Schyrenbad: Waffeln von Tante Renate

Nostalgie an der Isar: Vieles von dem, was der Kiosk im Schyrenbad anbietet, schmeckt nach der guten alten Zeit, in der die Eltern von heute noch Kinder waren
| Thierry Backes
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Nur für Bad-Besucher: Der Kiosk im Schyrenbad ist von außen nicht zugänglich. Ob er öffnet, entscheidet Renate Seuß nach Wetterlage.
Gregor Feindt 2 Nur für Bad-Besucher: Der Kiosk im Schyrenbad ist von außen nicht zugänglich. Ob er öffnet, entscheidet Renate Seuß nach Wetterlage.
Wie im guten alten Tante-Emma-Laden: Am Schyrenbad-Kiosk kann man Süßigkeiten noch einzeln kaufen.
Gregor Feindt 2 Wie im guten alten Tante-Emma-Laden: Am Schyrenbad-Kiosk kann man Süßigkeiten noch einzeln kaufen.

Nostalgie an der Isar: Vieles von dem, was der Kiosk im Schyrenbad anbietet, schmeckt nach der guten alten Zeit, in der die Eltern von heute noch Kinder waren

Manchmal weiß Renate Seuß (59) nicht, wem sie zuerst einen Lutscher in die Hand drücken soll. Dem kleinen Bub, der begierig darauf wartet, oder seiner Mama, die in Erinnerungen schwelgt: „Kuck mal, bei der Dame habe ich früher schon meine Lollis gekauft.”

Wer vor dem Kiosk im Schyrenbad steht, den Seuß seit 1984 führt, der fühlt sich unweigerlich an die eigene Kindheit erinnert. In der Auslage stehen Plastik-Boxen mit bunten Bonbons, die man wie in der guten alten Zeit noch einzeln kaufen kann. Die saure Cola-Flasche gibt es schon für zehn, die Lakritz-Schnecke für 20 Cent – „damit die Kinder auch etwas haben von ihrem Taschengeld”, sagt Seuß.

Junge Mütter greifen indes gerne zur „Schyrenwaffel” für 50 Cent. Nicht, dass es die woanders nicht gäbe, erklärt die Hotelkauffrau, aber, ach ja, die Nostalgie. „Wenn die das noch von früher kennen, ist es ihnen egal, ob das jetzt gut oder schlecht ist für die Figur.”

In 28 Jahren hat Renate Seuß viel gelernt über ihre Gäste. Einige kennt sie schon seit Jahren: „Der eine trinkt sein Radler mit wenig Limo, der andere mag zwei Stück Zucker zu seinem Kaffee. Und wenn ein Stammgast sich Ende Mai immer noch nicht hat blicken lassen, dann fragt man eben mal rum, ob dem etwas passiert ist.”

Sicher ist: Im Schyrenbad geht es etwas ruhiger zu als in anderen Freibädern. „Wir haben hier fast keine jugendlichen Cliquen”, sagt Seuß, „eher ein älteres Publikum und Familien mit Kindern.”
Was freilich nicht heißt, dass die üblichen Snacks hier nicht verkauft werden. Jeden Tag kritzelt Renate Seuß auf eine Tafel, ab wie viel Uhr es Pommes gibt (für 2 Euro, Ketchup und Mayo inklusive). Ein Paar Wiener mit Semmel und Senf kostet 2,40 Euro, eine kalte Fleischpflanzerlsemmel 2,50 Euro. Eis wird direkt neben dem Kiosk verkauft. Nur dort, leider: Der schöne Eiswagen von der Internationalen Gartenschau 1983, den Seuß so lange in Betrieb hatte, hat die Zeit nicht überdauert.

Der Sommer 2012 laufe zwar noch nicht gut, sagt Renate Seuß, ein Desaster sei das aber nicht: „Ich habe nach so langer Zeit immer noch große Freude daran, hier zu arbeiten.” Die erwachsenen Kinder ihrer Schwägerin helfen ihr hinter dem Tresen, überhaupt die ganze Familie, „und ganz ehrlich: So oft wie im Sommer sehen wir uns im Winter nicht.”
 

Im Schyrenbad, Claude-Lorrain-Straße 24, täglich geöffnet nur bei gutem Wetter von 9 bis 18 oder 20 Uhr

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