Schluss im September: Beliebte Weinbar am Odeonsplatz macht vorerst dicht – Wirte beklagen Probleme
Frankenwein hatte nicht immer einen einfachen Status im Rest Bayerns. Silvaner, Müller-Thurgau oder Bacchus waren gerade in München lange Zeit nicht die Tropfen erster Wahl. Durch die Nähe zu südlichen Anbaugebieten griff man oftmals lieber zu Lugana, Pinot Grigio oder Chardonnay aus dem Ausland.
Inzwischen ist der Frankenwein aus der Stadt kaum noch wegzudenken. Zentrale Verkaufsstellen wie der Ratskeller sorgten über Jahrzehnte für eine regelrechte Schwemme der besonders mineralischen Weine. Doch das traditionsreiche Lokal, mit rund 100.000 Litern pro Jahr lange Zeit der größte Ausschank fränkischen Weins außerhalb Frankens, schloss Ende 2025 endgültig.
19.000 Liter Frankenwein pro Jahr: Rückschlag für Weinverband
Nun folgt der nächste Einschnitt: Wie die SZ zuerst berichtete, geben im September auch die Betreiber der Frank Weinbar am Odeonsplatz auf. Grund ist ausgerechnet ein Zerwürfnis mit dem Fränkischen Weinbauverband. Laut Zahlen der Betreiberin fließt in München dadurch jährlich noch einmal rund 19.000 Liter weniger Frankenwein.
„Erlöst“ fühlt sie sich, sagt Candy Calligaro beim Besuch der AZ in ihrer Frank Weinbar am Odeonsplatz. Auch wenn sie das später im Gespräch als etwas zu drastisch relativiert, wird klar, dass Calligaro und Mitbetreiber Felix Neuner-Duttenhofer ab September wohl weniger Sorgen und Ärger haben. Hauptgrund für das Aus sei die aus ihrer Sicht fehlende Kompromissbereitschaft des Verbands.
Hauptgrund: Fehlende Vertragssicherheit
Ursprünglich sei der Pachtvertrag mit dem Fränkischen Weinbauverband auf fünf Jahre angelegt gewesen, zuletzt habe es jedoch nur noch Jahresverträge gegeben. „Letztendlich kannst du dadurch jedes Jahr gekündigt werden – und dann wird es schwierig“, sagt Calligaro. Investitionen, Personalplanung, langfristige Konzepte: All das sei unter solchen Bedingungen kaum kalkulierbar. Gewünscht habe sie sich einen Vertrag über mehrere Jahre.
Hinzu kam ein weiterer Streitpunkt: eine sogenannte „Reinvestitionspacht“. 2018, als Calligaro und ihr Partner die Weinbar übernahmen, hatte der Weinbauverband gemeinsam mit zehn fränkischen Winzern eine GmbH gegründet und Geld in den Umbau des Lokals investiert. Diese Summe wurde über eine Investitionspacht refinanziert – sie wäre nach Angaben der Wirtin in diesem Jahr ausgelaufen.
Winzer wurden teilweise vom Verband vorgegeben
Doch der Verband habe nun darüber hinaus eine zusätzliche Reinvestitionspacht für etwaige künftige Investitionen verlangt. Für Calligaro unverständlich: „Das ist utopisch“, sagt sie. „Ich bin doch nicht dafür da, dass die Franken ihr Geld verdienen.“
Von Beginn an verpflichteten sich die Betreiber zudem, die Weine der beteiligten zehn Winzer abzunehmen – laut Calligaro zu marktüblichen Konditionen. Dadurch sei die Gestaltung der Weinkarte aber eingeschränkt gewesen. Erst später habe man die Erlaubnis bekommen, auch weitere fränkische Weingüter aufnehmen zu dürfen.

Zuletzt forderten die Betreiber volle Freiheit bei der Auswahl der fränkischen Weine.
Calligaro ist überzeugt, genau zu wissen, was in München gefragt ist. „Wir haben Gäste, die geben zu zweit 800 Euro aus und freuen sich“, sagt sie. In Franken würde man ein derartiges Konsumverhalten nicht kennen. Der Erfolg sei vor allem ihr und ihrem Team zu verdanken. „Frankenwein hatte lange ein eingestaubtes Image. Wir haben hier in München echte Pionierarbeit geleistet.“
Auch Vorgaben der Stadt verursachen Probleme
Nicht nur der Verband, auch die Stadt habe den Betrieb der Weinbar erschwert, berichtet Calligaro. Regelmäßig hätten Veranstaltungen – spontane wie geplante – dazu geführt, dass die Außengastronomie kurzfristig habe geräumt werden müssen. Tische und Stühle mussten ins Innere geschafft, der Betrieb dadurch eingestellt werden.
Vor allem die Kommunikation der Stadt kritisiert die Gastronomin. Beim München-Marathon letzten Oktober etwa habe niemand darauf hingewiesen, dass die Strecke direkt am Lokal vorbeiführt. Kurzfristig habe man also auch an diesem Tag schließen müssen.
Endgültige Schließung im September
Nun ziehen die Betreiber endgültig einen Schlussstrich und sperren im September zu. Für den fränkischen Weinbau ein weiterer Rückschlag in der Landeshauptstadt.
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