Beinahe-Katastrophe in München: Experte spricht von "Feuerball mit hunderten Todesopfern"
Der Flughafen München ist nach Einschätzung eines Experten bei einem fehlerhaften Start einer Boeing-Passagiermaschine nur haarscharf einer Katastrophe entgangen. "Das hätte einen Feuerball mit hunderten Todesopfern geben können, wenn die Piloten die Maschine nicht noch hochgezogen hätten", sagt Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt. Auch außerhalb des Flughafengeländes seien Menschen in Gefahr gewesen.
Die Boeing 787 der Vietnam Airlines war am Samstagnachmittag erst hinter dem Ende der Südbahn abgehoben. Videos vom Start zeigen mächtige Staubwolken und Erschütterungen in der Kabine. Nach Informationen der Plattform "Aviation Herald" blockierten zudem vor dem Start mindestens die Bremsen auf der rechten Seite des Jets.

Wegen der geringen Startgeschwindigkeit setzte das Heck des Flugzeugs auf und wurde schwer beschädigt. Bei der späteren Rückkehrlandung auf der Nordbahn wurden zudem die Reifen des Hauptfahrwerks zerfetzt. Die Passagiere sind laut Flughafen unverletzt mit Bussen in das Flughafengebäude gebracht worden.

"Es war sofort eine Rauchentwicklung erkennbar"
Marco Wachinger aus Erding fotografiert seit vier Jahren Flugzeuge am Münchner Flughafen und beobachtete die Rückkehr aus der Nähe. Zweimal habe die Maschine die Nordbahn in geringer Höhe überflogen: Ein sogenannter Lowpass, bei dem das Bodenpersonal von unten nach sichtbaren Schäden suche und diese der Besatzung im Cockpit melde, schildert er der AZ.
"Beim dritten Mal ist sie dann gelandet, auf der linken Seite des Hauptfahrwerks war sofort eine Rauchentwicklung erkennbar, vermutlich durch die geplatzten Reifen und den Kontakt mit den Felgen und dem Asphalt", so Wachinger. Videos der Landung zeigen, wie Teile davonfliegen. So eine Sicherheitslandung habe Wachinger noch nicht erlebt. "Wir haben alle gehofft, dass sie sicher landet, man hat schon eine Anspannung gespürt."
Start nicht abgebrochen
Den genauen Hergang des Unfalls müsse nun die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung klären, sagte Großbongardt. Mit Hilfe der Flugdatenschreiber und Voicerecorder müsse geklärt werden, was sich im Cockpit abgespielt hat.
Das werde Monate dauern. Zum Beispiel stelle sich die Frage, warum die Crew den Start nicht rechtzeitig abgebrochen habe. Die Münchener Bahn enthalte dafür mit 4000 Meter Länge eigentlich ausreichend Sicherheitsreserven.
"Die 787 ist ein absolut sicheres Verkehrsflugzeug"
Für grundsätzliche Zweifel an der Dreamliner-Reihe des US-Herstellers Boeing gebe der Vorfall keinen Anlass, sagt der Experte, der bis 2004 Deutschland-Sprecher des Unternehmens war. "Die 787 ist ein absolut sicheres Verkehrsflugzeug."
Zuletzt war ein Lufthansa-Jet dieses Typs am Frankfurter Flughafen auf die Nase gefallen, weil im Stand das Bug-Fahrwerk eingeknickt war. Grund war hier ein Wartungsfehler.

