Großer Schock an der LMU: Jetzt wird das ganze Ausmaß des Diebstahls sichtbar

Die Leitung der Ludwig-Maximilians-Universität nennt weitere Details zu dem Hacker-Angriff vom 16. September – und die sind äußerst brisant.
von  Guido Verstegen
Vor 200 Jahren versetzte König Ludwig I. die Ludwig-Maximilians-Universität von Landshut nach München. Heute hat die LMU nach eigenen Angaben fast 53.000 Studenten.
Vor 200 Jahren versetzte König Ludwig I. die Ludwig-Maximilians-Universität von Landshut nach München. Heute hat die LMU nach eigenen Angaben fast 53.000 Studenten. © IMAGO/Volker Preusser

Am 16. September ist die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) das Ziel eines Hacker-Angriffs auf ihre IT-Systeme geworden. Jetzt steht das Ausmaß des Angriffs fest. Betroffen sind demnach 600.000 Datensätze über einen Zeitraum von mehreren Dekaden. Nach LMU-Angaben geht es um Immatrikulationsdaten, die etwa 50 Jahre zurückgehen.

LMU: "Der Umfang nimmt je nach Alter der Daten stetig ab" 

"Nach den neuesten forensischen Erkenntnissen" war der komplette Datensatz im Zulassungssystem von dem Angriff betroffen, heißt es. In diesem System werden sämtliche Daten aktueller und ehemaliger Studierender verarbeitet. 

"Die betroffenen Kategorien sind sehr unterschiedlich; der Umfang nimmt je nach Alter der Daten stetig ab. So enthalten die Datensätze bis einschließlich 1994 ausschließlich Stammdaten und die Semesterhistorie; ab 2005 liegen umfangreichere Angaben, darunter teilweise auch Bankdaten, vor", teilt die Universität weiter mit.

Bisherige Erkenntnisse bestätigt

Demnach habe die weitere Analyse die am 19. September bereits kommunizierten betroffenen Datenkategorien bestätigt. Dazu gehören Identitäts-, Kontakt- und Bankdaten (soweit entsprechende Angaben gemacht wurden) sowie je nach Einzelfall weitere Informationen zum Studienverlauf und Angaben zu Beurlaubungsgründen.

Online-Vorlesungsverzeichnis ab Mittwoch erreichbar

Einzelne System, die nach dem IT-Sicherheitsvorfall nicht betroffen waren, aber vorsorglich heruntergefahrene und abgeschaltete wurden, sollen nach einer umfassenden sicherheitstechnischen Überprüfung schrittweise wieder in Betrieb genommen werden, so die Hochschulleitung.

Die gute Nachricht: Das zentrale Online-Vorlesungsverzeichnis (LSF) ist am Mittwoch (30. September) für Studiengangskoordinatoren (ab 9 Uhr) und für Studenten (ab 15 Uhr) wieder erreichbar.  

Außerhalb der LMU ist eine VPN-Verbindung erforderlich 

Zunächst stehen die wichtigsten Funktionen für den Semesterstart zur Verfügung: Veranstaltungen können angepasst und belegt sowie Notenspiegel abgerufen werden. Noch fehlende Noteneinträge werden zeitnah nachgetragen. Weitere Funktionen sollen schrittweise nach dem 30. September folgen.

Aus Sicherheitsgründen sei der Zugang zu LSF zunächst nur im Münchner Wissenschaftsnetz und im LMU-Verwaltungsnetz möglich. Außerhalb der LMU ist eine VPN-Verbindung erforderlich – eine verschlüsselte Verbindung über ein virtuelles privates Netzwerk. Für das Münchner Wissenschaftsnetz muss ein "Edu-VPN" genutzt werden. Hinweise dazu finden Sie unter lmu.de/vpn.  

Studienbewerbungen und Immatrikulationen zeitnah auf Cloud-Basis 

Die Systeme für Feedback- und Prüfungsprozesse "EvaSys" und "EvaExam" stehen seit Montag in beiden Netzen wieder zur Verfügung. Die sicherheitstechnischen Überprüfungen von "OpenCampus" und "Apte" (unter anderem Eignungsfeststellungsverfahren) dauern an. 

Parallel werde die fortlaufende Einführung des geplanten neuen Systems "CampusOnline" mit Hochdruck fortgeführt. Ab Dezember soll es flächendeckend digitale Studienbewerbungen und Immatrikulationen auf sicherer Cloud-Basis ermöglichen.

"Seit dem 16. September ist die LMU mit maximalem zeitlichem und personellem Einsatz damit befasst, den unbefugten Cyberangriff auf eines ihrer IT-Systeme abzuwehren und aufzuklären", heißt es in der Mitteilung.

Unmittelbar nach den ersten Anzeichen seien umfangreiche Gegenmaßnahmen ergriffen worden. Die zuständigen Aufsichts- und Ermittlungsbehörden wurden demnach informiert. Mit Unterstützung von internen und externen IT-Sicherheitsexperten sei dann unverzüglich eine umfassende Analyse des Vorfalls gestartet worden.

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