Gärtnerplatztheater: Kippt jetzt der Staatshaushalt?

Eigentlich schien der Vorhang längst gefallen zu sein. Doch jetzt stellt sich die CSU-Landtagsfraktion gegen die 70 Millionen Euro teure Renovierung am Gärtnerplatz. Die Stimmung in der Fraktion ist geladen.
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Marodes Haus: Das Gärtnerplatztheater ist stark renovierungsbedürftig, 2012 sollte hier eigentlich der Umbau beginnen.
Daniel von Loeper Marodes Haus: Das Gärtnerplatztheater ist stark renovierungsbedürftig, 2012 sollte hier eigentlich der Umbau beginnen.

Eigentlich schien der Vorhang längst gefallen zu sein. Doch jetzt stellt sich die CSU-Landtagsfraktion gegen die 70 Millionen Euro teure Renovierung am Gärtnerplatz. Die Stimmung in der Fraktion ist geladen.

MÜNCHEN Eigentlich schien der Vorhang längst gefallen zu sein: Der Haushaltsausschuss des Landtags winkte am Mittwochvormittag die 70 Millionen teure Sanierung des maroden Gärtnerplatztheaters durch. Staatsintendant Ulrich Peters und sein designierter Nachfolger Josef E. Köpplinger verschickten schon Jubelmeldungen: Sie seien „sehr erfreut und erleichtert“. Da haben sie sich zu früh gefreut. Denn am Nachmittag tagte im Maximilianeum die CSU-Fraktion – und warf alles um. Die Sanierung von Münchens zweitem Opernhaus steht nun wieder auf der Kippe – und der bayerische Haushalt droht wegen des Münchner Musentempels sogar zu platzen.

Schlechte Stimmung bei der CSU - Fraktionsvize Alexander König aus Hof tobt

Die Stimmung in der CSU-Fraktion war geladen. Außer den Mitgliedern des Haushaltsausschusses hatte offenbar niemand von dem Sanierungsprojekt gewusst. Bei den Haushaltsverhandlungen, in denen es vor allem ums Sparen ging, war das Gärtnerplatztheater nie aufgetaucht. Nun die böse Überraschung.

„Das geht mir über die Hutschnur“, tobte Fraktionsvize Alexander König aus Hof. Für ein Münchner Theater seien plötzlich 70 Millionen Euro da und für die Ausbesserung der Straßen und die Dorferneuerung gebe es keine Geld. Da müsse gespart werden. In der Fraktion bekam er dafür donnernden Applaus. Zur AZ sagte König gestern: „Das ist doch ein Saustall, dass die Staatsregierung für diese Schicki-Micki-Pläne plötzlich Millionen hat.“ An FDP-Kunstminister Wolfgang Heubisch, der aus München-Schwabing kommt und für die Staatstheater zuständig ist, ließ er kein gutes Haar. Gegenüber der AZ drohte König sogar, den Haushalt platzen zu lassen: „Ich überlege mir, ob ich ihm zustimme, wenn für dieses Theater tatsächlich 70 Millionen Euro bereit gestellt werden, sonst aber an allen Ecken und Enden gespart werden muss.“

Die CSU-Fraktion will auch beim „Aufbruch-Programm“ mitreden

Finanzminister Georg Fahrenschon versuchte die CSU-Fraktion zu beruhigen. „Es gibt keine Zusage für eine Sanierung des Gärtnerplatztheaters“, verkündete er. Allerdings bekäme Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch 400 Millionen Euro aus dem neuen Programm „Aufbruch Bayern“. Fahrenschon: „Da kann er selber entscheiden, was er mit dem Geld macht.“

Aber auch da ist das letzte Wort nicht gesprochen. Die CSU-Fraktion will auch beim „Aufbruch-Programm“ mitreden. „Es kann ja nicht sein, dass die Staatsregierung den Weihnachtsmann spielt und die Millionen verteilt, während die Fraktion die Rolle des Knecht Rupprecht bekommt und die Sparbeschlüsse verkünden muss“, heißt es in der Fraktion. Nächsten Donnerstag wird in einer gemeinsamen Sitzung über die Verteilung der Gelder beraten.

Für das Staatstheater am Gärtnerplatz aber gibt es zu Weihnachten keine Erlösung. Die Sanierung kommt jetzt noch einmal in den Haushaltsausschuss. Im Januar soll ein Ortstermin im Theater folgen. Alle CSU-Abgeordneten können daran teilnehmen und sich dann ein Bild davon machen, ob die Sanierung so dringend nötig ist.

Natürlich sind 70 Millionen Euro ein Batzen Geld. Aber das Wissenschaftsministerium rechnet dagegen, dass damit die Probenbaracken in Harlaching frei würden und das Filet-Grundstück an der Harthauser Straße für 20 Millionen Euro verkauft werden könnte. Blieben also noch 50 Millionen für die Staatskasse. Das aber beruhigt die Gegner wenig. Im Wissenschaftsministerium war man gestern ahnungslos und der Minister im fernen Brüssel. Seine Sprecherin: „Wir haben vom Haushaltsausschuss grünes Licht. Da war der Minister selber dabei. Damit ist es für uns eigentlich durch.“

Angela Böhm

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