"Wir dürfen nicht nachlassen": Starkes Zeichen gegen Rechts beim Giro di Monaco

Die Blumenstraße ist rappelvoll: Rund 10.000 Menschen warten am Sonntagvormittag auf den Startschuss. Der Giro di Monaco ist mittlerweile eine Münchner Tradition, bereits zum fünften Mal findet der Spendenlauf statt.
Die Teilnehmer müssen knapp fünf Kilometer über den gesperrten Altstadtring laufen. Das Motto in diesem Jahr: Vielfalt statt Einfalt. Wer hier mitläuft, setzt ein Zeichen für Demokratie und gegen Rassismus. Die Spenden gehen an das Bellevue di Monaco, das mit dem Geld Projekte für Geflüchtete finanziert.
Vielfalt ist etwas typisch münchnerisches
Den Läufern wird dafür einiges geboten: Zahlreiche Prominente begleiten das Event. Carolin Matzko moderiert, Hannes Ringlstetter steht mit seiner Band auf der Bühne, auch Simon Pearce und Paul Breitner sind mit dabei.
Das meiste Aufsehen erregen jedoch Alt-OB Dieter Reiter (SPD) und sein Nachfolger, der neue Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne). Beide stehen zusammen auf der Bühne und wirken gut gelaunt: "Solange sowas noch funktioniert, kann nix schiefgehen in München", schwärmt Reiter in seiner kurzen Ansprache über den Lauf. Seine aktuelle Situation nimmt er mit Humor. "An alle, die darüber nachdenken, länger zu arbeiten: Ich finde, Freizeit und Ruhestand sind auch was Schönes."

OB Dominik Krause ist der neue Schirmherr des Laufs und kommt in seiner Rede schnell zum eigentlichen Thema. "Das Motto ist Vielfalt statt Einfalt. Ich finde, etwas mehr münchnerisches kann es kaum geben", ruft er dem laut jubelnden Publikum zu.
Krause: "Wir müssen weiterhin Flagge zeigen"
Wie wichtig den Münchnern die Themen Offenheit und Vielfalt sind, zeigt sich an den Teilnehmern selbst. Familien mit kleinen Kindern machen genauso mit wie gestandene Läufer.

Es sind viele Gruppen dabei, wie zum Beispiel Andi Weber und seine Freunde. Die jeweils drei Läuferinnen und Läufer studieren gemeinsam an der TU München und haben vor kurzem das Joggen für sich entdeckt. Von weiteren Freunden haben sie vom Giro di Monaco erfahren und waren sofort begeistert. "Es ist wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass Diversität nur etwas Gutes ist", sagt Andi Weber.

Ähnlich sieht es Brigitte Bodensteiner. Sie ist Lehrerin am Rupprecht-Gymnasium und mit etwa30 Schülern dabei. "Wir haben eine Lauf-AG und wir verknüpfen das Laufen mit der guten Botschaft", erklärt sie. Ihrer Meinung nach müsse man ein Zeichen für Vielfalt setzen. "Es ist mir ein wichtiges Anliegen, die Schüler dementsprechend zu sensibilisieren."

OB Krause zeigt sich im Gespräch mit der AZ zufrieden, aber auch kämpferisch: "Ich finde, dass München einen wahnsinnig hohen Zusammenhalt hat, aber wir dürfen nicht nachlassen." Der derzeitige Rechtsruck in Deutschland mache ihm Sorgen. "Wir müssen weiterhin Flagge zeigen, wenn gerade Rechtsextreme aufmarschieren", fordert der 35-jährige Politiker.