Frauenquote bei städtischen Unternehmen: Alle wollen Chefinnen haben

Kliniken, Stadtwerke, Stadtsparkasse & Co.: Wie viele Frauen in Führungskraft sind, wer hinterherhinkt - und warum der Druck der Politik bei dem Thema in München noch weiter zunehmen wird.
| Felix Müller
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Hier sind die neuen Chefinnen: Clara Kronberger und Nicole Gargitter bei ihrer Präsentation im Schyrenbad.
Hier sind die neuen Chefinnen: Clara Kronberger und Nicole Gargitter bei ihrer Präsentation im Schyrenbad. © Archiv/Daniel von Loeper

München - In Osnabrück, Heidelberg und Ingolstadt sieht es düster aus. Keine einzige Frau gebe es dort unter den Führungskräften der kommunalen Firmen, hieß es kürzlich in einer Studie. Insgesamt sind es bundesweit nur 19,5 Prozent - der Anteil ist zuletzt sogar wieder etwas gesunken.

Und in München? Versucht das Rathaus, bei städtischen Unternehmen und Tochtergesellschaften Druck zu machen, dass der Anteil von Frauen als Entscheiderinnen deutlich zunimmt? Die AZ hat sich umgehört, wo man aktuell steht - und wie man das Thema weiter betreiben will.

Stadtwerke

Stolz präsentierten die Stadtwerke vor ein paar Monaten ihre neuen Bäder-Chefinnen. Clara Kronberger und Nicole Gargitter teilen sich jeweils in Teilzeit den Posten. Klingt zeitgemäß und modern. Doch wie die AZ-Anfrage ergab, haben die Stadtwerke ihre selbstgesteckten Ziele noch nicht erreicht.

In der Gesamtbelegschaft liegt der Frauenanteil bei 21 Prozent, in den ersten beiden Führungsebenen bei 25,85 Prozent, in der Geschäftsführung befände sich "derzeit keine Frau". 25 Prozent Frauenanteil bei der Gesamtbelegschaft ist das Ziel der Stadtwerke. Man bezeichnet das selbst als "sehr ambitioniert für ein gewerblich-technisch geprägtes Unternehmen".

Kliniken

Wie in anderen Pflegebreichen arbeiten auch in den städtischen Kliniken sehr viele Frauen. 75 Prozent ist aktuell der Anteil, meldet die Klinik-Pressestelle. Die Klinik legt Wert darauf, mit eigenen Programmen Frauen zu fördern, die Führungspositionen anstreben. Mit dem Ergebnis ist man aber auch hier noch nicht so richtig zufrieden.

"Wir haben mit 37 Prozent Oberärztinnen einiges erreicht", sagt Andrea Rothe vom Klinikum. "Auch auf weiteren Führungsebenen zeigen sich inzwischen positive Effekte." Zahlen nennt das Klinikum hier aber lieber nicht. "Es gibt noch viel zu tun", sagt Andrea Rothe.

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Tierpark

Der Tierpark fördert bewusst seine Mitarbeiterinnen - und das mit Erfolg. Bei den Führungskräften meldet man einen Frauenanteil von 55 Prozent, in der Geschäftsleitung von 50 Prozent.

Stadtsparkasse

Auch die Stadtsparkasse versucht, ambitionierte Mitarbeiterinnen besonders zu unterstützen. Und ist recht nahe an den selbstgesteckten Quoten angekommen. 30 Prozent Frauenanteil im Vorstand will man erreichen (heute 25 Prozent), bei Führungskräften insgesamt (heute 27,3 Prozent) ist man schon sehr nahe dran.

Olympiapark

Der Olympiapark hat 2020 das 2011 gesteckte Ziel erreicht: 45 Prozent der Führungspositionen sind mit Frauen besetzt. In der Geschäftsführung liegt man bei 50 Prozent. Man fördere etwa durch flexible Arbeitszeitgestaltung den Wiedereinstieg für berufstätige Mütter und Väter, heißt es aus dem Olympiapark.

Gewofag

Die Gewofag hat in der Geschäftsführung einen Frauenanteil von 0 Prozent. Klingt nicht gut, aber sie hat nun einmal nur einen Alleingeschäftsführer: Klaus-Michael Dengler. "Sollte eine mögliche Zweitbestellung für die Geschäftsführung erfolgen, wäre hierfür eine Frau vorgesehen", heißt es aus dem Unternehmen.

Das Ziel der Gewofag ist es, "systematisch mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen". Aktuell liegt er bei 33 Prozent, im Aufsichtsrat bei 50 Prozent.

GWG

Auch das zweite städtische Wohnungsunternehmen ist am Thema dran. In der Geschäftsführung hat man einen Frauenanteil von über 50 Prozent erreicht, insgesamt liegt man bei den Führungskräften nach eigenen Angaben bei 34,7 Prozent.

Und der Druck aus der Politik dürfte eher noch zunehmen. In der Stadtverwaltung selbst sind übrigens 49,3 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt, "ein sehr guter Wert", wie Bürgermeisterin Katrin Habenschaden zur AZ sagt.

Bei den städtischen Eigenbetrieben und Tochtergesellschaften sehe sie aber "wirklich Nachholbedarf". Bis Anfang 2022, kündigt Habenschaden an, werde man ein Konzept entwickeln, wie alle Chef-Sessel, auf die die Stadt selbst Einfluss hat, mindestens zur Hälfte mit Frauen besetzt werden können. Also: zu Chefinnen-Sesseln werden.

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