Fitnessstudios öffnen am Freitag: Zuversicht und Zweifel

In den Fitnessstudios der Stadt geht morgen wieder das Licht an. Die AZ hat mit Betreibern gesprochen, die schnell noch putzen, ziemlich aufatmen - und teils sogar auf einen neuen Boom hoffen.
| Conie Morarescu und Daniel von Loeper
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Jörg Aneser betreibt ein Studio in Sendling.
Jörg Aneser betreibt ein Studio in Sendling. © Bernd Wackerbauer

München - Seit am Dienstag kurzfristig bekannt gegeben wurde, dass die Fitnessstudios in Bayern am morgigen Freitag wieder öffnen dürfen, stecken die Betreiber tief in den Vorbereitungsarbeiten.

Über sechs Monate lang hat sich der Staub in den geräumigen Hallen abgelegt. Es wird eifrig geputzt und geschrubbt, Personal muss eingeteilt und geschult werden. Hygienemaßnahmen werden umgesetzt oder noch einmal verfeinert. Nach monatelangem Stillstand nun plötzlich Stress.

Positiver Stress: "Wir freuen uns wie Schnitzel"

Es handelt sich allerdings um positiven Stress: Der Inhaber des Sendlinger Sports & Health Fitness Club Jörg Aneser ist ganz euphorisch. "Wir haben das so lange herbeigesehnt! Wir freuen uns wie Schnitzel", platzt es aus ihm heraus, als die AZ anruft.

Die vergangenen Monate seien eine schwere Zeit gewesen, wenn auch mit unerwartet positiven Erfahrungen: "Wir sind ein inhabergeführtes Studio, es gibt uns seit 18 Jahren und das danken uns unsere Stammkunden", erzählt Aneser. Niemand habe sich beschwert, die Beiträge weiterhin leisten zu müssen.

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"Natürlich wird die Zeit der Schließung wieder ausgeglichen", betont er. Einige hätten jedoch angeboten, die Beiträge auch ohne Kompensation zu zahlen. "Wir haben kaum Kündigungen, unsere Kunden bleiben uns treu", zeigt sich Aneser gerührt. "Das hat sicher mit dem großen Vertrauen zu tun, das über die Jahre gewachsen ist."

Fitnessstudio: Alles ist nun kontaktlos

Das Vertrauen nicht nur in das Personal, auch in die Hygienemaßnahmen spielt eine große Rolle. Schließlich wird im Fitnessstudio geschwitzt, Hygiene ist ein besonders wichtiger Faktor. "Wir haben zwischen den Geräten Plexiglasscheiben aufgehängt, um ganz sicher zu gehen", erklärt Aneser.

"Und alles auf kontaktlos umgestellt. Sogar die Wasserhähne und Duschen werden über Sensoren bedient." Das Check-In laufe ebenfalls kontaktlos ab. "Die Daten werden automatisch erfasst." Zusätzliche Sicherheit zum ständigen Lüften bieten Luftreiniger, die Aneser angeschafft hat.

Der positive Trend ist bereits spürbar

Das sind hohe Investitionen, doch der Inhaber des Fitnessclubs ist optimistisch, dass sie sich lohnen werden und es wieder bergauf geht: "Vielleicht erreichen wir sogar neue Zielgruppen. Während der Pandemie ist vielen Menschen bewusst geworden, wie wichtig das Training für das Immunsystem ist.

Und die Decke fällt den meisten wegen Homeoffice auf den Kopf." Der positive Trend sei schon zu spüren: "Wir haben für Freitag bereits einige Anmeldungen von Neuinteressenten", sagt Aneser.

Alexander Doussis vom Fitness First wischt nochmal durch, bevor es losgeht.
Alexander Doussis vom Fitness First wischt nochmal durch, bevor es losgeht. © Daniel von Loeper

Auch Alexander Doussis, Trainingsleiter und Personaltrainer im Fitness First in der Kaufingerstraße glaubt an die Zukunft und freut sich auf die Arbeit mit seinen Kunden: "Am meisten freue ich mich darauf, die Mitglieder alle zu sehen und endlich wieder für Sport und Bewegung zu begeistern. Dabei empfinde ich Glück."

Einige Überbrückungshilfen sind immer noch nicht da

Etwas vorsichtiger blickt Markus Decker in die Zukunft, Mitinhaber zweier Studios mit dem Namen "V-itness" in Poing und Feldkirchen: "Ich habe mit Betreibern aus anderen Bundesländern gesprochen, die schon eine Weile offen haben. Es kommen weniger Kunden als normal, vielen ist der Aufwand mit dem Testen einfach zu groß", befürchtet Decker.

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Besonders schwierig sei es, die Schichten für die Mitarbeiter richtig einzuteilen: "Es muss sich wirtschaftlich noch lohnen. Wir können aber schlecht einschätzen, wie viele Kunden kommen werden", begründet er die Unsicherheit. Dasselbe gelte für das Kursprogramm. Alles nicht so leicht.

Besonders, nachdem die Überbrückungshilfen für das laufende Jahr bis heute nicht angekommen seien: "Wir müssen mit der Öffnung zusätzliche Investitionen für Hygienemaßnahmen tätigen, doch die Hilfen haben uns immer noch nicht erreicht", bedauert Decker.

Impfungen und Reha im Fitnessstudio

Doch es gibt auch einen Lichtblick: "In Poing haben wir uns mit dem Arzt, der unter uns im Erdgeschoss praktiziert, abgesprochen. Wir möchten mit ihm zusammen ein Impfzentrum in unseren Räumlichkeiten einrichten." Ein Anreiz für die Kunden, wieder ins Fitnessstudio zu kommen?

In Poing sei das Klientel etwas älter, dort werde auch Rehasport angeboten. "Vielleicht ist das ein kleines Schmankerl obendrauf", hofft Decker. Und mit etwas Glück bleibt die Inzidenz weiterhin unter 50, dann dürfen auch die Ungeimpften ohne Test trainieren. "Ich will jetzt einfach fest daran glauben", sagt der Unternehmer.

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