Hellas! Ganz schön griechisch, dieses München

Diesen Sonntag ist griechisch-bayerischer Kulturtag. Dann treffen sich Hellenen und Bajuwaren auf dem Odeonsplatz – und können trotz Krise ziemlich viele Gemeinsamkeiten feiern
| Tina Angerer
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Folklore am Odeonsplatz: Auch in diesem Jahr feiern bayerische und griechische Trachtler.
Imago Folklore am Odeonsplatz: Auch in diesem Jahr feiern bayerische und griechische Trachtler.

MÜNCHEN Häme und Missgunst schlägt den Griechen zurzeit in ganz Europa entgegen. In Deutschland glauben 87 Prozent, dass die Griechen langfristig Hilfe brauchen werden. Am Sonntag findet zum siebten Mal der griechisch-bayerische Kulturtag statt. Auch da wird die Krise Thema sein. Die Beteiligten wollen aber vor allem die bayerisch-griechische Freundschaft begehen, denn die ist alt und gewachsen.

An sich ist der Bayer ja besonders von sich selbst überzeugt und dann kommt erstmal lange nichts. Wenn dann etwas kommt, sind die Griechen allerdings ziemlich weit vorne.
Denn Bayern gäbe es ohne die Griechen schon mal gar nicht. Dann hieße es nämlich immer noch „Baiern.” Das Ypsilon, das hat Ludwig I. sich bei den Griechen ausgeliehen und zurückgeben wird er es wohl nicht mehr. Ludwig I. verwandelte München auch architektonisch in das „Isar-Athen”, Leo von Klenze erledigte das für ihn und noch heute bewundern die Touristen den Königsplatz oder hängen zumindest am Monopteros ab.
Durchreisende Zeitgenossen wie zum Beispiel Heinrich Heine hielten es damals allerdings für einigermaßen vermessen, dass die poplige Isar und das prächtige Athen in einem Atemzug genannt wurden – typisch bayerisch halt, Heine nannte es schlicht „ridikül”.

Der Sohn, der griechen–narrische Ludwig I., Otto, wurde 1832 sogar griechischer König. Leider ist es eine Legende, dass er die weiß–blaue Fahne nach Griechenland trug. Die Hellenen hatten sie schon vorher im Kampf gegen die Türken gehisst. Und so sehr begeistert waren sie vom katholischen Otto auf die Dauer auch nicht, weswegen er Griechenland nach 30 Jahren verlassen musste.
Die griechisch-bayerische Freundschaft wird dennoch seitdem immer wieder zelebriert. Auch während der Griechenpleite betonte Finanzminister Georg Fahrenschon sie immer wieder. Sie hatte allerdings auch schon so denkwürdige Auswüchse wie Franz Josef Strauß’ Ausspruch, die Drachme sei die „sicherste Währung der Welt” – das war 1968, nach dem Militärputsch in Griechenland und das ist ja nun auch schon lange her.

Die neueste Zeit betrachtet: In München leben 20000 Griechen, der OB macht immer auf Mykonos Urlaub und wir haben mit Constantinos Gianacacos einen bayerisch-griechischen Stadtrat. Die „Lindenstraße”, die ja in München spielen soll, hatte von Anfang an ein griechisches Lokal, nicht aber einen Italiener oder eine Dönerbude. Warum?
Vielleicht weil dort getanzt wird, gesoffen und gesungen. Weil zum griechischen Essen, sofern es in Bayern eingenommen wird, am besten bayerisches Bier passt – da kann Udo Jürgens noch so viel vom griechischen Wein singen. Weil jedes münchnerische Fleischpflanzl mit ein bisschen Schafskäse noch besser wird. Weil das Schuhplattln eine hohe Kunst ist, jeder Bayer aber nach geringen Mengen Ouzo bereits Sirtaki tanzen kann – zumindest geben einem die Griechen das Gefühl, man könnte es.
Vor allem aber, weil wir beim Griechen eben immer ein bissl ans Paradies denken, an ein weiß-blaues noch dazu. Schon Johann Wolfgang von Goethe hat gesagt: „Von allen Völkerschaften haben die Griechen den Traum des Lebens am schönsten geträumt.”

Wahrscheinlich war Diogenes auch ein Bayer. Er saß in Wahrheit am Sonntagnachmittag, es muss so Mitte Mai gewesen sein, im Biergarten, als ein Großkopferter ihm jeden Wunsch erfüllen wollte und sagte nur: „Geh mir aus der Sonne!”

Sonntag ab 12.30 Uhr auf dem Odeonsplatz. Weiteres Programm www.hellas-bayern.de

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