machen gewesen. "Deshalb haben wir uns für die große Lösung enstchieden." Auch, weil man als mittelständisches Unternehmen für lange Zeitspannen planen müsse.

Neuer Bau hat neun statt sechs Stockwerke

"Bevor die Bagger kommen wird es noch eine ziemliche logistische Herausforderung", sagt Geisel. Vieles vom Interieur wird verkauft, einiges aber aufgehoben und eingelagert. Geschirr etwa und "das Silber natürlich, das benutzen nicht mehr viele Hotels", sagt Geisel. Die Mitarbeiter können natürlich nicht bis zur Neueröffnung warten. Der Hotelmarkt ist hart umkämpft, viele hatten so schnell sehr gute neue Jobs, sagt Geisel, dass man zwischenzeitlich kurz Bedenken hatte, ob man überhaupt mit dem gewohnten Anspruch bis zum 31. offen lassen kann. "Wir hoffen natürlich auch, dass wir einige auch in zwei Jahren wieder sehen", sagt Geisel.

Hotel-Chef Carl Geisel.
Hotel-Chef Carl Geisel. © Petra Schramek

Bei der Neueröffnung wird das Gebäude mit seiner außergewöhnlichen Fassade neun statt sechs Stockwerke haben. Darin etwa ein Spa mit Blick über die Stadt und natürlich auch wieder ein edles Restaurant, ebenfalls mit Ausblick. Und vielleicht wird man auch beim Interieur hier und da ein wenig an die Tradition anknüpfen. "Wir sind noch nicht so weit", sagt Geisel, "aber es kann sein, dass es ein paar Anklänge an den alten Königshof geben wird.

Möbel- und Weinverkauf: Jedem sein Stück Königshof

Bevor die Bagger anrücken, können die Münchner ihr persönliches Stück Königshof erwerben. Vom Kleiderhaken bis zum Sessel, vom Spiegel bis zum Sekretär, Bilder, Lampen, Geschirr – fast alles Interieur aus dem edlen Hotel wird verkauft. Genauso etliche Weine aus dem legendären Weinkeller! Vom 10. bis 12. Januar, je von 11 bis 20 Uhr findet der Bazar in der Lobby des Hotels am Stachus statt.

Eine Anmeldung ist nicht nötig, wer etwas kaufen möchte, kann vor Ort bar oder mit Karte bezahlen. Schon jetzt werden einige Teile des Inventars verkauft, im ehemaligen Geschäft "Biebl Bestecke" im Königshof (Karlsplatz 25), gegenüber dem Kaufhof, können schon jetzt Teile aus den Königshof-Zimmern erstanden werden. Geöffnet ist immer Dienstag bis Donnerstag von 14 bis 18 Uhr.

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