Google und SAP investieren: Münchens zweischneidiger IT-Boom

Münchens IT-Wirtschaft boomt. Nach Google hat jetzt auch SAP einen Ausbau seiner Aktivitäten in der bayerischen Landeshauptstadt angekündigt. Doch das hat nicht nur Vorteile.
| Christof Rührmair, dpa
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Das Google-Entwicklungszentrum in München. Der US-Konzert baut seinen Standort weiter aus.
Marc Müller/dpa Das Google-Entwicklungszentrum in München. Der US-Konzert baut seinen Standort weiter aus.

München - Erst Google, jetzt SAP: Alleine in den letzten Monaten haben zwei der Großen der IT-Welt angekündigt, ihre Präsenz in München auszubauen.

Andere internationale Konzerne wie Microsoft haben ihre Deutschland-Zentralen an der Isar, ganz zu schweigen von den heimischen Konzernen von BMW über Infineon bis Siemens, die selbst großen Bedarf an Fachleuten aus der Informations- und Kommunikationstechnologie (ITK) haben. Kein Zweifel: Dieses Segment der Wirtschaft boomt in München. Doch für manche wird das zum Problem.

Google sucht 1.500 neue Leute in München

Bei Google geht es um 1.500 neue Stellen am ohnehin schon größten deutschen Standort des Internetkonzerns, bei SAP soll im Zuge eines Neubaus am Campus der Technischen Universität München im nahen Garching die Zahl der Mitarbeiter im Großraum auf 600 steigen.

"Es ist eine gute Nachricht, weil es die Standortqualität bestätigt und das unternehmerische Umfeld in München belebt", sagt Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft, über Googles Ausbaupläne. "Klar ist aber auch, dass dadurch der Fachkräftemangel noch drängender wird." Das bestätigt auch Elfriede Kerschl, Referatsleiterin bei der IHK für München und Oberbayern: "Wenn Google 1.500 zusätzliche Jobs schafft, werden viele Leute auf diese Jobs schauen, die dann gerade kleinen und mittelständischen Unternehmen fehlen."

IT-Fachleute haben die Qual der Wahl

Bayernweit geht die IHK von einem Mangel von 50.000 ITK-Fachkräften aus. Diese Leute seien sehr stark gesucht und die Nachfrage nehme weiter zu, sagt Kerschl. Brossardt ergänzt: "Selbst Großunternehmen tun sich nicht so leicht bei der Suche nach IT-Fachkräften."

Gleichzeitig betonen beide, dass die Anwesenheit der großen Namen dem Standort gut tut. "Ein IT-Standort lebt wesentlich von der Vernetzung", sagt Brossardt. Kerschl betont: "In der Konkurrenz um die besten Köpfe braucht man auch Zugpferde wie Google und Microsoft. Sie machen den Standort München interessant – und davon profitieren ein Stück weit auch wieder die kleinen Unternehmen." Denn insgesamt ziehe München digitale Kompetenz aus anderen deutschen Großstädten ab, sagt Kerschl. "Nur an Berlin verlieren wir unter dem Strich Fachkräfte aus der ITK-Branche."

London, Sydney - oder München?

Schon heute ist diese in München überdurchschnittlich stark vertreten: 2018 war sie für 8 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Jobs hier verantwortlich, wie aus einer Studie der Stadt und der IHK hervorgeht. In anderen Metropolregionen wie Berlin, Hamburg oder Rhein-Main sind es demnach nur Werte zwischen 5,1 und 5,5 Prozent. Gerade Fachkräfte aus der ITK-Branche schätzten offenbar das urbane Umfeld, sagt Kerschl. "Die guten Köpfe überlegen: "Gehe ich nach London, Berlin, Sydney?". Da ist München ein Name der in der Liga mitspielen kann."

Dieser Gedanke spielte auch bei Googles Ausbauentscheidung für die Landeshauptstadt eine Rolle. "In München finden wir die Talente im Entwicklungsbereich vor, die wir gerne bei uns haben", sagt ein Sprecher. Und die hohe Lebensqualität helfe auch dabei, Leute in die Stadt zu holen. Der andere wichtige Attraktivitätsfaktor für Google sind die beiden starken Universitäten.

Hohe Löhne treiben die Mieten in München

Diese Faktoren spielen auch bei SAP eine Rolle. "Die Leute ziehen gerne nach München, gerade in der ersten Phase der Karriere", sagt ein Unternehmenssprecher. Und die Bedeutung der Technischen Universität zeigt schon die Wahl des neuen Standorts direkt neben der Informatik-Fakultät. Die bildet immer mehr Informatiker aus. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Studierendenzahlen vervielfacht. Die Informatik schieße "durch die Decke", sagte TU-Präsident Thomas Hofmann jüngst.

Doch der Mangel bleibt. Und auch der Zuzug gut bezahlter Fachkräfte ist ein zweischneidiges Schwert. "Natürlich tragen die hohen Löhne, die in der Branche gezahlt werden, dazu bei, die Mieten in die Höhe zu treiben, sagt Kerschl. "Aber das ist nicht ITK-spezifisch. Wenn BMW neue Stellen für Ingenieure schafft, ist der Effekt ähnlich." Und auf der anderen Seite profitiere die Stadt natürlich auch von der zusätzlichen Kaufkraft.

Brossardt warnt davor, sich nicht um die IT-Branche zu bemühen: "Wenn wir heute stehenbleiben, haben wir die Arbeitsplätze der Zukunft nicht", sagt er. Ähnlich sieht das offenbar der Münchner Referent für Arbeit und Wirtschaft, Clemens Baumgärtner (CSU). "Die Zukunft des Wirtschaftsstandorts München und damit des Wohlstands in dieser Stadt wird davon mitbestimmt, ob die Stadt sich unter den wichtigen Standorten für innovative Technologie behaupten kann", sagt er.

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