Hallen-Mogul trifft Feinkost-König: „In München muss mehr passieren“

Am Donnerstag eröffnen Wolfgang Nöth und Michael Käfer ihren gemeinsamen Party-Tempel: den Postpalast. Im exklusiven AZ-Interview sprechen sie über Münchens Nachtleben, Erfolg und Illusionen.
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Zwei auf einer Couch: Wolfgang Nöth (l.) und Michael Käfer
Klaus Primke Zwei auf einer Couch: Wolfgang Nöth (l.) und Michael Käfer

MÜNCHEN - Am Donnerstag eröffnen Wolfgang Nöth und Michael Käfer ihren gemeinsamen Party-Tempel: den Postpalast. Im exklusiven AZ-Interview sprechen sie über Münchens Nachtleben, Erfolg und Illusionen.

Sie sind die Herrscher des Münchner Nachtlebens und könnten nicht unterschiedlicher sein: Konzerthallen-König Wolfgang Nöth und Feinkost-König Michael Käfer machen jetzt gemeinsam die Nacht zum Tag – am Donnerstag wird der Postpalast an der Arnulfstraße offiziell eröffnet. Die AZ traf die beiden zum exklusiven Gespräch.

Es geht abenteuerlich los. In Nöths Büro beim Zenith wurde eine Gasleitung durchgeschnitten, deshalb muss Nöth mit seiner Zigarette aufpassen. Außerdem hat er sich ausgesperrt. Dann, im Büro, streikt die Heizung, schon seit 14 Tagen. Dafür hat Käfer Streusel-Kekse mitgebracht. Er selbst findet sie trocken, Nöth liebt sie. Prima, es kann losgehen.

AZ: Meine Herren, . . .

MICHAEL KÄFER: Moment mal, die Servietten hier sind ja vom Kempinski!

WOLFGANG NÖTH: Warum soll man nur Bademäntel klauen? Die braucht kein Mensch.

Herr Nöth, haben Sie es denn jetzt endlich ins P1 geschafft?

NÖTH: Nein! Die denken, ich sei arbeitslos, Hartz-IV-Empfänger – und schicken mich immer heim. Aber jetzt wurde mir zugesichert, dass ich eine Mitgliedskarte bekomme.

KÄFER: Stimmt. Ich kümmer mich sofort darum.

Herr Nöth, schon mal daran gedacht einen Anzug zu tragen?

NÖTH: Wirklich nicht. Ich verkleide mich doch nicht.

Herr Käfer, hätten Sie gern die Freiheit, im Schlabber-Outfit zum Meeting zu gehen?

KÄFER: Nein. Jeder hat seinen Stil. Wie der Wolfgang seinen durchzieht, ist gut. Glaubhaft. Ich bin das nicht, will mich nicht verstellen.

Extreme ziehen sich an – wann hat’s beruflich gefunkt?

KÄFER: Ich habe die Sachen vom Wolfgang stark verfolgt. Riem, den Kunstpark.

NÖTH: Eines Tages probierte ich die netten Speisen vom Michael und fand das gut. Ich habe mit verschiedenen Catering-Firmen gearbeitet, aber – das hat nix mit Arschkriecherei zu tun – es gibt in München nur eine perfekte Catering-Firma. Das ist Käfer.

Weil es geschmeckt hat, haben Sie ihn angerufen?

KÄFER: Herr Oberoi, der Geschäftsführer vom Catering, vermittelte zwischen uns.

Ihr erster Gedanke, Herr Käfer?

NÖTH: Oh, das wird schwierig.

KÄFER: Ach, nein, nein! Im Gegenteil, ich schätze, was der Wolfgang tut. Für München. Er bewegt Dinge, findet Rosinen – da bin ich als Caterer sehr dankbar. Für eine gute Party ist die richtige Location entscheidend.

Wann war Ihr erstes Treffen?

KÄFER: Das hat sich entwickelt.

NÖTH: Auf der Bank. Als mir der Herr Oberoi einen Vorschuss auf meine Provision bezahlt hat – und ich die Unterschrift vom Michael brauchte.

Stimmt es, dass Sie immer eine Schublade voller Bargeld haben?

NÖTH: Ich liebe Bargeld. Deshalb bekam ich den Vorschuss auch in bar.

Haben Sie ein Konto?

NÖTH: Ungern. Ich gebe mein Geld nur notgedrungen Regenschirm-Verleihern. Wenn es regnet, nehmen sie einem den Schirm ab.

Sie haben doch genug Geld.

NÖTH: Ich? Ich habe noch nie Geld verdient. Mein Luxus ist Gebäude bauen, umbauen, renovieren. Ich brauch’ nicht viel. Im Büro gibt’s nur Spiegeleier. Ich trage nur Jeans, das reicht.

Mit Ihnen beiden trifft Klasse auf Masse – Herr Käfer, Sie kümmern sich um die Schönen und Reichen. . .

NÖTH: . . . und ich mich um die aus dem Hasenbergl. Ich bin ein Roter und werd auch immer einer bleiben. Ich habe kein Problem damit, dass einer viel Geld hat, wenn er es selbst verdient hat. So wie Michael. Ich bin kein Neider. Leistung soll sich lohnen.

Sie sind beide erfolgreich – was ist Ihr Geheimnis?

NÖTH: Mei, das kommt, wie es kommt. Riem oder den Kunstpark kann man nicht programmieren. Wenn man es rechnet und zur Bank geht, fahren sie dich nach Haar. Man muss schauen: Wo klemmt es? Es war jahrelang nichts in der Stadt. Ich habe mich totgelacht, als diese Techno-Geschichte anfing und alle Leute plötzlich zur Musik so gewackelt haben. Die hatten einen Vogel, aber lustig. Wichtig ist, was die Leute wollen.

KÄFER: Ich beobachte, was fehlt. Was gibt es zum Beispiel in Berlin.

NÖTH: Auch wenn ich nicht so ausschaue, aber Berlin ist mir zu schmuddelig. Ich würde nie mit München tauschen. . .

KÄFER: Ich auch nicht! Aber es ist durch Berlin ein Konkurrenzdruck da, der München guttut.

Was haben Sie voneinander lernen können?

NÖTH: Ich fand es vom Michael großartig, sein Zelt auf der Wiesn zu überfüllen und zu sagen, ich brauche noch eins.

KÄFER: Was nicht stimmt. Das war kein Trick.

NÖTH: So muss man sich durchsetzen. Sonst passiert nichts. Riem wäre nicht passiert, wenn ich nicht mit Schwarzarbeitern weitergewurschtelt hätte. Danach habe ich mich bei der Lokalbaukomission entschuldigt. Ich kann die Beamten verstehen, aber man kann nicht kreativ planen, wenn erst vorher alles genehmigt werden muss.

KÄFER: Das sehe ich ein bisschen anders. Doch ich finde es klasse, dass es Unternehmer wie Wolfgang gibt, die nicht lange reden, sondern einfach machen. Wo der Handschlag noch gilt – in Zeiten der extremen Rechtsanwaltskultur.

Ihre größte Gemeinsamkeit?

NÖTH: Nun, ich bin nicht in Kitzbühel, spiele nicht Golf. . .

KÄFER: . . . ich auch nicht. Das wäre eine Gemeinsamkeit.

Der größte Unterschied?

KÄFER: Er ist Club-, ich Bayern-Fan.

NÖTH: Der Hoeneß hat mal zu mir gesagt, man muss auch mit Minderheiten leben. Der Michael ist der ruhigere Part. Ich bin ein Kontroll-Neurotiker, werde böse, wenn was nicht funktioniert.

Können Sie sich auf die gleiche Musik einigen?

NÖTH: Ich bin Hardrock. Linkin Park und so.

KÄFER: Ich finde Maroon 5 und Mika toll.

NÖTH: Mika war kürzlich im Zenith klasse.

Bei allem Respekt: Herr Käfer, Sie sind 50, Herr Nöth, Sie werden heuer 65 – woher wissen Sie, was die Jugend will?

KÄFER: Zeitgeist durch Erfahrung. Man darf als Alter nicht zu extrem auf jung machen, sollte aber informiert bleiben. Von der Mode bis zur Musik.

NÖTH: Ich habe eine 13-jährige Tochter. Leila spielt mir vor, was ich zu buchen habe.

Geht Ihre Tochter schon aus?

NÖTH: Sie war bei Good Charlotte, aber ich will das nicht.

Stichwort Flaterate-Saufen?

NÖTH: Ich bin sauer auf mich, das ich das geduldet habe. Ich selbst habe es nie gemacht, hatte aber Partner, die das nicht so vermieden haben. Man darf die Jugend nicht zu Alkoholikern erziehen – das ist furchtbar.

Der Rausch gehört für viele dazu.

NÖTH: Ich trinke null und habe trotzdem Freude am Leben. Alkoholmissbrauch ist ein viel wichtigeres Thema als das Rauchverbot.

Sie verkaufen doch auch Bier und harte Drinks.

NÖTH: Mir wär’s anders lieber. Ich verdien’ an sieben Wasser mehr als an fünf Bier. Heute werben alle mit „Frei-Saufen“, das ist ekelerregend.

KÄFER: Wir haben als Veranstalter ganz klar eine Verantwortung. Unsere Getränkepreise sind nicht umsonst im P1 relativ hoch.

NÖTH: Ein Schutzpreis. Das ist clever und richtig.

Sie müssen es wissen, warum gehen die Menschen aus?

NÖTH: Weil man was sucht. Eine Illusion. Die Leute gehen fort, um die richtige Frau oder den richtigen Mann zu treffen. Das war immer so.

Hat sich das Nachtleben also im Grunde nicht verändert?

NÖTH: Sperrzeiten, Rauchverbot – egal, was passiert: Die Leute werden weiterhin weggehen, um sich kennenzulernen.

KÄFER: Natürlich gibt es heute in München mehr Clubs. Das ist gut, aber mir noch zu wenig. Wir bräuchten spannendere Restaurants. Für Berliner Verhältnisse müssen wir aufholen. München darf nicht schlafen, es muss mehr passieren.

NÖTH: Früher gab es das sensationelle Schwabilon. Ein Gebäude ohne Treppen und unten war die Eislaufbahn. Das war zu früh für München. Das Blow Up war genial. Das haben die beiden Armenier-Brüder gemacht. Der Anusch ist abgestürzt mit dem Flugzeug, dann war’s vorbei. Heute sind die Mieten zu teuer. München hatte vor 1972, vor der Olympiade, ein schönes Nachtleben, dann machte man es kaputt. Das war ein Fehler. Jetzt geht’s wieder aufwärts.

Haben Sie Ihre Frauen auf Partys kennengelernt?

KÄFER: Nein, bei der Arbeit.

NÖTH: In der Apotheke.

Kann die Suche nach der richtigen Person im Nachtleben überhaupt erfolgreich enden?

KÄFER: Durch das P1 sind viele Ehen entstanden.

Und viele Scheidungen.

KÄFER: Ja, das dann auch.

Vielleicht schaffen Sie es ja jetzt endlich rein, Herr Nöth – mit der Karte. . .

NÖTH: Das Scheitern an der Tür ist Abenteuer. Wenn mir jemand sagt, Opa, das Altersheim ist woanders, geht für mich das Leben trotzdem weiter.

Interview: Kimberly Hoppe

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