Halloween-Süßigkeiten mit Nägeln und Schrauben: Fälle aus München

Nach den Funden von Nägeln, Schrauben, Nadeln und anderen metallenen Fremdkörpern in Halloween-Süßigkeiten in Bayern laufen die Ermittlungen der Polizei an.
Ein Neunjähriger und eine 15-Jährige, beide aus dem Landkreis München, waren an Halloween in Gräfelfing unterwegs und gingen in Richtung Planegg. Dabei sammelten die beiden Süßigkeiten an verschiedenen Haustüren ein.
Als der Neunjährige später ein Kaubonbon auspackte und in den Mund steckte, biss er auf einen harten Gegenstand. "Es handelte sich um eine Nadel, die in dem Kaubonbon steckte", sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums München am Montag.
Polizei will den Weg der Kinder rekonstruieren
Der Schüler blieb zum Glück unverletzt. Weitere manipulierte Kaubonbons in München konnten laut Polizei nicht festgestellt werden. Das Kriminalfachdezernat 2 hat den Fall übernommen.
Es wird versucht, die Strecke zu rekonstruieren, auf der die beiden Kinder unterwegs waren. Die Kripo ermittelt wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung gegen Unbekannt.
Ähnliche Fälle auch in Niederbayern
Laut dem Polizeipräsidium Niederbayern hat es auch in Landshut zwei Fälle gegeben und einen in Adlkofen im Landkreis Landshut. Präparierte Süßigkeiten tauchten zudem in Vilshofen im Landkreis Passau auf. Meldungen kamen zeitgleich aber auch aus anderen Bundesländern und sogar aus Österreich.
Vor allem das synchrone Auftreten der gefährlichen Süßigkeiten in mehreren Bundesländern legt einen Verdacht nahe: Handelt es sich auch hier um ein besonders übles Internetphänomen?

Wie ein Sprecher des niederbayerischen Polizeipräsidiums in Straubing auf Nachfrage bestätigte, gingen Ermittler in den Fachstellen gerade dem Verdacht nach, ob es sich um eine Art TikTok-Challenge oder Ähnliches gehandelt haben könnte.
Hat es in Sozialen Netzwerken einen Aufruf gegeben?
Derzeit würde überprüft, ob es einen Aufruf in Sozialen Medien gegeben habe, Süßigkeiten mit Schrauben, Nägeln oder anderen Metallteilen zu präparieren, die beim Verschlucken Verletzungen verursachen können.

Am Samstagabend (31. Oktober) hatten Eltern unter einem Pseudonym in einer öffentlichen Landshuter Facebook-Gruppe Fotos von Süßigkeiten gepostet, die ihr Kind gesammelt haben soll.
Betroffene zeigen Bonbons mit Schrauben
Auf dem Foto zu dem Beitrag sind ein ausgepacktes Kaubonbon und ein Schokoriegel zu sehen, in denen Schrauben stecken. "Was ist mit den Menschen los?", heißt es in dem Beitrag. Dazu der Aufruf: "Bitte prüft die Süßigkeiten, bevor eure Kinder essen. Bin echt am Überlegen, ob ich zur Polizei gehen soll ...".

Diese hat in den drei Fällen im Raum Landshut jetzt ebenfalls Ermittlungen aufgenommen.
Polizei geht von echten Meldungen aus
Dass es sich bei den Horrormeldungen selbst um besonders geschmacklose Scherze gehandelt haben könnte, davon geht das Polizeipräsidium in Niederbayern derzeit nicht aus. Wie eine Sprecherin der AZ sagte, seien die Fälle der Polizei bekannt, es habe Kontakt zu den Eltern der betroffenen Kinder gegeben. Die Bearbeitung liege derzeit noch bei den Inspektionen. Verletzte wurden der Polizei bisher nicht gemeldet.
So sollen sich Eltern und Kinder jetzt verhalten
Die Beamten riefen am Montag Eltern dazu auf, die von ihren Kindern an Halloween gesammelten Süßigkeiten zu überprüfen. Dabei sollte insbesondere auf beschädigte Verpackungen, ungewöhnliche Einstichstellen oder sonstige Auffälligkeiten geachtet werden. "Süßigkeiten, bei denen Zweifel bestehen, sollten keinesfalls verzehrt werden", so die Polizei.

Sollten spitze oder andere gefährliche Gegenstände entdeckt werden, wird darum gebeten, umgehend die Polizei zu verständigen.
Ein Trittbrettfahrer im Kreis Passau
Ein weiterer Fall in Niederbayern bestätigte sich dagegen nicht. In Pocking im Landkreis Passau gab die Polizei Entwarnung, nachdem der Verdacht bestanden hatte, dass sich in einer Süßigkeit eine Nadel befinden könnte.
Laut Polizei stellte sich schnell heraus, dass diejenigen, die den Fall gemeldet hatten, die Süßigkeit selbst präpariert hatten. "Es handelte sich somit um eine Nachahmungstat", teilt das Polizeipräsidium Niederbayern mit.