Exklusiv: Gibt's bald personalisierte Tickets für Risikospiele?

Die Staatsregierung spricht sich für personalisierte Stadiontickets bei brisanten Spielen aus – doch von den Grünen kommt Kritik.
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Joachim Herrmann (l, CSU), Innenminister von Bayern. Foto: Daniel Karmann/Archiv
dpa Joachim Herrmann (l, CSU), Innenminister von Bayern. Foto: Daniel Karmann/Archiv

München - Die Staatsregierung befürwortet personalisierte Eintrittskarten bei Risiko-Fußballspielen. Das geht aus einem Schreiben des Innenministeriums hervor, das der AZ vorliegt. Die personalisierte Eintrittskarte sei eine "geeignete Maßnahme, um Straftäter effizienter zu identifizieren", heißt es darin. "Ausschlaggebend für die unterstellte Wirkung sind die Umstände der Begehungsweise und die Tatörtlichkeit". Wenn Straftaten im Stadion geschehen, seien personalisierte Tickets "grundsätzlich ein wirksames Instrumentarium".

Aus der Landtags-Opposition kommt Kritik an der Haltung von Innenminister Joachim Herrmann (CSU). "Personalisierte Eintrittskarten sind meiner Meinung nach der völlig falsche Weg", sagte der sportpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Maximilian Deisenhofer, der AZ. "In anderen europäischen Ländern wie Italien oder Polen hat diese Maßnahme nicht zum Rückgang der Gewalt, sondern lediglich zum Rückgang der Zuschauerzahlen geführt."

Joachim Herrmann (l, CSU), Innenminister von Bayern. Foto: Daniel Karmann/Archiv
Joachim Herrmann (l, CSU), Innenminister von Bayern. Foto: Daniel Karmann/Archiv © dpa

Grünen-Politiker rechnet mit Chaos

Deisenhofer rechnet dagegen mit unangenehmen Folgen für die Stadionbesucher. "Wir befürchten großes Chaos an den Eingängen und lange Warteschlangen, falls diese Maßnahme umgesetzt wird." Außerdem befürchtet Deisenhofer eine "Eskalation zwischen den Fans auf der einen Seite und Verbänden sowie der Polizei auf der anderen Seite. Diese wollen wir unbedingt vermeiden und setzen daher weiter auf den Dialog auf Augenhöhe." Die bundesweite Innenministerkonferenz, an der auch Joachim Herrmann beteiligt ist, hatte zuletzt mehrmals über härtere Maßnahmen gegen Gewalt beim Fußball beraten. Unter anderem werden deutlich härtere Strafen für das Abbrennen von Pyrotechnik geprüft.

Tatsächlich ist es so, dass schon länger personalisierte Tickets an Fans ausgehändigt werden – etwa bei Welt- und Europameisterschaften oder Champions-League-Finalspielen. Bereits bei der Heim-WM 2006 war dies der Fall, chaotische Zustände gab es nicht. Was auch daran lag, dass am Einlass kaum kontrolliert wurde, ob der Name auf der Karte auch tatsächlich zu dem im Personalausweis passte.

Viele Fans werden bei Turnieren weiter sofort ins Stadion gelassen, wenn sie nur ihr Ticket vorgehalten haben. Es werden Stichproben genommen. So streng wie bei der WM in Russland im Sommer ging es bei vergangenen Großveranstaltungen nicht zu.

Lesen Sie auch: Stadt prüft Ausbau von Grünwalder Stadion auf 30.000

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