Ein Plan fürs Feiern: So will man im Viertel den Gärtnerplatz befrieden

Zu voll, zu laut, zu dreckig, finden Anwohner. Jetzt soll die Stadt Party-Regeln für den Gärtnerplatz erarbeiten. Alkoholverbot? Durchaus denkbar für den beliebten Platz.
| Eva von Steinburg
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Die Polizei ist oft am Gärtnerplatz unterwegs.
Die Polizei ist oft am Gärtnerplatz unterwegs. © Peter Kneffel/dpa

München - Der Gärtnerplatz, ganz mit Rosen bepflanzt - solche Ideen kommen von Anwohnern, die sich im Sommer vom Party-Volk auf dem Rondell gestört fühlen.

Eine Schließung des Platzes für Menschen wollen die örtlichen Lokalpolitiker jedoch nicht: "Vom Zubetonieren oder so halte ich nichts, aber es darf 2021 etwas ungemütlicher werden. Müllcontainer müssen her. Größere Pflanzkübel können helfen, dass Menschen hier in Zukunft nicht in 20er-Gruppen zusammensitzen, sondern vielleicht zu sechst", erklärt Arne Brach, Fraktionsvorsitzender von Die Grünen/Rosa Liste im Bezirksausschuss Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt. Der 43-Jährige sagt: Der "einladende Charakter" des Gärtnerplatzes, auch für Leute, die mittags auf dem Gras Picknick machen, solle "unbedingt erhalten bleiben".

Lokalpolitiker fordern Party-Regeln für den Gärtnerplatz

Damit die Saison 2021 nicht erneut aus dem Ruder läuft, haben die Lokalpolitiker jetzt Party-Regeln für den Platz gefordert: Die Stadt soll innerhalb von sechs Wochen einen Stufenplan präsentieren: Wann und wie sie eingreifen wird. "Wir brauchen einen klaren Plan für verschiedene Szenarien. Wir wollen vorbereitet sein, damit es dieses Jahr besser läuft", sagt Benoît Blaser (44), der Grüne Chef des BA Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt.

Denn das Lärm- und Müllproblem, das Feiernde verursachen, ist brisant: Zählungen haben ergeben, dass sich in warmen Nächten auf dem kleinen Gärtnerplatz-Rondell bis zu über 1000 Leute treffen. Allein im August 2020 hat die Polizei den Platz zehn Mal geräumt. 140 Anwohner und Geschäftsleute hatten sich letzten Sommer bei OB Dieter Reiter (SPD) beschwert: Es brauche eine Lösung. Die Anwohner fänden kaum Schlaf.

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Sie sollen jetzt die Party-Regeln für den Gärtnerplatz erarbeiten: Die Gruppe von Akim (zuständig für Konfliktmanagement) im Sozialreferat zusammen mit der Polizei und dem KVR.

Information wird die erste Aktivität innerhalb des Stufenplans sein: Gärtnerplatz-Anwohner sollen noch vor Beginn der Feier-Saison Flyer in ihre Briefkästen bekommen, mit Infos über die Maßnahmen, die Stadt und Polizei durchsetzen können. Dazu werden die Telefonnummern von Ansprechpartnern angegeben, die bei Ruhestörung kontaktiert werden können.

Alkoholverbot als Party-Bremse?

Eine klare Regel könnte beispielsweise lauten: "Ab 21 Uhr ist am Gärtnerplatz keine Musik aus Boxen und Verstärkern erlaubt", erläutert Arne Brach.

Die Streetworker von Akim zählen jetzt schon die Menschen am Gärtnerplatz und schätzen den Lärmpegel ein. Der BA hat einstimmig gefordert, dass in Zukunft für alle klar sein muss, ab welchem Zeitpunkt wer interveniert: Angedacht ist, dass bis 22 Uhr die Streetworker von Akim zuständig sind, danach erst die Polizei.

Als wirksame Party-Bremse können sich die Stadtviertelparlamentarier auch ein Alkoholverbot vorstellen. "Es muss genau definiert sein, wie bei geschlossenen oder offenen Clubs gehandelt wird - und wie bei welchen Abstandsregeln", sagt Benoît Blaser. Was er befürwortet: "Das ist ein Wohnviertel. Handzettel sollen auch die Feiernden zur Rücksicht auffordern. Die Toilettenanlage in der Corneliusstraße samt Hinweisschildern soll wieder aufgestellt werden."

Als kultiger Treffpunkt junger Leute steht der Gärtnerplatz inzwischen in fast jedem Münchenführer. Bei coronabedingt geschlossenen Clubs fordern die Lokalpolitiker von der Stadtverwaltung nun konkrete Alternativen: Neue Orte in München, an denen abends junge Menschen zusammenkommen können.

Ihre Ideen: Die Stadt solle zulassen, dass die Theresienwiese im Sommer nachts genutzt wird - oder auch der Olympiapark.

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