Interview

Gut klingen! Gut ankommen! So machen Sie Eindruck bei Gesprächen und Video-Meetings

Ob bei Treffen oder in Videokonferenzen: Wie wir auf andere wirken, hängt davon ab, wie wir sprechen (und wann wir schweigen). Eine Expertin berät AZ-Leser.
| Doris Iding
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Die richtige Vorbereitung auf ein Gespräch oder eine Videokonferenz ist laut Expertin Loschky entscheidend. (Symbolbild
Die richtige Vorbereitung auf ein Gespräch oder eine Videokonferenz ist laut Expertin Loschky entscheidend. (Symbolbild © Nicolas Guyonnet/Imago Images

Durch die Pandemie hat sich unsere Kommunikation nachhaltig verändert. Mittlerweile werden viele Besprechungen online abgehalten. Und auch privat treffen sich Menschen heute per Zoom. Wir begegnen uns neu im virtuellen Raum.

Das birgt eine große Chance: Wir können uns neu präsentieren - ausdrucksstark, stark und gewinnend. Die Sängerin, Stimmexpertin und Logopädin Eva Loschky verrät Ihnen, wie Sie das Beste aus sich und Ihrer Stimme machen.

Blickkontakt ist wichtig, sagt die Sängerin, Stimmexpertin und Logopädin Eva Loschky.
Blickkontakt ist wichtig, sagt die Sängerin, Stimmexpertin und Logopädin Eva Loschky. © ho

Durch die digitalen Medien hat sich unsere Art, miteinander zu kommunizieren, maßgeblich verändert. Spielt die Körpersprache hier auch noch eine so wichtige Rolle? Wenn ja, wie können wir uns körperlich vorteilhaft präsentieren. Haben Sie ein paar Tipps, damit wir gut wirken?
Eva Loschky: Wissen Sie noch, wie es damals war, bevor alles anders wurde? Gleich beim Betreten der Wohnung Ihrer Freunde erfassten Sie unbewusst, welche Stimmung gerade herrschte: unbeschwert oder bedrückt, beschwingt oder angespannt. Wenn Sie am Morgen Ihren Arbeitsraum - sei es Büro, Klassenzimmer oder Seminarraum - betraten, ging es Ihnen genauso.

Erinnern Sie sich? Ich freute mich "damals" immer, meinen Seminarteilnehmern die Hand zu reichen, mich vorzustellen, ein bisschen Smalltalk zu machen. Dadurch überwand ich mein "Fremdeln" und schaffte Beziehung. So eingestimmt konnte das Seminar beginnen.

Tipps für virtuelle Treffen

Wenn wir uns heute statt "in echt" in Tele- und Videokonferenzen treffen, reagieren wir besonders auf die Stimme, die wir hören, da die Körpersprache nur schwer erfasst werden kann. Wir schauen in Gesichter, im Gegenlicht schlecht erkennbar. Der virtuelle Hintergrund verzerrt die Gestik, das Mikrofon die Stimme.
Wir vermissen die Lebendigkeit und Energie unserer Gesprächspartner. Unsere Spiegelneurone aktivieren körperliches Unbehagen. Das nonverbale "Eingrooven ins Miteinander" bei einer Tasse Kaffee entfällt. Deshalb empfehle ich Ihnen, sich auf das virtuelle Treffen technisch und energetisch vorzubereiten:

Tipp 1

Prüfen Sie, ob die Beleuchtung Sie "in gutem Licht erscheinen" lässt.

Tipp 2

Bringen Sie vor dem Treffen Ihre Energien auf Trab, indem Sie Ihre Hände in alle Richtungen ausschütteln, als wollten Sie Wassertropfen abschütteln. Enden Sie mit einem großen "Igitt"-Kopfschütteln, welches den ganzen Körper erfassen darf! Geben Sie Stimme dazu: "Brrrrrrrrh."

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Tipp 3

Lassen Sie Ihre Hände, Ihre Augen, Ihr Gesicht mitsprechen - schaffen Sie Lebendigkeit im virtuellen Raum. Wählen Sie den Abstand zur Kamera so, dass Ihr Oberkörper, Ihre Gestik erfasst werden kann.

Tipp 4

Fragen Sie Ihr Gegenüber, ob Sie mit Ihren Augen Blickkontakt herstellen - denn Ihre Augen zeigen Ihre Emotionen! So entsteht Nähe.

Gibt es auch Tipps, die unsere Sprache betreffen? Besteht ein Unterschied, ob wir direkt mit einem Menschen reden und ihn dabei riechen, fühlen und sehen oder ob wir ihn nur in einem PC-Bildschirmausschnitt sehen? Worauf sollten wir besonders achten?
Eva Loschky: Der Unterschied zwischen realem und virtuellem Beisammensein ist tatsächlich sehr groß. Unsere Gesprächspartner online nicht mit allen Sinnen wahrnehmen zu können, schafft Distanz bis hin zum Gefühl von innerlicher Leere nach einem Online-Gespräch.

Die Macht der Sprechpause

In großen Konferenzen sind die Mikrofone auf stumm geschaltet. Wir vermissen das zustimmende "mmh", ein kleines Lachen, eine kesse Zwischenbemerkung, den Schlagabtausch. Diese fehlenden Rückmeldungen verunsichern uns. Frauen übrigens mehr als Männer! Achten Sie deshalb darauf, dass Sie "echte" Pausen machen beim Reden, in denen kein Räuspern, kein "ehm, genau, und. . ." oder was es da alles für Angewohnheiten gibt, Ihre Gesprächspartner nervt.

In meinem Stimm-Camp - ein Online-Intensivtraining über acht Wochen - widme ich dem Thema "Die Macht der Sprechpause" ein ganzes Modul. Pausen stiften Sinn, erzeugen Spannung, dienen dem Verständnis und lassen den Sprecher einatmen. Doch Pausen zu setzen ist eine hohe Kunst, widerspricht dem schnellen Tempo unserer Zeit. Online entsteht durch sie eine ungewohnte Stille. Pausen beim Sprechen wirken wie aus der Zeit gefallen und sind doch die beste Resilienzstrategie unseres Körpers. Wer sie nutzen lernt, "moderiert sich selbst zum Cooldown" - so die Worte einer Teilnehmerin.

Mein Tipp: Experimentieren Sie. Machen Sie eine Pause beim Sprechen. Lassen Sie den Satz verklingen. Schieben sie nichts hinterher. Lassen Sie Ihre Worte einfach im Raum stehen. Genießen Sie die Wirkung. Entspannen Sie gleichzeitig auf Körperebene Ihren Bauch!

Regeln, um online in Beziehung miteinander zu bleiben

Wie nehmen wir online Beziehung zu anderen Menschen auf?
Eva Loschky: Für mich gibt es zwei ganz wichtige Regeln, um online in Beziehung miteinander zu bleiben.

Regel 1

Hören Sie mit körperlicher Präsenz und Offenheit zu. Sitzen Sie aufrecht, die Füße gut auf dem Boden verankert. Entspannen Sie beim Zuhören den Bauch. Das ist die Körpersprache von Offenheit und Vertrauen. Diese vermittelt sich online wie offline unmittelbar.

Regel 2

Nachdem Sie mit entspanntem Bauch zugehört haben, fassen Sie superkurz - eventuell sogar nur in einem Wort - zusammen, was Ihr Gegenüber gerade gesagt hat, bevor Sie Ihre Meinung kundtun. Dadurch fühlt sich Ihr gegenüber wahrgenommen und wertgeschätzt. Ein Grundbedürfnis von uns allen!

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Was können wir tun, wenn wir eine lange Besprechung online haben und merken, dass die Teilnehmer uns verloren gehen? Das kann sehr verunsichernd sein und einem das Gefühl vermitteln, langweilig zu sein.
Eva Loschky: Wenn Referenten die Teilnehmer verloren gehen - online wie offline -, haben Sie meiner Meinung nach das Ziel verfehlt. Schade um die Inhalte, schade um die Zeit. Wichtig sind die Fähigkeiten, spannende Inhalte in lebendige Worte zu fassen und die Teilnehmer immer wieder neu ins Boot holen zu können durch Fragen, Raum für Diskussion, Aufgabenstellung etc. Auch das will gelernt und trainiert sein!

Welche Übungen vermitteln meiner Stimme Durchsetzungskraft, Stärke und Selbstvertrauen?
Eva Loschky: Stress, Emotionen und Druck verändern unsere "Körperlandschaft" nachhaltig. Die Muskulatur des "inner core" - also die Muskulatur des Beckenbodens, der quere Bauchmuskel, die innere Rückenmuskulatur - schnüren sich bei Stress und Emotionen wie ein Mieder zusammen. Unser Hauptatemmuskel, das Zwerchfell, kann sich deshalb kaum mehr bewegen. Der Atem wird flach, die Stimme piepsig, gepresst. Sprechen wird anstrengend, unter Umständen eine Qual.

Übungen für mehr Durchsetzungskraft und Selbstvertrauen

Zum Abschluss drei kleine Übungen für diesen großen Weg, den Sie auch gemeinsam mit mir live und online in meinem achtwöchigen StimmCamp gehen können:

Übung 1

Setzen Sie sich aufrecht hin, legen sie eine Hand auf Ihren Unterbauch, entspannen Sie Ihren Bauch vollständig. Sagen Sie jetzt das Wörtchen "ich" mit einem langgezogenen, immer intensiver werdenden "chchchchchchchch".

Beobachten Sie, wie sich Ihr Bauch nach innen zieht. Öffnen Sie den Mund, entspannen Sie den Bauch und lassen Sie frischen Atem einströmen. Machen Sie das täglich möglichst fünf Mal.

Übung 2

Checken Sie mehrmals täglich, wenn Sie jemandem zuhören, ob Ihr Bauch dabei entspannt ist. Wenn nein, lassen Sie ihn einfach los! Finden Sie so in die Körpersprache von Offenheit, Vertrauen und Stärke.

Übung 3

Bevor Sie anfangen zu reden, entspannen Sie den Bauch und atmen Sie aus. Danach legen Sie los. Machen Sie Sprechpausen und entspannen Sie den Bauch.

Online-Infoveranstaltung für AZ-Leser

Sie können Eva Loschky und die Loschky-Methode persönlich und unverbindlich online in einer kostenlosen Live Infoveranstaltung an diesem Juli-Wochenende kennenlernen. Sie entdecken die physiologische Basis für Ihre klangvolle Stimme und trainieren praktisch.

Sie können außerdem alle Fragen stellen, die Sie zum Thema Stimme bewegt. Termin: Samstag, 3. Juli, und Sonntag, 4. Juli, jeweils von 17 bis 18 Uhr. Anmelden können Sie sich bitte hier: www.evaloschky.de

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