"Heim und Handwerk" 2020: Eine maskierte Messe

Vier Meter breite Gänge, weniger Aussteller und ständig offene Türen: Die Messe "Heim + Handwerk" wird heuer anders aussehen. Die Veranstalter hoffen trotzdem, dass sie der Branche gut tut.
| Ralf Müller
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Bei der Messe im November werden Besucher der "Heim + Handwerk" Mund und Nase bedecken müssen - anders als 2019, als dieses Foto entstanden ist.
GMH Bei der Messe im November werden Besucher der "Heim + Handwerk" Mund und Nase bedecken müssen - anders als 2019, als dieses Foto entstanden ist.

München - Wir können uns nicht im Keller verkriechen, bis das Corona-Virus von dieser Welt verschwunden ist." Eigentlich passt das Bild, das Hubert Aiwanger (Freie Wähler) am Montag bemüht hat, ganz gut - zwar dürften viele Besucher von Handwerksmessen dem unterirdischen Werkel-Keller zumindest nicht gänzlich abgeneigt sein - aber irgendwann braucht's eben doch Inspiration außerhalb der eigenen vier Wände, oder das ein oder andere Werkzeug.

Und so gab Bayerns Wirtschaftsminister der Messe "Heim + Handwerk", die zusammen mit "Food & Life" traditionell in der Vorweihnachtszeit stattfindet, persönlich seinen Segen. Vom 25. bis 29. November sind die umsatzstarken Veranstaltungen geplant.

Die Leitmesse der Branche, die "Internationale Handwerksmesse" musste wegen der Corona-Pandemie im März dieses Jahres in letzter Minute abgesagt werden. Auf die Messe zum Jahresausklang will die Branche aber nicht auch noch verzichten.

"Heim und Handwerk" 2020: Deutlich unter 1.000 Ausstellern 

Dieter Dohr, Geschäftsführer der Gesellschaft für Handwerksmessen (GHM), gab sich am Montag zwar voller Vorfreude und Optimismus, aber was für die erste große Nach-Corona-Messe in München zu erwarten ist, ist auch für ihn schwer abschätzbar.

Sicher ist nur: Die Zahl der Aussteller wird deutlich unter den 1.000 vom Vorjahr liegen. Auch die jährlich etwa 120.000 Besucher dürfte die Corona-"Heim + Handwerk" nicht in das Münchener Messegelände locken.

Gleichwohl will das bayerische Handwerk unbedingt das "Ende des Stillstands" (GHM-Sprecherin Nina Gassauer) ausrufen. Die Handwerksbetriebe, sagte der Präsident des Bayerischen Handwerkstags Franz Xaver Peteranderl, "benötigen Plattformen zum Präsentieren und Verkaufen". Darüber hinaus seien Handwerksmessen ein wichtiger Treffpunkt, um junge Leute für eine Ausbildung im Handwerk zu gewinnen.

"Heim und Handwerk" 2020: "Regelmäßige Hygiene zum Beispiel von Exponaten" 

Grundsätzlich sind Messen im Freistaat ab heute unter strengen Hygieneauflagen wieder möglich. Wirtschaftsminister Aiwanger hält das für kein zu großes Wagnis. "Wir haben in den letzten Monaten deutlich dazu gelernt", sagte er.

Die Situation sei jetzt anders als im Frühjahr. Jeder habe Maskenpflicht und Abstandsregeln "verinnerlicht". Freilich könne man auch auf der vorweihnachtlichen "Heim + Handwerk" nicht so tun, als ob nichts wäre.

Das äußert sich schon beim Ticketkauf, bei welchem die Daten jedes Besuchers erfasst werden sollen. In den Hallen herrscht grundsätzlich Maskenpflicht. Ausnahmen gelten für die Sitzbereiche der gastronomischen Flächen.

Aber auch für "Gesprächssituationen am Messestand" ist nach GHM-Angaben das Tragen der Maske nicht vorgeschrieben. Dann allerdings müssen die Kontaktdaten des Besuchers erfasst werden. "Regelmäßige Hygiene zum Beispiel von Exponaten" wird von der Messeleitung lediglich "empfohlen".

Aiwanger rühmt das Handwerk als "systemrelevant"

Die deutlich geringere Zahl an Ausstellern und an erwarteten Besuchern soll für deutlich mehr Platz innerhalb der Messehallen sorgen. Alle Gänge werden mindestens vier Meter breit sein. Die Luft in den Hallen soll öfter durch frische Außenluft als früher üblich ersetzt werden. Deswegen glauben die Veranstalter auf vorgeschriebene Laufwege oder Einbahnstraßen verzichten zu können.

Für die verschiedenen Veranstaltungen und Foren innerhalb der Messe sind Sitzabstände und Einlasskontrollen vorbereitet. Alle Türanlagen außer den Brandschutztüren auf dem Messegelände bleiben ständig geöffnet, so dass man sie nicht anfassen muss.

In einer Online-Umfrage vom Juli gaben immerhin 87,1 Prozent der Befragten an, einem Messebesuch positiv gegenüber zu stehen. Mit einem großen Besucheransturm rechnen die Veranstalter dennoch nicht. Deshalb soll es nach bisherigen Planungen keine Beschränkung der Zahl der Besucher geben.

Auch für die Zahl der Besucher an Messeständen gibt es keine starren Begrenzungen. Voraussetzung sei, dass der Mindestabstand von 1,50 Metern sicher eingehalten werden kann, hieß es. Die Aussteller dürfen Besucher nur mit verpackten Speisen oder Getränken bewirten. So wie früher werde es nicht, räumte Messe-Chef Dohr ein, aber: "Wir schaffen das."

Wirtschaftsminister Aiwanger sah die Messe auch als Gelegenheit, "den Menschen wieder Angst und Sorge zu nehmen". So wie die "Heim + Handwerk" mit der integrierten "Food & Life" konzipiert sei, werde ihr Besuch "nicht gefährlicher als im Supermarkt" sein. Aiwanger rühmte das Handwerk als "systemrelevant": "Ohne Handwerker wäre das Land zusammengeklappt."

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