Ehemalige Benko-Ruine: 120 Luxus-Serviced-Apartments statt Wohnungen in der Alten Akademie

Aus der Benko-Ruine im Herzen Münchens soll ein Haus mit bis zu 120 möblierten Luxus-Serviced-Apartments werden – statt der einst geplanten 53 Wohnungen. Der Bezirksausschuss protestiert, doch die Stadt hat kaum Spielraum, den umstrittenen Umbau zu stoppen.
Hüseyin Ince |
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So soll ab 2029 die Fassade der Alten Akademie an der Neuhauser Straße mal aussehen, wenn die Bauarbeiten beendet sind. Hierin will der neue Eigentümer Opes bis zu 120 Apartments als "Long-Stay-Konzept" betreiben lassen.
So soll ab 2029 die Fassade der Alten Akademie an der Neuhauser Straße mal aussehen, wenn die Bauarbeiten beendet sind. Hierin will der neue Eigentümer Opes bis zu 120 Apartments als "Long-Stay-Konzept" betreiben lassen. © Visualisierung: Opes Immobilien Gruppe/Hammer AG

Kurz herrschte Aufregung am vergangenen Donnerstag, als der Bezirksausschuss (BA1) Altstadt-Lehel seine monatliche Sitzung hatte. Ein eher unauffälliger Punkt in der Tagesordnung stand da an, 3.1.5: "Um- und Neubau eines Gebäudes mit 53 Wohnungen, Einzelhandel, Büro und Gastronomie mit Wirtsgarten sowie einer Tiefgarage (...)" und: "Änderungsantrag". "Der Unterausschuss empfiehlt, dass der BA bei seiner Ablehnung bleibt", sagte Jürgen Piechotka (CSU), Vizevorsitzender des Unterausschusses Bauen, Planen, Wohnen und Infrastruktur.

Ein Blick auf digitales Kartenmaterial zeigte, dass es sich um ein durchaus prominentes Gebäude Münchens handelt. Eine Benko-Ruine im Herzen der Stadt – die Alte Akademie. Nachdem die zusammengebrochene Signa von Rekordpleitier René Benko hier eine Bauruine hinterlassen hatte und die Umbauarbeiten im Herbst 2023 von heute auf morgen gestoppt werden mussten, kaufte die Opes Immobilien Gruppe aus Oberhaching das Gebäude. Die Gruppe managt die Immobilienaktivitäten der Heinz Hermann Thiele Stiftung.

Umbau von 53 geplanten Wohnungen in 120 Einzelapartments, die zeitweise vermietet werden

Mittlerweile wird im Groben nach den ursprünglichen Plänen Benkos weitergebaut. Doch nun gibt es eine Kehrtwende: Statt der von Benkos Signa geplanten 53 Wohnungen in der Alten Akademie will Opes darin bis zu 120 möblierte, hotelähnliche Apartments unterbringen.

Als der Unterausschuss des BA1 diese Pläne dem Bezirksausschuss am vergangenen Donnerstag erneut zur Abstimmung vortrug, war in dem Stimmgewirr Ablehnung zu hören. Die Rede ist von Wohnungen, die dem überhitzten Immobilienmarkt fehlen würden, wenn es so käme. Auch die Bezirksausschuss-Vorsitzende Andrea Stadler-Bachmaier (Grüne) positionierte sich in der Diskussion klar gegen den Umbau-Plan, betonte, dass man sich dazu kritisch äußern werde, sobald dem BA der konkrete Antrag vorliege.

Doch der Bezirk hat ohnehin nur Anhörungsrecht. Verhindern kann er den Umbau nicht. Wenn, dann könnte die Stadt den Plan ablehnen. Auf eine Anfrage hin schreibt das Planungsreferat etwas schmallippig: "Sollten alle baurechtlichen Voraussetzungen erfüllt sein, müsste der Antrag genehmigt werden. Somit besteht hier kein Ermessensspielraum."

Während der Wiesn wurden möblierte große Wohnungen für mehr als 3000 Euro täglich vermietet

Nach einer Anfrage bei Opes wirkt der Umbau beinahe schon beschlossen. Ein Sprecher schreibt: "Eine Bauvoranfrage bei der Stadt München, Lokalbaukommission, wurde positiv beschieden". Aktuell seien statt der 53 Eigentumswohnungen eben bis zu 120 Einzelapartments geplant.

Opes vermeidet es, das ganze Projekt als Hotel zu bezeichnen, geschweige denn als Luxus-Hotel oder eine Art Boarding-House, wie Langzeit-Hotels oft heißen. Während der Bezirksausschuss-Sitzung am Donnerstag fällt kurz ein neuartiger Begriff. Die Rede ist von "Long-Stay-Konzept". Doch was sollte das anderes sein, als ein Luxus-Hotel? Die Preise für solche Airbnb-artigen Mietobjekte mitten in der Stadt dürften in schwindelerregende Höhen klettern. Schon während der Wiesn 2026 verlangten private Anbieter vereinzelt mehr als 3000 Euro für möblierte üppige Apartments – täglich.

Offenbar würde Opes das "gewerbliche Wohnen zum Schmuckhof in den oberen Etagen" gar nicht selbst bewirtschaften. Der nächste Schritt sei die "Auswahl eines geeigneten Betreibers", der dann ein entsprechendes Konzept vorlegen werde. Auch hier hört es sich so an, als ob die Opes keinesfalls mit Widerstand aus der Stadt rechnet. Das gewerbliche Wohnen in der Alten Akademie werde den Ort "zusätzlich beleben".

"Alte Akademie mit neuem Glanz den Münchnern zurückgeben" – mit Luxus-Apartments?

Ein halbwegs ausgelasteter Betrieb von 120 Einzelapartments mitten in der Stadt – zentraler geht es kaum – wäre sicherlich eine lukrative Einnahmequelle. Ob es bereits Interessenten gibt, die dieses Luxus-Hotel bewirtschaften würden, schreibt Opes nicht.

Das Unternehmen fühle sich der Stadtgesellschaft verpflichtet. "Wir entwickeln diesen wichtigen Ort der Münchner Innenstadt mit Respekt und Verantwortung, um ihn am Ende in neuem Glanz den Münchnern zurückzugeben", sagt Dr. Jürgen Büllesbach, Geschäftsführer der Opes Immobilien Gruppe.

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  • kartoffelsalat vor einer Stunde / Bewertung:

    Es wird hier also zensiert, dass hinter diesem Projekt Hans Hammer (CSU) steht. Spannend

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  • kartoffelsalat vor einer Stunde / Bewertung:

    Ross & Reiter nennen!
    Hinter dem Projekt stehen die Thiele Familienstiftung und - darauf kommts an: die Hammer AG von Hans Hammer (CSU).

    Warum wird wohl jetzt hier nur noch Opes genannt?

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  • planet78 vor 11 Stunden / Bewertung:

    Die ursprünglich geplanten 53 Wohnungen wären bestimmt auch keine Sozialwohnungen geworden. Also sind 120 Einheiten doch besser.

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