Gratis ÖPNV für Senioren: Wann löst OB Krause dieses Wahlkampf-Versprechen ein?

Vor etwa einem Jahr brachte OB Krause die Idee auf, Fahrkarten-Automaten abbauen und dafür Senioren gratis mit den Öffis fahren lassen. Die SPD fordert das plötzlich auch. Wie steht es um die Umsetzung?
von  Christina Hertel
Wie lange stehen solche Fahrkarten-Automaten  noch in München?
Wie lange stehen solche Fahrkarten-Automaten noch in München? © Daniel von Loeper

Wahlkampf ist die Zeit der großen Versprechen, die sich hinterher nicht immer erfüllen. Das gilt für die große Politik, aber auch fürs Münchner Rathaus. Vor fast einem Jahr hat OB Dominik Krause (Grüne) bei einer Veranstaltung der AZ einen Vorschlag gemacht, der sich wohl doch nicht so einfach umsetzen lässt.

Krauses Idee: Die Fahrkarten-Automaten der MVG sollten abgeschafft werden. Das könnte, so Krauses Überlegung, Geld sparen. Eine Wartung ist dann schließlich nicht mehr nötig. Senioren sollten dafür kostenlos mit den Öffis fahren dürfen.

Krause schlug damals 80 plus als Altersgrenze vor und sagte auch: "Da wird sicher noch viel diskutiert werden." Tatsächlich dauerte es gerade mal drei Tage, bis die ÖDP forderte, dass auch Senioren ab 70 Jahren profitieren sollten.

Ein "populistisches Wettrennen um die beste Schlagzeile" warf der damalige OB Dieter Reiter (SPD) Krause und der ÖDP vor. Jetzt ist Krause im Amt – und trotzdem wird der kostenlose ÖPNV für Senioren wohl erst mal nicht kommen.

SPD will gratis ÖPNV für Senioren ab 65

Aufgegriffen hat das Thema nun ausgerechnet die SPD-Fraktion im Stadtrat. Sie macht mehr oder weniger den gleichen Vorschlag wie damals Krause. Nur, dass die SPD eine noch mal niedrigere Altersgrenze vorschlägt. "65 Jahre könnten wir uns als Schwelle vorstellen", sagt der SPDler Felix Lang, der neu in den Stadtrat eingezogen ist und sich jetzt um die Mobilitätspolitik kümmert. Auf diese Altersgrenze kommt Lang, weil in Prag und in Budapest Menschen ab 65 Jahren nichts für den ÖPNV zahlen müssen. "Und da gehen die Verkehrsbetriebe ja auch nicht pleite", meint er.

Auf den Vorschlag ist Lang gekommen, weil er sich über den neuen Preis für die Streifenkarte aufgeregt hat. Vorgesehen ist, dass man für die Streifenkarte in Papierform, die heute 18,70 Euro kostet, ab Januar mehr zahlen soll als online: nämlich 21 Euro statt 19,50 Euro. Das benachteiligt aus Langs Sicht vor allem Senioren, die sich mit dem digitalen Wandel schwer tun.

Sicher ist sich Lang nicht, ob sich durch den Abbau der Automaten so viel sparen lässt, dass es das Gratis-Senioren-Angebot finanziert. "Ich habe dazu noch keine Zahlen gesehen", meint er. Also hat die AZ bei OB Krause nachgehakt. Was wird aus seiner Idee, jetzt, da er der Chef im Rathaus ist?

Bürgermeister Dominik Krause (Grüne) im November 2025 auf dem Roten AZ-Sofa. (Archiv)
Bürgermeister Dominik Krause (Grüne) im November 2025 auf dem Roten AZ-Sofa. (Archiv) © Daniel von Loeper

Was wurde aus Krauses Wahlkampf-Forderung?

Krause antwortet so: "Derzeit bekommt die Vertriebsstrategie im MVV ein Update – das wird in den nächsten Monaten mit allen Partnern diskutiert und abgestimmt. Am Ende brauchen wir einen Vertrieb, der in München genauso funktioniert wie in Miesbach."

Natürlich werde es keinen Smartphone-Zwang geben für die Nutzung des Nahverkehrs, sagt Krause. "Gleichzeitig widerspreche ich der These, ältere Menschen seien grundsätzlich unfähig oder nicht willens, mit digitalen Lösungen umzugehen", so Krause weiter.

Dann erinnert er an Paris, wo die Papiertickets Anfang des Jahres abgeschafft wurden, wo es nur noch aufladbare Chipkarten oder Tickets fürs Smartphone gebe. "Ich halte Pariser Senioren nicht für digital-kompetenter als Münchner", so Krause.

Außerdem sagt er: "Für mich ist selbstverständlich, dass es immer Möglichkeiten geben muss für Menschen ohne Smartphone, um den ÖPNV nutzen zu können, insbesondere Kinder."

Eine Antwort, wann der kostenlose ÖPNV für Senioren kommt, ist das nicht. Zwischen den Zeilen kann man herauslesen, dass es offensichtlich nicht ganz so einfach ist, die 400 Kommunen und zwölf Landkreise, die im MVV beteiligt sind, von der Idee zu überzeugen.

SPD: "Wahrscheinlich muss er sich noch sortieren"

Kritisieren will der SPDler Felix Lang den OB übrigens "auf keinen Fall", wie er sagt. "Er ist ja noch nicht so lange im Amt. Wahrscheinlich muss er sich noch sortieren."

Außerdem sei es klar, dass in der jetzigen Zeit, in der München mit einer Finanzkrise zu kämpfen hat, dieses Thema nicht ganz oben auf seiner Tagesordnung steht.

Einig ist sich die Mango bei dem Thema nicht. FDP-Chef Jörg Hoffmann erinnert daran, sich nicht nur Senioren mit Apps und Co. schwer tun. Er hält es deshalb für sinnvoll, dass an jedem Bahnhof zumindest ein Automat bleibt.

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