Wohnzimmer der Boheme

Das Petit Café war früher ein schwuler Treffpunkt für Szenegrößen wie Freddie Mercury oder Rainer Werner Fassbinder. Jetzt ist das Lokal wieder eine Künstler-Bar.
| Florian Zick
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Im Petit Café gingen früher Freddie Mercury und Rainer Werner Fassbinder ein und aus. Jetzt ist das Lokal wieder eine Künstler-Bar.

Manch einer würde sagen, das ist ein Schatz: ein Nacktbild von Barbara Valentin. Aber der Rahmen ist gebrochen, und zum Reparieren fehlt die Zeit. Deswegen steht das Bild gerade bei Gabriel Donida zu Hause.

Man muss dazu sagen: Platz dafür wäre im Petit Café ohnehin kaum. Die Wände sind voll mit Bildern von Freddie Mercury, Rainer Werner Fassbinder und halbnackten Dolce-&-Gabbana-Jungs: allesamt Erinnerungen an die schwule Vergangenheit dieses kleinen Lokals gegenüber vom Mandarin Oriental. Aber auch die Schauspielerin Barbara Valentin war hier Stammgast. Und deren glamourös-skandalumwitterter Lebensstil würde gar nicht so schlecht zum Petit Café passen.

Als Gabriel Donida, von Beruf eigentlich Marketing-Direktor bei einer exklusiven Reiseagentur, das Petit Café vergangenen Herbst übernommen hat, wollte er den Bohème-Charakter des Lokals erhalten. Mercury und Fassbinder hatten hier alle Exzesse gefeiert, die in einem Künstlerleben denkbar sind. Ganz so wild geht es nun nicht mehr zu, eine gewisse Exzentrik ist dem Petit Café aber immer noch eigen.

Abends, wenn Josephine Baker oder Eartha Kitt aus den Lautsprechern klingen, hüllen um die 30 Kerzen das Lokal in ein dramatisches Licht. Auf einer Leinwand läuft dann „Das Bildnis des Dorian Gray”, und man hat das Gefühl, die Dreißiger Jahre würden auferstehen.

In dieser Grammophon-Atmosphäre serviert Donida ausgesuchte Weine und Cocktails, die nach den früheren Protagonisten des Lokals benannt sind, etwa den „Fassbinder Sour” (9 Euro), oder den „Affaire Mercury” mit einem französischen Rhabarber-Likör als Basis (8,10 Euro).

Dazu kann man sich – was zunächst zweifelsohne abgehoben klingt – Foie Gras oder Kaviar bestellen (jeweils 19,50Euro). Die eigentliche Idee sei es jedoch, ganz banal „das Wohnzimmer von München zu sein”. Im Petit Café gehe es sehr entspannt zu, sagt Donida und entschuldigt sich beim Gespräch als Beleg dafür für seinen Aufzug. Denn einen Anzug, den trage er in seinem Lokal nun wirklich nicht jeden Tag.

Marienstraße 2, Do. bis Sa. 18-22 Uhr, Tel. 29 56 72

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