Eisbachwelle: OB Reiter schaltet sich ein
Über die Feiertage, als Münchens OB Urlaub hatte, war von ihm zum Thema Eisbachwelle nichts zu hören. Nichts dazu, dass Surfer in der Nacht von Heiligabend ohne Genehmigung ein Brett in den Eisbach gehängt und so eine surfbare Welle hergestellt hatten. Und nicht dazu, dass die Stadtverwaltung die Konstruktion sofort wieder entfernen ließ (AZ berichtete). Den Vorgang kommentierte stattdessen Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) – und rüffelte ihre Verwaltung.
"Ich will auf jeden Fall ..."
An seinem ersten Arbeitstag am Montag aber postete OB Dieter Reiter (SPD) eine Videobotschaft auf seinem Instagram-Kanal: Aus der Surferaktion habe er "etwas Positives mitgenommen. Nämlich, dass es geht! Potzblitz, man kann die Welle relativ schnell wieder aufbauen." Noch diese Woche wolle er Surfervertreter und seine Fachleute zusammenbringen und diskutieren, "was man einbaut".
Rechtssicher soll das funktionieren, "und vor allem so, dass niemandem was passiert." Ganz klar sagt er: "Ich will auf jeden Fall, dass im Frühjahr wieder gesurft werden kann."

Ein sportlicher Zeitplan
Noch im Frühjahr? Das ist ein sportliches Ziel. Denn seit Wochen bewegt sich kaum noch was in Sachen Rettung der Eisbachwelle. Nachdem im Oktober mit der letzten Bachauskehr die weltberühmte Fluss-Surferwelle am Englischen Garten sich nicht mehr aufgebaut hatte – vermutlich, weil die städtischen Bachreiniger zu viel Kies und Lehm aus dem Bachbett geputzt hatten – hat es Mitte November erst einen wissenschaftlichen Vorversuch gegeben, die Flusswelle künstlich wieder herzustellen.
Drei Monate mindestens für den Hauptversuch
Anfang Dezember hätte ein Hauptversuch beginnen sollen, geleitet vom Strömungsexperten Robert Meier-Staude von der Hochschule München (HM). Dazu sollten drei Bretter (über Seile an der Eisbachbrücke) so in den Eisbach gehängt werden, dass sich im Bachbett neu zugeführter Kies anlagert und eine dauerhafte Surferwelle herstellen kann. Ähnliche „Rampen“ hatten Surfer über Jahre immer wieder – weitgehend unbemerkt – in den Eisbach gehängt, um die Welle zu stabilisieren. Das ist seit letztem Sommer verboten.
Der Hauptversuch zur Wellenrettung sollte drei Monate dauern, hieß es. Mindestens.

Blockade mit "übertriebenen Auflagen"?
Nur: Den Wasserrechtsantrag für den Einbau, den die Surfercommunity mit der HM noch am 26. November gestellt hat, hat das fürs Wasserrecht zuständige Umweltreferat der Stadt noch immer nicht genehmigt. Die Verwaltung blockiere mit übertriebenen Auflagen den Versuch, die Welle zu retten, kritisierten die Surfer. Der Surf Club München ließ am 25. Dezember wissen, dass die Antragsteller das Verfahren abgebrochen hätten. Der HM-Professor Meier-Staude, heißt es, habe sich – offenbar entnervt über die Auflagen – als Autor des Antrags zurückgezogen.
Reiter will das Gespräch selbst leiten
Nun soll am Freitag das angekündigte OB-Treffen mit den beiden Wellenreitervereinen, der Interessengemeinschaft Surfen in München (IGSM) und dem Surf Club München, und Fachleuten aus der Verwaltung stattfinden, das bestätigt eine OB-Sprecherin auf AZ-Nachfrage. Dieter Reiter werde das Gespräch selbst leiten.

Verwaltung soll Auflagen zurücknehmen
Was das Ziel ist? Die Surfercommunity will fürs Erste erreichen, dass die Verwaltung einige Auflagen zurücknimmt. Darunter die permanente "Rufbereitschaft" während des Hauptversuchs für die Surfcommunity. Innerhalb einer halben Stunde soll jederzeit jemand an den Eisbach kommen können, um notfalls die Bretter aus dem Wasser zu holen. "Das können wir nicht leisten", sagt einer aus der Surfcommunity zur AZ. Zumal es mehr als eine Person brauche, um die Rampe zu entfernen. Auf AZ-Nachfrage begründet das Umweltreferat diese Auflage damit, dass sich "Personen, Gegenstände, Treibgut" aber auch in den Bach geworfene Räder oder Roller in der Rampe verfangen könnten. In solchen Notfällen könne "das sofortige Entfernen der Einbauten erforderlich" sein.
"Es ginge doch alles viel schneller ..."
Auch den verpflichtenden "Statik-Nachweis" wollen die Surferinnen und Surfer aus den Auflagen gestrichen haben. Mit diesem Nachweis sollen die Surfer laut Umweltreferat belegen, dass die Haken, mit denen die Rampenseile am Brückenpfeiler befestigt sind, nicht ausbrechen können.
"Dazu müssten wir von der Stadt Pläne für die Brücke bekommen, dann einen externen Bauingenieur mit einem Statik-Gutachten beauftragen, das dann wieder die Stadt prüft", erklärt ein Surfer. "Es ginge doch alles viel schneller, wenn die Stadt, die alle Pläne hat, den Statik-Nachweis selber erbringt."
"Damit überhaupt jetzt mal was passiert"
Was den Surferinnen und Surfern freilich am liebsten wäre: "Wir würden uns wünschen, dass die Stadt den Wasserrechtsantrag selbst stellt und sich selbst genehmigt. Damit überhaupt jetzt mal was passiert." Und übrigens: Ihr Antrag sei nicht "zurückgezogen", wie es in der Öffentlichkeit verstanden worden sei. Er liege nur "auf Eis".
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