Fall Reiter: Für Ude bezahlte die Stadt

Die Stadt bezahlte Udes Reisen zu Finalspielen des FC Bayern. Beim OB-Kandidaten lehnt er das kategorisch ab  
| Willi Bock
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Das war 2012: Uefa-Präsident Michel Platini übergibt an OB Ude den Pokal zur Champions League in der Arena in München.
Das war 2012: Uefa-Präsident Michel Platini übergibt an OB Ude den Pokal zur Champions League in der Arena in München.

Die Stadt bezahlte Udes Reisen zu Finalspielen des FC Bayern. Beim OB-Kandidaten lehnt er das kategorisch ab

München - Es sollte der große Befreiungsschlag werden, den OB Ude in der AZ angekündigt hatte. Tatsächlich diskutierte der Stadtrat gestern drei Stunden über den Fall Reiter und dessen kostenlose Reise nach London. Dabei verwickelte sich der OB in Widersprüche: Dreimal hat die Stadt ihm die Reise zu einem Champions-League-Finale bezahlt. Im Fall Reiter lehnt er das aber ab.

Als der Fall bekannt wurde, dass der FC Bayern dem Wirtschaftsreferenten Dieter Reiter (SPD) Flug und Hotel bezahlt hatte, forderten viele: Die Stadt solle diese beiden Posten übernehmen. Genau das hat Ude im AZ-Interview abgelehnt: „Aber warum soll es ein so großes Anliegen des deutschen Steuerzahlers sein, dass er den Fußballzirkus bezahlt anstatt die Vereine? Dagegen verwahre ich mich mit allem Nachdruck. Wieso soll der Steuerzahler die Flüge des FC Bayern bezuschussen?“

Für Ude selbst hat das die Stadtkasse bezahlt, wie er zugab. Zum Champions-League-Finale in Barcelona (1999), Mailand (2001) und Madrid (2010). Der FCB habe jedesmal hinterher die Rechnung geschickt. „Ohne mein Wissen“ habe die Stadt gezahlt. Was genau bezahlt wurde, lässt sich angeblich nicht mehr feststellen.

Man merkte in seiner Rede: Ude steht mit dem Rücken zur Wand. „Es ist zweifellos ein Thema, das Emotionen wecken kann“, meinte Ude: Es sei für Normalbürger „in der Tat verwirrend, befremdlich und für viele empörend“, wenn Müllmänner keine Weihnachtsspenden annehmen dürften, „während in der Chefetage Riesenvorteile eingesackt werden dürften“. Da kritisierte er auch die Staatsanwaltschaft. Die hatte auf Anfrage erklärt, den Fall zu „prüfen“, es gebe aber noch keinen Anfangsverdacht. Ude: „Damit können Sie jeden Menschen an den Pranger stellen, von dem er schwer runterkommt. Ich halte das nicht für die Aufgabe der Staatsanwaltschaft.“

Ude kam auch nicht ohne massive Medienschelte aus – wie immer, wenn er einen Sündenbock sucht.

Der angegriffene Dieter Reiter versuchte den Schritt nach vorn: „Ich habe mich vollkommen korrekt verhalten. Ich habe die geltenden Regeln eingehalten.“ Wenn das jetzt falsch sei, sollten die Richtlinien für die Annahme von Geschenken und Einladungen überarbeitet werden. Da solle die Stadt mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten.

Für die Rathaus-Opposition brachte es CSU-Fraktionsvize Hans Podiuk auf den Punkt: Bei Geschenken und Einladungen „darf bei Außenstehenden nicht der Eindruck entstehen, es ist ein Dankeschön“ – für eine Gefälligkeit.

 

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