Ein Jahr nach OEZ-Amoklauf: Vorwürfe gegen Kultusministerium

Die Polizei hat aus dem Amoklauf Konsequenzen gezogen – Bayerns Schulen nicht, kritisiert Politikerin Eva Gottstein.          
| Anja Perkuhn
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Die stellvertretende Vorsitzende des Innenausschusses Eva Gottstein kritisiert das Kultusministerium
dpa Die stellvertretende Vorsitzende des Innenausschusses Eva Gottstein kritisiert das Kultusministerium

Die Polizei hat aus dem Amoklauf Konsequenzen gezogen – Bayerns Schulen nicht, kritisiert Politikerin Eva Gottstein.

Eva Gottstein hat vergleichsweise viel Verständnis: Die stellvertretende Vorsitzende des Innenausschusses und Landtagsabgeordnete (Freie Wähler) war vor einigen Jahren noch Direktorin an einer Realschule und Beratungslehrerin. Sie weiß, dass es an Schulen nur schwer möglich ist, jede Entwicklung und jeden Zwischenfall zu betreuen. Umso dringender will sie ihre Fragen beantwortet haben, die sie bereits mehrmals bei Sitzungen des Innenausschusses und des Innenministeriums zum OEZ-Amoklauf gestellt hat – zuletzt auch als offizielle Anfrage ans Kultusministerium. Bei diesen Fragen geht es um den mit dem Thema Mobbing im Zusammenhang mit der Tat. Unter anderem will die Politikerin wissen, ob es eine Aufarbeitung seitens des Kultusministeriums gibt. Auch, welche Konsequenzen das Ministerium aus dem Schluss zieht, der Amoklauf sei auf Mobbing zurückzuführen.

"Meine Angst ist, dass man aus diesem Fall nichts gelernt hat“, sagt Gottstein. "Die Polizei macht sich alle Mühe, minuziös den Ablauf ihres Einsatzes abzuklären. Seitens des Kultusministeriums sieht man sich aber anscheinend um keinerlei Aufklärung bemüht und nimmt das Thema Mobbing nicht ernsthaft in Angriff.“ Diesen Schluss zieht sie unter anderem daraus, dass das Ministerium für ihre Anfrage vom 15. Mai, die innerhalb von vier Wochen beantwortet werden müsste, erst eine Fristverlängerung auf den 15. Juli erbat – und ihr nach Verstreichen der Frist auf Nachfrage mitteilte, einige der Antworten seien zu sensibel für die Öffentlichkeit.

"Das Problem ist: Beratungslehrer haben zu wenig Zeit“

Auf AZ-Nachfrage erklärt das Kultusministerium, man habe mit Schulamt und den betroffenen Schulleitungen den Amoklauf "behandelt“. "Dabei wurden auch die Fragen von Mobbing bearbeitet.“ Auch realisiere man seit vielen Jahren "eine Vielfalt von Präventionsprogrammen gegen Mobbing“.

Außerdem gebe es nach dem Informationsstand des Ministeriums "vielfältige Gründe, die eine Rolle gespielt haben können“ für die Tat. "Eine monokausale Zuordnung lässt sich sicher nicht konstatieren.“

Im Abschlussbericht der Ermittler steht allerdings als Motiv: persönliche Kränkung durch Mobbing. Aus ihren 36 Jahren im Schuldienst wisse sie, sagt Gottstein "wie stiefmütterlich dieser Bereich behandelt“ werde. Die Einzelnen an den Schulen wolle sie gar nicht kritisieren. "Die Schulpsychologen haben eine Ausbildung, im Normalfall gibt es an jeder Schule einen ausgebildeten Beratungslehrer“, sagt sie. "Das Problem ist aber nach wie vor: Ein Beratungslehrer hat zu wenig Zeit. In den zwei, drei Stunden, die er weniger unterrichten muss, muss er sich um alles kümmern.“

Natürlich, sagt Gottstein, habe es im Fall von David Ali S. viele Umstände gegeben, "natürlich kann man so etwas nicht immer abwenden. Aber in vielen Fällen könnte man eben doch. Stattdessen schauen wir oft zu.“

Lesen Sie hier: Vor seinem Amoklauf: Ali David S. besuchte Tugces Grab

OEZ-Amoklauf: Die Nacht des Schreckens

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