Europas größtes Neubaugebiet, kein U-Bahn-Anschluss? Hier wachsen die Sorgen in München

Freiham ist autoarm geplant. Doch die ÖPNV-Anbindung ist schlecht. Versprochen hat die Stadt eine U-Bahn. Doch nun hat der Stadtrat eine Entscheidung verschoben. Eine Bürgervereinigung ist alarmiert. 
Christina Hertel |
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Im Münchner Westen entsteht Freiham – das größte Neubaugebiet Europas.
Im Münchner Westen entsteht Freiham – das größte Neubaugebiet Europas. © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON

Wer nach Freiham in den Münchner Westen zieht, soll auf ein eigenes Auto eigentlich verzichten. Denn die Stadt hat Freiham als ein autoarmes Viertel geplant. Das bedeutet auch: Nicht für alle Bewohner gibt es Tiefgaragen-Parkplätze. Und für die Oberfläche bekommen Anwohner – anders als in anderen Vierteln – keine Parkausweise. Gleichzeitig ist die ÖPNV-Anbindung schlecht.

Das hat bei Bewohnern für so viel Frust gesorgt, dass sie eine Petition gestartet haben. Diesen Sommer gab die Stadt schließlich bekannt, dass sie 300 Parkplätze zumindest temporär auf Baugrundstücken schaffen werde.

Über all das hat die AZ bereits berichtet. Jürgen Müller erzählt es noch mal am Telefon, um eines deutlich zu machen: "Das Verkehrskonzept geht nicht auf", sagt er. "Viele Menschen in Freiham brauchen ein Auto." Eben weil die ÖPNV-Anbindung so schlecht sei.

Muss sich Freiham auf ein Verkehrschaos einstellen?

Müller ist kein CSUler, er sitzt als Parteiloser für die ÖDP im örtlichen Bezirksausschuss und er ist Vorsitzender der Bürgervereinigung Aubing-Neuaubing.

Er befürchtet, dass Freiham im "absoluten Verkehrs-Chaos" versinkt, wenn die Stadt das Neubau-Viertel weiter baut – ohne gleichzeitig eine U-Bahn-Anbindung zu schaffen.

30.000 Menschen sollen in Freiham leben

Momentan leben etwa 8500 Menschen in Freiham. Bis 2040 sollen es in Europas größtem Neubaugebiet rund 30.000 Einwohner werden. Plus 15.000 Arbeitsplätze. Nicht nur Müller treibt gerade die Sorge um, das Rathaus könnte die geplante Verlängerung der U5 verschieben. Denn schließlich bewirbt sich die Stadt für Olympia – und hat dafür auch vor, die U4 zu einem zukünftigen Olympischen Dorf im Nordosten zu verlängern und eine U9 durch die Innenstadt zu bauen. Dass das Rathaus gleichzeitig drei U-Bahnen baut, halten Menschen, die sich in der Verwaltung gut auskennen, für wenig realistisch.

Vor einer Woche sollte der Stadtrat im Bauausschuss 41,9 Millionen Euro für die weitere Planung der U5-Verlängerung nach Freiham bewilligen. Doch er vertagte den Beschluss – bereits zum zweiten Mal.

"Wir sind alarmiert", sagt Jürgen Müller. Schon vor dem Bürgerentscheid zu Olympia habe er gewarnt, dass das Rathaus seine Prioritäten womöglich verschieben werde. Denn Freiham kommt im Olympia-Konzept nicht vor.

Seine Bürgervereinigung fordert nun in einer Mitteilung, ein "klares politisches Bekenntnis zur Verlängerung der U5". Die nächsten Planungsschritte müssten "unverzüglich" beauftragt werden.

Auch eine neue Tram, von der zum Beispiel Die Linke sagt, sie würde schneller gehen, müsste geplant, finanziert und gebaut werden, so Müller. Noch gibt es dafür nicht einmal eine Machbarkeitsstudie. Diese hat der Stadtrat vor zwei Jahren aus finanziellen Gründen auf irgendwann nach 2029 verschoben.

Darum hat die SPD eine Vertagung veranlasst

Die Planungen für die U5 hingegen sind weit. Sogar an einem Vorhaltebauwerk für den zukünftigen Bahnhof in Freiham baut die Stadt schon. Müller kann deshalb nicht nachvollziehen, warum der Stadtrat eine Entscheidung nun schon zweimal verschoben hat.

Beratungsbedarf hatte vor allem die SPD. Stadtrat Felix Lang erklärt das so: Auch seine Fraktion wolle einen guten ÖPNV, der nur mit einer U-Bahn funktioniere. Jedoch: "Aktuell diskutieren wir über U4, U5 und U9 – all das wird enorm viel Geld kosten und ohne Fördermittel von Bund und Land nicht gehen. Deshalb müssen Finanzierungsbeschlüsse warten, bis wir eine Aussicht auf konkrete Förderzusagen haben."

Seine Fraktion habe sicherstellen wollen, dass die Entscheidung zur Fortführung der Planung noch keine Entscheidung über den Bau sei. Das sei inzwischen klar, sodass die SPD der Beschlussvorlage in der Vollversammlung am 21. Oktober zustimmen könne.

Auch die Grünen, CSU, Volt und ÖDP wollen weiter an der U-Bahn planen. Doch wann sie tatsächlich gebaut wird, das wird auch nach der nächsten Vollversammlung wohl noch eine ganze Weile unklar bleiben.

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