"Es ist überall Wasser": Schwerer Schaden für Münchner Modehaus
Ein Wasserschaden hat in den Hirmer-Räumlichkeiten in der Innenstadt seine Spuren und damit enorme Schäden hinterlassen. Der Nachteil für den Herrenausstatter verwandelt sich für die Kundschaft allerdings in einen Vorteil.
Wasserschaden bei Hirmer entpuppt sich als einmalige Gelegenheit für Kunden
"Alles muss raus, wir renovieren", lautet die eindeutige Ansage des Geschäftshauses in der Kaufingerstraße. Der Wasserschaden zwingt die Verantwortlichen zum Umbau und zum Handeln. Und so entpuppt sich das Ganze als Gelegenheit für die Kunden. Nur für kurze Zeit – genauer gesagt bis einschließlich 7. Juni – gibt es 30 Prozent, allerdings auf nicht reduzierte Ware. Also "auf erlesene Menswear, Lieblingsmarken und exklusive Styles", wie Hirmer verspricht.

Der Herrenausstatter braucht Kapazitäten für die Zwischenlagerung von Ware und für die Renovierung. Bei laufendem Betrieb und in mitunter nicht mehr ganz so gemütlicher Atmosphäre gibt's jetzt also echte Schnäppchen zu ergattern. So kostet beispielsweise ein Anzug von Hugo Boss statt 599 Euro jetzt 419,30 Euro.
Verkaufsleiter Thomas: "Wir machen jetzt das Beste daraus"
Selbstverständlich wird nur unbeschädigte Ware verkauft. "Gerade für Sommergarderobe wie Poloshirts haben wir bei diesen Temperaturen sensationelle Angebote", sagt Hirmer-Verkaufsleiter David Thomas am Donnerstag der AZ.

Angesichts der chaotischen Gesamtsituation und der vielen offenen Fragen wirkt der Mann sehr entspannt: "Es hilft ja auch nichts. Wir können es nicht ändern und machen jetzt das Beste daraus."
Wasser läuft zwei Tage lang, fünf der sechs Stockwerke sind betroffen
Zwei Tage lang sei das Wasser gelaufen, erzählt Thomas. Am Dienstagmorgen, also unmittelbar nach Pfingsten, habe ihn die Reinigungsfirma angerufen: "Es ist überall Wasser, hieß es!"
Fünf der insgesamt sechs Stockwerke sind laut Thomas betroffen, im fünften Stock mit den Büros und der hauseigenen Schneiderei ging's los, das Wasser lief durch Decken und Wände bis hinunter ins zweite Untergeschoss. "Auf den Böden stand teilweise das Wasser", berichtet der Verkaufsleiter.
Jetzt geben sich bei Hirmer die Experten die Klinke in die Hand
Die betroffenen Flächen sind mit rot-weißem Flatterband abgesperrt, und Thomas bittet die Kundschaft um Verständnis für das doch etwas andere Shoppinggefühl.
Jetzt geben sich bei Hirmer die Experten die Klinke in die Hand. "Erste Termine mit den Handwerkern haben wir gemacht, überall laufen Lüftungsgeräte, die den Boden trocken und die Luft reinigen sollen, in jedem Stockwerk muss die Decke geöffnet werden, Teppiche und Böden werden erneuert. Die Elektrik hat's auch erwischt." Und selbstverständlich ist auch "ein beträchtlicher Teil der Ware" hin.

Wo genau die Ursache für das Desaster liegt, müssen jetzt die Prüfspezialisten der Versicherung herausfinden. Klar ist bereits jetzt: Der Schaden ist immens.
Verkauf des Stammhauses stockt
Das Hirmer-Stammhaus war zuletzt mehrfach in die Schlagzeilen geraten. Monatelang hatte das Münchner Traditionsunternehmen Hirmer dementiert, dass es sich von dem Gebäude, das bereits 1914 als Münchner Filiale des damals deutschlandweit renommierten Herrenausstatters Bamberger & Hertz eröffnet wurde, trennen will. Im Herbst 2025 war es dann fix, berichtete die AZ. Beim Grundbuchamt lag der notarielle Kaufvertrag vom 30. September vor.
Demnach hat die MW Hirmer GmbH & Co. KG mit Sitz in Andechs das Grundstück für 124 Millionen Euro an die CR Mitte 2 GmbH & Co. KG verkauft. Indirekter Geschäftsführer dieser Gesellschaft ist der Münchner Immobilienunternehmer und Wirtschaftsanwalt Erich Schwaiger (56). Allerdings stockt der Verkauf derzeit, weil ein Dokument fehlt – ein 40 Millionen Euro schwerer Grundschulbrief. Solange dieser nicht auffindbar ist, ist eine Übertragung des Eigentums nicht möglich.
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