Faschingszeit in München: "Kein Kasperltheater!"

Ein bisserl angelehnt ist das Motto natürlich schon, das Christian Scharpf (SPD) als Leiter des Referats für Arbeit und Wirtschaft im Deutschen Theater ausgibt. Der FC Bayern hat’s bekanntlich erfunden. Aber es fühlt sich gut an, nimmt alle mit: "Mia san Fasching“, lautet es heuer. Und bevor Scharpf das Motto 2026 ausgeben kann, steht am Mittwoch erst einmal der freudestrahlende Chef des Deutschen Theater vor der Bühne des Silbersaals, Thomas Linsmayer.
Er hat ein paar schöne Sätze im Gepäck, die gut beschreiben, was der Fasching mit all seinen Vereinen und Gesellschaften für die Stadt bedeutet. "Fasching ist kein Kasperltheater“, sagt Linsmayer bestimmt, "Fasching ist Kulturgut!“
Auf Augenhöhe mit der Starkbierzeit
Eine passende Einordnung. Die Münchner Faschings-Enthusiasten meinen es schließlich ernst damit, den Ernst des Lebens einige Tage aus dem Leben zu verbannen und durch Lebensfreude zu ersetzen.
Christian Scharpf wird am Mittwoch flankiert von Männern, die den Fasching leidenschaftlich zelebrieren: Alexander Filz von den Damischen Rittern, Josef Rohrer von München Narrisch, und von Narrhalla-Präsident Matthias Stolz.

Scharpf ordnet dann zu den kommenden Straßenfeierlichkeiten des narrischen München auch noch ein wenig ein. Der Wirtschaftsreferent sieht die Faschingszeit von der Bedeutung her auf Augenhöhe mit der Starkbierzeit. Die Münchner könnten ein üppiges Bühnenprogramm rund um den Marienplatz erwarten.
Partymeile zwischen Stachus und Marienplatz
Der Viktualienmarkt ist wie immer zentral bei den narrischen Feierlichkeiten. „Die Fußgängerzone wird zwischen Stachus und Marienplatz zur Partymeile“, heißt es in der Presseinfo von München Narrisch. Und zwar vom Faschingssonntag (15. Februar) bis Faschingsdienstag (17. Februar). Am 12. Februar werden der Zweite Bürgermeister Dominik Krause (Grüne) und die Vize-Kommunalreferentin, Inken Wuttke, die finalen Feier-Tage einläuten.
Das Motto zum Schluss: „Fasching hat Herz“. Wuttke betont, dass heuer ein großer Abschied bevorstehe. Fünf tanzende Marktweiber sowie deren Tanzlehrer hören auf. Eine davon, Erika Schuster, tanze bereits seit 40 Jahren auf dem Viktualienmarkt, eine weitere, Christa Lang, 38 Jahre.
„Höhepunkt ist natürlich der Faschingsdienstag am 17. Februar“, sagt Wuttke. Und der Tag beginne früh, bereits um 9.30 Uhr. Das Prinzenpaar der Narrhalla werde selbstverständlich auftreten, seine Tollität Prinz Stephan I. und Ihre Lieblichkeit Prinzessin Samantha I., inklusive dem berühmten Tanz der Marktweiber.
"Keine Bierfässer zum Fasching mitnehmen"
Wuttke weist noch auf die Sicherheitsvorkehrungen hin. Glasflaschen, Messer, Waffen jeder Art, Bollerwagen, Partyfässer oder auch Biergarnituren seien verboten. Aus dem Publikum kommt amüsiertes Gelächter. Mit Biergarnituren zum Fasching? „Alles schon vorgekommen“, sagt Wuttke.
Narrhalla-Präsident Matthias Stolz läutet am Mittwoch einen inoffiziellen Countdown ein. „Noch drei Wochen bis Aschermittwoch!“, sagt er. Er weist auf die vielen launigen Veranstaltungen der Narrhalla hin, wie etwa auf den Pumuckl-Kinderball, der so gut ankomme, dass er längst ausverkauft sei (1. Februar).

Alexander Filz von den Damischen Rittern weist auf den Faschingszug am 8. Februar um 13.13 Uhr hin, den „Gaudiwurm“. Auch vorher werde es schon ein Schaulaufen geben. „Wenn der Zug erst mal rollt, hat er keine Bremsen und Grenzen“, sagt er. Man habe sich bereits reichlich mit Kamellen eingedeckt. Schon ab 10.30 Uhr gebe es buntes Rahmenprogramm am Marienplatz, gemeinsam mit der Narrhalla.
"Alles von Schaschlik bis Prosecco"
Josef Rohrer von München Narrisch bringt dann einen guten Vergleich, um sich vorstellen zu können, wie viel Raum die Faschings-Freiluftparty in München einnehmen wird. „Die Fläche ist ähnlich groß wie beim Christkindlmarkt, nur etwas größer“, sagt er. Und Rohrer verspricht eine gute Verpflegung: „Von Schaschlik bis Prosecco wird es alles geben.“
Scharpf nimmt den Startschuss zum Faschingsfinale zum Anlass, einen Mann zu ehren, der stadtbekannt und schon zu Lebzeiten eine Art München-Legende ist. Günther Grauer, der langjährige Chef des früheren Kultlokals Roy am Sendlinger Tor. „Für sein langjähriges Engagement bei der Narrhalla“, sagt Scharpf. Eine Weste wird ihm übergeben. „I bin Fasching“, steht darauf. Grauer wischt sich eine Träne weg. „Damit hätte ich nicht gerechnet“, sagt er gerührt.
Unter dem Eindruck des Verdi-Attentats vom 13. Februar 2025 wurde nach Sicherheitsvorkehrungen gefragt. Es wird großräumig abgesperrt, versprechen die Veranstalter. „Jede Gasse und jede Straße rund um den Marienplatz wird geprüft und gesichert“, sagt Stolz. Es werde eine Einsatzzentrale in einem Münchner Hotel geben, ergänzt Inken Wuttke, zudem einen Not-Aus-Knopf für alle Beschallungsanlagen.