Hummer am Bistrotisch

Nirgends kommt das Essen so frisch auf die Teller wie hier: Die Gäste im Schlachthof speisen an der Quelle. Heute: Atlantik Fisch
| Laura Kaufmann
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Gastronom Peter Feigl (ganz rechts) hat mit einem Fischhandel angefangen – aber seine Kochkünste waren gefragt.
Daniel von Loeper 2 Gastronom Peter Feigl (ganz rechts) hat mit einem Fischhandel angefangen – aber seine Kochkünste waren gefragt.
Früher war’s ein Verwaltungsbau – jetzt tanzen die Gäste hinter der knallroten Tür, sobald der Fisch verputzt ist.
Daniel von Loeper 2 Früher war’s ein Verwaltungsbau – jetzt tanzen die Gäste hinter der knallroten Tür, sobald der Fisch verputzt ist.

Es gibt Lokale, hinter denen steckt ein Konzept und ein Kostenplan, und nach der Eröffnung zeigt sich, ob das aufgeht oder eben nicht. Und es gibt Lokale, die wachsen so natürlich aus einer Atmosphäre wie die Pflanze aus dem Samenkorn. Das Atlantik Fisch ist so eines – geplant war es nie, obwohl der Wirt Peter Feigl ein gelernter Koch ist. Die Ausbildung führte in nach New York, „der Fischmarkt hat mich fasziniert“, sagt er.

Zurück in München zog er seinen eigenen Fischhandel auf, im ehemaligen Kassen- und Verwaltungsgebäude des Schlachthofs. Ein Backsteinbau mit knallroter Tür, hinter der Blue-Fin-Tuna und Langusten auf den Transport zu edlen Adressen wie dem Tantris oder dem Aubergine warteten. Aber Peter Feigl ist eben Koch – und wenn ihn Freunde besuchten, zauberte er ihnen etwas Feines aus den Lieferungen. Weil er bald auch mit Wein handelte, gab es zu trinken, die Freunde und deren Freunde kamen öfter, und Feigl stellte zwei Bistrotische in den Laden.

„Früher ging’s um zehn Uhr los mit Feierstimmung, ab 1 Uhr war’s Nahkampf, die Wein- und Champagnerflaschen lagen in den Eiskisten der Fische zum Kühlen – und um 6 Uhr abends standen erwachsene Männer auf dem Tresen und haben Udo Jürgens gesungen“, sagt Feigl. Den Handel hat er irgendwann eingestellt und sich ganz dem Lokal gewidmet, den Charme des Provisorischen dabei bewahrt.

Die Gäste sitzen zum Großteil immer noch an Bistrotischen, den Wein gibt es nur Flaschenweise (ab 39 Euro), den Fisch muss der Gast selbst filetieren, selbst wenn’s ein Loup de Mer für sechs Personen ist (29 Euro pro Person). Aus ehemaligen Kühlräumen sind private Nebenräume geworden, die Geschäftsleute mittags für Besprechungen nutzen und dabei das „Quickie Lunch“ für 30 Euro verspeisen.

Die ausgelassene Stimmung ist geblieben und für viele immer noch der Grund, das Atlantik Fisch aufzusuchen. „Auch die, die es sich leisten können, wollen nicht immer in einer steifen Atmosphäre an gestärkten Tischdecken sitzen“, sagt Miriam Feigl, die mal als Gast wegen des guten Essens kam, sich in das Lokal verliebte und dann in den Wirt.

Mit seinem bodenständig-bayerischen Esprit kommt der auch bei den übrigen Gästen an, nicht wenige gehen „zum Peter“ statt ins Atlantik Fisch. Der serviert den feinen Blue-Fin-Tuna aus Portugal jetzt als Sashimi (16,50), statt ihn weiterzuverkaufen, bringt Hummer und Austern vom Salzwasserbecken im Lokal über einen kurzen Umweg in die Küche auf die Teller und schreibt die Fische des Tages von Dorade bis Seezunge vom Grill mit Kreide auf die Tafel.

Je später der Abend, desto lauter knallen die Champagnerkorken – und DJs, die hier schon Anfang der 90er die Gäste zum Tanzen gebracht haben, sorgen dafür, das die Nächte meist lang und immer lustig sind.


 Zenettistraße 12 Di. bis Sa. 12 bis 15 Uhr und ab 19 Uhr, www.atlantikfisch-muenchen.de, Tel.: 74 79 06 10

 

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