"Es gibt noch viel Luft nach oben": Diese Forderungen haben Klima-Aktivisten und Naturschützer vor der Kommunalwahl
Im Hintergrund sieht man die Frauenkirche und das Münchner Rathaus. Davor stehen Wohnhäuser mit Holzfassaden, mit begrünten Balkonen. Auf den Straßen wachsen Bäume. Menschen sitzen oder spazieren auf der Straße. Autos gibt es keine. Dafür ist da ein Weiher. So sieht das Bild von München aus, das Sabine Krieger, die stellvertretende Vorsitzende des Bund Naturschutz, von einer KI hat erstellen lassen und das an diesem Dienstagvormittag auf einer Dachterrasse im Werksviertel aufgestellt ist.
So in etwa stellen sich Krieger und Vertreter von 80 Organisationen und Unternehmen das ideale München vor. Sie haben sich zum Bündnis "Stadt für alle" zusammengeschlossen und präsentieren jetzt ihre Forderungen für die Kommunalwahl. Zum Bündnis gehören zum Beispiel Greencity, der Radentscheid, der ADFC, Fridays for Future, das Tollwood und Vollcorner.
"Wir wollen nicht gegen etwas arbeiten, sondern für eine Vision, für ein lebenswertes München", sagt Fenya Kirst von "Protect the Planet", das ist eine Organisation, die sich für Klimaschutz einsetzt. Alle Forderungen, die das Bündnis aufgestellt habe, seien umsetzbar. Ziel sei, konstruktiv mit dem neugewählten Stadtrat zusammen zu arbeiten, und zwar über die nächsten sechs Jahre hinaus.

Manche Forderungen, die das Bündnis nun aufstellt, hat sich die grün-rote Stadtregierung auch zum Ziel gesetzt. Zum Beispiel, dass 30 Prozent der Stadt von Baumkronen überschattet sein sollen. Oder dass der nächste Park nur 300 Meter weit weg sein sollte. Auch Superblocks wie in Barcelona zu schaffen, die Stadtbäche freizulegen und im Tal eine Fußgängerzone zu schaffen, stand schon im Koalitionsvertrag – nur hat es das Rathaus noch nicht umgesetzt. Ach ja – und über die Sonnenstraße hat Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher vor zwei Jahren gesagt: "Auch wenn es noch ein bisschen dauern wird: Der graue Asphalt östlich der Tramtrasse wird sich in einen grünen Boulevard mit Bäumen, Bänken und Brunnen verwandeln." Weitergekommen ist das Rathaus auch hier noch nicht.
"Die Hoffnung war groß, als die Stadtregierung angefangen hat, doch an der Umsetzung hat es gehapert", sagt Krieger. Beim Naturschutz sei sehr wenig passiert. Zwar seien ein paar Radwege gebaut worden, doch: "Es gibt noch viel Luft nach oben." Ihrer Beobachtung nach haben sich die Grünen auch deshalb so schwergetan, ihre Ziele umzusetzen, "weil der Oberbürgermeister diese Themen für nicht sehr wichtig hält".
"Bisher hat er sich nicht so sehr für uns interessiert, doch unsere Hoffnung ist, mit ihm ins Gespräch zu kommen", sagt Jana Häfner von Fridays for Future. Überhaupt spreche das Bündnis mit allen Parteien außer der AfD. Und tatsächlich fordert das Bündnis nicht bloß mehr Radlwege, ÖPNV und Bäume. Es geht auch darum, leer stehende Büros in Wohnungen umzuwandeln, in Kitas, Schulen und Kantinen besseres Essen anzubieten und Solar-Energie und Fernwärme auszubauen.

